3. Liga

1. FC Kaiserslautern vor dem Derby: Es geht um mehr als nur drei Punkte

Schommers: Für die Fans wäre es "die größte Genugtuung, das Spiel zu gewinnen"

Derby in Mannheim: Es geht um mehr als nur drei Punkte für den FCK

Boris Schommers

Boris Schommers wird auch beim Derby im Blickpunkt stehen. imago images

Die Freistellung Gerry Ehrmanns überlagerte in Kaiserslautern alles. Selbst das anstehende Duell in Mannheim am Samstag (14 Uhr, LIVE! bei kicker) war für einige Tage plötzlich nicht mehr als eine Randnotiz. Doch angesichts von nur noch drei Zählern Vorsprung auf die Abstiegszone gilt die volle Konzentration nun wieder dem sportlichen Geschehen. "Es wäre für alle FCK-Fans die größte Genugtuung, das Spiel zu gewinnen und für die Waldhof-Fans die größte Demütigung. Es interessiert in einem Derby nicht, wer in der Tabelle jetzt oben oder unten steht", brachte Trainer Boris Schommers den Stellenwert der Partie auf den Punkt.

Alle Spieler brennen auf das Spiel und ich erwarte, dass wir die pure Leidenschaft auf den Platz bringen.

Boris Schommers
3. Liga - 26. Spieltag
3. Liga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
MSV Duisburg
44
2
SpVgg Unterhaching
44
3
Waldhof Mannheim
43
Trainersteckbrief Schommers

Schommers Boris

1. FC Kaiserslautern - Vereinsdaten

Gründungsdatum

02.06.1900

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Das Toreschießen war zuletzt das große Manko bei den Roten Teufeln. Nur zwei Treffer stehen in bisher fünf Ligaspielen im Jahr 2020 zu Buche. Dies, so betonte Schommers erneut, liege jedoch keineswegs an der Systemumstellung. "Der Druck ist jetzt auf dem Kessel, aber das ist hier in Kaiserslautern selten anders", weiß der Coach um den Ernst der Lage. "Alle Spieler brennen auf das Spiel und ich erwarte, dass wir die pure Leidenschaft auf den Platz bringen."

"Keine schlaflosen Nächte" wegen Ehrmann

Die Turbulenzen rund um das Theater der Person Gerry Ehrmann ließ der Coach so wenig wie möglich an die Mannschaft herankommen. "Ich hatte keine schlaflosen Nächte deswegen. Es gehört zu meinem Job dazu, mit solchen Situationen umzugehen. Das einzige, auf das ich mich konzentriert habe, ist, dass es keine Auswirkungen auf die Mannschaft hat. Es ist meine Aufgabe, meine Mannschaft zu schützen", betonte der 41-Jährige. Zumal die Anfeindungen gegen den Trainer rund um den Trainingsplatz in dieser Woche als Vorbereitung dienen konnten. "Ich habe der Mannschaft gesagt, das ist ein kleiner Vorgeschmack dessen, was auf euch zukommt", so Schommers.

Mit einem Sieg dürfte sich in Kaiserslautern nicht nur die sportliche Lage entspannen, auch die kritische Stimmung nach der Causa Ehrmann im Fanlager würde sich relativieren. Doch sollten die Roten Teufel am Samstag enttäuschen, wird die Trainerdiskussion nach dann acht sieglosen Spielen in Serie nur schwer zu vermeiden sein. Nach kicker-Informationen gibt es in Teilen des Vereins bereits Gedankenspiele für einen drastischen Schritt - natürlich befeuert durch die Thematik mit Ehrmann, wegen der zahlreiche Fans die Absetzung des Trainers forderten. Doch der Coach genießt die volle Rückendeckung von Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt. Abgesehen davon hat die "Hire-and-Fire-Politik" auf Lauterns Trainerstuhl selten Gutes bewirkt.

Es wäre auch zu kurz gedacht und hätte den deutlichen Beigeschmack, dass man angesichts der Gesamtsituation die Nerven verloren hat. Denn Schommers hat gegen Ende des vergangenen Jahres bewiesen, dass er mit der Mannschaft harmonieren und diese weiterentwickeln kann. Wohlgemerkt, eine nicht vom ihm zusammengestellte Truppe. Zudem ließ sich der charakterstarke und ehrgeizige Trainer von äußerlichen Störeinflüssen keineswegs aus dem Konzept bringen.

Schommers hat die Qualität dazu, weiteres Unglück abzuwenden

Die aktuelle Negativserie könnte unglücklicher nicht sein. Aber es wäre viel zu einfach, diese allein Schommers anzulasten. Zum Auftakt des Jahres gegen Großaspach (0:0) verhinderte das Aluminium mehrfach einen Sieg. Gegen Ingolstadt (1:2) zeigten die Roten Teufel danach die mit Abstand beste Saisonleistung und bespielten den Aufstiegsaspiranten nach Belieben, doch das Abschlussglück fehlte. Und wie so häufig im Fußball - und erst Recht in Kaiserslautern - folgte die Nervosität auf dem Platz, die Leistungen gingen zurück.

Aus dem daraus entstandenen Negativstrudel muss Schommers die Mannschaft nun führen, wie er es bereits im vergangenen Herbst getan hat. Die nötige Qualität dazu besitzt er. Und so kann er auch die Anhängerschaft wieder vereinen. Denn wer am Ende den sportlichen Erfolg des Vereins unter Schommers nicht über das Idol Ehrmann stellt, auf den kann der FCK wohl verzichten.

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Moritz Kreilinger