Champions League

Leidender Stummel: CR7 verzweifelt, Maurizio Sarri ist wütend auf Juve

Turin steht vor dem Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale unter Druck

Leidender Zigarettenstummel: CR7 verzweifelt, Sarri ist wütend aufs Team

Cristiano Ronaldo ist Spieler von Juventus.

Beschwerte sich gegen Ende des Achtelfinalhinspiels in Lyon zuhauf: Juventus-Star Cristiano Ronaldo. Getty Images

Maurizio Sarri ist passionierter Qualmer, raucht nach eigenen Angaben "60 Zigaretten pro Tag, wahrscheinlich sind das ein bisschen zu viele". Das hatte der aktuelle Juventus-Coach 2019 im Gespräch mit "La Nuova Riviera" verraten, um anzuhängen: "Während des Spiels habe ich nicht das unbedingte Verlangen, aber gleich danach ist es notwendig."

Innerhalb der 90 Minuten braucht der oft engagiert umherlaufende, lautstark agierende und emotional mit seinen Gesichtszügen spielende Neapolitaner aber trotzdem eine Zusatzbeschäftigung, um der wohl aufkommenden Lust Einhalt zu gebieten. Die Lösung: Zigarettenstummel werden zwischen die Lippen gepresst, bearbeitet und - wie an diesem Mittwochabend beim 0:1 in Lyon - im Dauermodus malträtiert.

Zwei Szenen spalten zunächst die Gemüter

Doch was war passiert, dass sich die Fäden des Zigarettenstummels beinahe wieder in die einzelnen Celluloseacetat-Flocken auflösten? Gleich zweimal forderten die Turiner in der Schlussphase vergebens Elfmeter. In der 84. Minute schaufelte Aaron Ramsey den Ball in den Sechzehner, wo Cristiano Ronaldo leicht - und eventuell entscheidend - von Jason Denayer gestoßen wurde. Fünf Zeigerumdrehungen später hob Paulo Dybala im Zentrum vor dem OL-Gehäuse zum Fallrückzieher ab und wurde dabei klar mit dem linken Arm von Bruno Guimaraes weggedrückt. Der spanische Referee Jesus Gil Manzano blieb aber jeweils und wohl nach kurzer Rücksprache mit dem Video-Assistenten hart, sah sich die Szenen nicht selbst am Bildschirm an. Besonders bei Dybalas Aktion sicher fraglich, wäre der Argentinier ohne die zweimal klar auf die Brust drückende Hand seines Gegenspielers wahrscheinlich zum kunstvollen Abschluss gekommen.

Cristiano Ronaldo, der selbst mehrere Male bei versuchten Abschlüssen oder Offensivaktionen verzweifelte, beschwerte sich jeweils stets mit seinen Kollegen lautstark beim Schiedsrichter - allein es brachte nichts.

"Ich verstehe es nicht": Sarri teilt gegen sein Team aus

Maurizio Sarri ist Trainer von Juventus.

Ist Kettenraucher - und strapaziert an der Seitenlinie häufig Zigarettenstummel: Juve-Trainer Maurizio Sarri. Getty Images

Coach Sarri riss in beiden Momenten derweil seine Arme in die Luft, presste im Anschluss seine Lippen fest zusammen und hielt seine Wut auf den Schiedsrichter zurück. Wer nun glaubte, der 61-Jährige würde im Anschluss in Richtung Referee losledern, sah sich getäuscht. Vielmehr attackierte der für seine offensive Spielphilosophie geschätzte Macher seine eigenen Schützlinge - und speziell deren Spielweise.

Die Gründe dafür lagen auf der Hand: Juve agierte in der ersten Hälfte viel zu behäbig, ließ den Ball zu langsam durchlaufen - und kam trotz überlegener zweiter 45 Minuten zu keinem einzigen Torschuss (abgesehen von einem Abseitstreffer von Paulo Dybala). Deswegen teilte ein sichtlich aufgebrachter Sarri nach Spielschluss gegenüber "Sky Sport Italia" mit deutlichen Worten an sein eigenes Team aus und sparte nicht an drastischer Kritik.

Ich kriege die Spieler nicht dazu, zu verstehen, wie wichtig es ist, den Ball zügig laufen zu lassen.

Maurizio Sarri in Richtung seiner Spieler

"Das Spiel heute ist schwer zu erklären. Wir haben in erster Linie den Ball in der ersten Halbzeit viel zu langsam bewegt. Deswegen drückt der Gegner natürlich, gewinnt oft den Ball zurück und erzielt letztlich sogar ein Tor gegen uns", sagte der frühere Chelsea- und Napoli-Trainer. "Uns fehlte Entschlossenheit und Aggression beim Angriff - und 15 Minuten lang fehlte es auch an der notwendigen defensiven Einstellung. Wir hatten außerdem Pech, dass Matthijs de Ligt beim Gegentreffer außen behandelt werden musste. Das Tor des Abends für OL erzielte im Übrigen der ab Sommer für Hertha BSC auflaufende Franzose Lucas Tousart.

Damit nicht genug. Sarri, der auf die zuletzt verletzten Giorgio Chiellini, Sami Khedira und Douglas Costa im Kader verzichtet hatte, legte weiter nach: "Gestern beim Training wurde der Ball zweimal so schnell laufen gelassen wie heute. Das ist das Gegenteil von dem, was passieren sollte. In letzter Zeit machen wir immer wieder das Gegenteil vom Training. Und das verstehe ich nicht. Ich mag es auch nicht, wenn der Ball 60 Meter nach vorn geschlagen wird, wenn dort alle festgeklemmt sind. Es ist immer besser, ihn nach vorne zu tragen und Schnittstellenpässe zu versuchen. Doch ich kriege die Spieler nicht dazu, zu verstehen, wie wichtig es ist, den Ball zügig laufen zu lassen. Denn obwohl es besser war im zweiten Durchgang, für ein Champions-League-Match ist das eindeutig nicht gut genug."

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Bilder zur Partie Olympique Lyon - Juventus Turin