2. Bundesliga

Nürnberger Frustbewältigung und das Hoffen auf Mavropanos

Club-Trainer Keller muss in Karlsruhe womöglich improvisieren

Nürnberger Frustbewältigung und das Hoffen auf Mavropanos

Patrick Alt

Viel Diskussionsstoff gab es in der zweiten Hälfte zwischen den Club-Spielern und Referee Patrick Alt (verdeckt). imago images

So gesehen wäre der FCN auch schlecht beraten gewesen, besagte Niederlage alleine am Schiri festzumachen. "Wir müssen uns da schon selbst hinterfragen. Wir hatten die Möglichkeit, die Partie für uns zu entscheiden", führte Torhüter Christian Mathenia am Tag nach dem 1:2 nüchtern an.

Club verlor gegen Darmstadt die Linie

Wie wahr: Seine Mannschaft lag mit 1:0 in Front, hatte Spiel wie Gegner unter Kontrolle, ehe sie die Szene zuließ, die dann zum Knackpunkt der Partie wurde. Der Pass von Darmstadts Yannick Stark fand in der 54. Minute kurz vor der Fünfmeterlinie Mittelstürmer Serdar Dursun, Asger Sörensen zog diesen dann an der Schulter, ohne auf den Ball gehen zu wollen. Somit machte der Schiedsrichter erst alles richtig, als er auf den Punkt zeigte, um dann einen Fehler zu machen, der die Stimmung in einer bis dato unaufgeregten Partie zum Kochen brachte: Er zeigte Sörensen erst Gelb, was zwar dem normalen Fußball-Empfinden entsprach, nicht aber dem Regelwerk, das in diesem Fall zwingend Rot vorsieht. Vereitelung einer klaren Torchance im Strafraum, ohne erkennbar den Ball spielen zu wollen, lautet da sinngemäß die Begründung.

Spielersteckbrief Margreitter

Margreitter Georg

Spielersteckbrief Sörensen

Sörensen Asger

Spielersteckbrief Nürnberger

Nürnberger Fabian

Spielersteckbrief Mavropanos

Mavropanos Konstantinos

Trainersteckbrief Keller

Keller Jens

Patrick Alt wurde somit aus Köln auf sein falsches Kartenspiel hingewiesen, bemühte daraufhin den Videobeweis und korrigierte sich nachträglich auf Rot, was dann im Stadionrund die Gemüter auf den Rängen und auf dem Rasen erhitzte - dies wiederum bekam der Spielleitung des Schiris gar nicht gut, aber auch nicht der bis dato solid-souveränen Spielweise der Franken. Hätten sie nach dem 1:1, Unterzahl hin oder her, so abgeklärt weitergespielt, sie wären mit ziemlicher Sicherheit nicht als Verlierer vom Platz gegangen. Auch zu zehnt erzeugten sie höchst vielversprechende Umschaltmomente, ohne sie aber nutzen zu können: ein schlampiger Pass hier, ein Dribbling statt eines Abspiels wie umgekehrt dort, gar nicht zu reden von Michael Freys Riesenchance zum 2:1 (62.).

Nürnberger und Sörensen fehlen beim KSC

Zu Letzterem passt übrigens, dass Starks Pass, der die zuvor überzeugende Club-Defensive kalt erwischte und für Darmstadts erste Chance überhaupt sorgte, nicht gewollt, sondern ein Zufallsprodukt war. Unterm Strich kam so ergebnistechnisch ein total gebrauchter Nachmittag heraus, der Aufwärtstrend der vorausgegangenen drei Spiele indes hielt an. Dies wiederum sollte dem Club am Freitag für die richtungsweisende Partie Zuversicht geben und Mut machen. Beides wird er beim wieder erstarkten KSC benötigen, der unlängst im Baden-Derby beim SV Sandhausen mit einem 2:0 die Negativserie von acht sieglosen Pflichtspielen beendete. Am Freitag kann er den Club überholen und auf Rang 16 zurückschicken.

Dass Trainer Jens Keller in diesem Duell zum Umstellen gezwungen ist, sollte angesichts eines breit aufgestellten Kaders kein allzu großer Nachteil sein. Es steht fest, dass Asger Sörensen und Sechser Fabian Nürnberger, weil gesperrt, nicht zur Verfügung stehen werden. Letzterer wegen einer zu Unrecht verhängten Gelb-Roten-Karte, Ersterer wie erwähnt wegen Rot. Dass er nur ein Spiel gesperrt wurde, war absehbar. Erstens war sein Foul harmloser Natur, zweitens hatte Kempe den Elfmeter verwandelt - wäre dem nicht so gewesen, hätte Sörensen zwei Spiele zusehen müssen.

Fragezeichen hinter Mavropanos und Margreitter

Ob Keller auch auf Konstantinos Mavropanos verzichten muss, ist indes noch offen. Die Hoffnung besteht, dass die medizinische Abteilung den Innenverteidiger bis Freitag hinbekommt. Die Arsenal-Leihgabe musste am Sonntag nach einem Zusammenprall mit Dursun früh das Feld verlassen - mit einer heftigen Beckenprellung, wie sich herausstellte. Wann der 22-Jährige wieder einsatzbar sein wird, dahinter setzt der Club ein Fragezeichen. Bewusst, denn die Ausfallzeit hängt davon ab, wann sich der Bluterguss im Hüftgelenk auflöst. Dies kann ganz schnell passieren, sich aber auch noch etliche Tage hinziehen. Eine Chance besteht zudem, dass Georg Margreitter seine Knöchelverletzung bis zum Freitag auskuriert hat. Sollten beide passen müssen, würde Patrick Erras von der Sechs nach hinten neben den gesetzten Lukas Mühl gezogen werden.

In diesem Fall müsste der FCN-Coach im Vergleich zum Sonntag eine ganz neue Doppel-Sechs aufs Feld schicken, wobei eine Position schon fix vergeben ist: Johannes Geis hat seine Gelbsperre verbüßt und wird wieder seinen angestammten Platz einnehmen - neben Erras? Sollte der tatsächlich hinten aushelfen müssen, heißt es für Keller Tüfteln. Eine Möglichkeit wäre, Hanno Behrens von der Zehn nach hinten zu ziehen. Eine andere, Adam Cerin zu bringen, der beim 1:4 beim HSV zum Start der Rückrunde auf der Sechs sein Startelfdebüt feierte. Ein schwaches Debüt, sei angefügt: Der 20-Jährige erwies sich damals in einer allerdings schwachen Club-Elf als Unsicherheitsfaktor und wurde folgerichtig nach 41 Minuten ausgewechselt.

Chris Biechele