Bundesliga

Fischer über Favre: "Unsere Sichtweise auf Fußball ist in vielen Dingen gleich"

Union-Trainer im kicker-Interview

Fischer über Favre: "Unsere Sichtweise auf Fußball ist in vielen Dingen gleich"

Urs Fischer und Lucien Favre

Spezielle Beziehung: Urs Fischer und Lucien Favre. imago images

Wenn der 1. FC Union Berlin am Montag bei Eintracht Frankfurt gastiert, ist das auch das Wiedersehen zweier alter Bekannter: Urs Fischer und Adi Hütter. In der Schweiz duellierten sich beide um den Meistertitel, zweimal mit dem besseren Ende für Union-Coach Fischer, der mit dem FC Basel 2016 und 2017 Hütter und YB Bern distanzierte. Mit einem weiteren Bundesliga-Trainer verbindet Fischer eine wohl noch speziellere Beziehung: Lucien Favre.

2003 war's, beim FC Zürich, Fischers Heimatklub. Der heute 54-Jährige, der mit mehr als 500 Einsätzen Rekordspieler der Schweizer ersten Liga ist, wollte seine aktive Karriere beim FCZ fortsetzen. Dann aber kam Favre. "Ursprünglich war mit dem Klub abgemacht, dass ich noch ein Jahr dranhänge und die jungen Spieler mit heranführe", erzählt Fischer im kicker-Interview (Montagsausgabe), "aber Lucien, der dann als neuer Trainer kam, hat ohne mich geplant. Ich habe unter ihm in der Hinrunde als Teamcoach gearbeitet und bin dann als Trainer zurück zur U 14."

"Champagnerfußball" vs. "Resultatsfußball"

Während Fischer nach seinem Karriereende in der Nachwuchsabteilung des Vereins und unter Favre Erfahrungen als Trainer sammelte, führte Favre den FCZ 2006 zum ersten Meistertitel seit 1981. Noch heute wird der aktuelle Trainer von Borussia Dortmund deshalb in Zürich für seinen "Champagnerfußball" verehrt. Über Fischer, der beim FCZ 2010 vom U-21- zum Cheftrainer befördert und mit dem Traditionsverein 2011 Vizemeister wurde, heißt es hingegen, er lasse "Resultatsfußball" spielen. Fischer aber findet: "Was glauben Sie, wie viele Dinge zwischen Luciens und meiner Spielidee ähnlich sind? Auch ich möchte nach vorne spielen, und bei Lucien geht auch vieles über die Organisation. Wie bei mir." Und weiter: "Unsere Sichtweise auf Fußball ist in vielen Dingen gleich, weil ich seine Art zu spielen damals aufgesogen habe und ich zu seiner Zeit bei Hertha bei ihm hospitiert habe. Aber die Spielweise von Dortmund ist nicht mit der von Union Berlin vergleichbar."

Die Diskussion um seine rustikale (und bei Union von vielen langen Bällen geprägte) Spielweise begleitet Fischer seit Jahren. In Basel, wo er in zwei Jahren zweimal Meister und einmal Pokalsieger wurde, warf man ihm teilweise "Angsthasenfußball" vor. Nach dem Aus beim Schweizer Renommierklub im Sommer 2017 war Fischer ein Jahr ohne Verein. Dann folgte der Schritt in die 2. Bundesliga zu Union. Durch den Aufstieg mit den Köpenickern gleich in seiner ersten Spielzeit in Köpenick und die bislang gute Erstliga-Saison mit dem Bundesliga-Neuling hat sich Fischers Ruf auch in seiner Heimat deutlich verbessert.

Urs Fischer im Gespräch mit den kicker-Redakteuren Jan Reinold und Andreas Hunzinger. kicker

Was Urs Fischer über seine "Rehabilitation" sagt und warum ihm Kritik an seiner Spielweise "wie eine Schallplatte, die einen Sprung hat", vorkommt, lesen Sie im aktuellen kicker (Montagsausgabe). Darin äußert sich Berlins Trainer des Jahres 2019 auch zu Widerständen, die er in seiner Karriere überwinden musste, zu Verständigungsproblemen auf seiner ersten Auslandsstation und zu seiner "Jahrhundert-Frisur".

Andreas Hunzinger, Jan Reinold