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Inka Grings: "Brutaler Ehrgeiz" für das Ziel Bundesliga

Oberliga Niederrhein

Inka Grings: "Brutaler Ehrgeiz" für das Ziel Bundesliga

Inka Grings

Die Oberliga soll nicht das Ende sein: Inka Grings, Trainerin des SV Straelen, will ganz nach oben. imago

Sie wollte nicht unbedingt die Erste sein. Aber stolz ist Inka Grings "natürlich trotzdem". Die zweimalige Europameisterin übernahm den damaligen Regionalligisten SV Straelen vor einem Jahr nicht, um Geschichte zu schreiben. Das tat sie aber dennoch: schließlich war sie die erste Frau, die ein viertklassiges Herren-Team trainierte. "Mir ging es nicht darum, eine Pionierin zu sein", betont sie. "Ich will auch als Trainerin dorthin, wo ich herkomme: ganz nach oben."

Ganz oben - das war sie in der Tat bereits. Zwei Europameistertitel gewann Grings als Spielerin mit dem DFB-Team, bei beiden Turnieren krönte sich die heute 41-jährige zur Torschützenkönigin. Auch im Vereinsbereich war sie nicht minder erfolgreich, ihre 353 Treffer in der Frauen-Bundesliga sind bis heute unerreicht.

Bei ihrer ersten Trainer-Station im Herren-Bereich ging es statt nach oben jedoch erst einmal nach unten. In den sieben verbleibenden Partien nach ihrer Verpflichtung konnte Grings das Ruder in der vergangenen Saison nicht mehr herumreißen und musste den Gang in die Oberliga antreten.

Dennoch blieb sie dem Verein treu. Der Verbleib allerdings war an klare Bedingungen geknüpft, schließlich will Grings unbedingt nach oben. "Die Oberliga ist langfristig nicht das Niveau, auf dem ich mich sehe", stellt sie klar. Das geht den Verantwortlichen des Vereins allerdings genauso. Hermann Tecklenburg, der Investor und alles überstrahlende Mann im Verein, ist ebenfalls extrem ehrgeizig. Daher sicherte er ihr das zu, was sie wollte. Trainingsmöglichkeiten wie bei einem Regionalligisten findet sie nun vor in der 16.000 Seelen-Gemeinde an der niederländischen Grenze, dazu das Fundament für fußballerischen Erfolg: einen Kader, der qualitativ alle Voraussetzungen mitbringt.

Das Ziel ist, wie sollte es anders sein, der direkte Wiederaufstieg. Und Grings befindet sich mit ihrer Mannschaft auf einem sehr vielversprechenden Weg. Schließlich hat ihr Team 18 von bislang 19 Saisonspielen gewonnen und thront mit zwölf Punkten Vorsprung auf den zweitplatzierten FC Monheim einsam an der Spitze der Oberliga Niederrhein.

"Mit Tecklenburg gab es richtig Krach"

Verantwortlich dafür macht die gebürtige Düsseldorferin neben der individuellen Klasse noch zwei weitere Faktoren. "Zum einen hat das Team trotz der vielen Veränderungen im Sommer einen tollen Zusammenhalt entwickelt. Und zum anderen hatten wir teilweise auch wirklich das nötige Matchglück."

Inka Grings - als Spielerin stand der Name für Eigenschaften wie Zielstrebigkeit und Ehrgeiz. Recht ähnlich charakterisiert sie sich auch als Coach, von "brutalem Ehrgeiz" spricht sie gar. Eine Eigenschaft, die sich nicht immer nur positiv auswirkt. "Gerade zu Anfang", verrät sie, "hat es zwischen Tecklenburg und mir einige Male ordentlich gekracht." Kein Wunder, schließlich sind beide "dominante Persönlichkeiten" und brennen für ihr Projekt.

Eine weitere Eigenschaft macht die Trainerin Inka Grings aus: ihre klare Kommunikation. "Ich nehme kein Blatt vor den Mund. Bei mir weiß jeder Spieler, wo er steht. Auch wenn damit nicht jeder glücklich ist."

Zudem kommt Grings natürlich ihre hochklassige Erfahrung zugute, die ihr hilft, "ein Gefühl für die Bedürfnisse der Mannschaft zu entwickeln." Allerdings ist es ihr wichtig, trotz allem nie so rüberzukommen, "als hätte ich den Fußball erfunden."

Eine Sonderbehandlung spürt sie sowieso, trotz ihrer Bekanntheit und ihres Geschlechts, nicht. "Mir wird weder der rote Teppich ausgerollt noch fehlender Respekt entgegengebracht", betont Grings. Allenfalls komme es vor, dass es einen Spieler besonders reize, unter ihr zu spielen.

"Setze ein Zeichen für Frauen"

Die Pioniersrolle weist sie jedenfalls nicht von sich. "Mir ist schon klar, dass ich da in der Verantwortung stehe und allein durch meine Präsenz in der Männerdomäne ein wichtiges Zeichen für Frauen in der Gesellschaft setze", erkennt sie an. Ihre Priorität liegt jedoch nach wie vor mehr darauf, ihre "Arbeit zu verrichten und eine Fußballmannschaft zu trainieren."

Zur Wahrheit ihres Engagements in Straelen gehört es auch, dass Grings nicht rein zufällig dort landete. Die Wege der 96-maligen Nationalspielerin und des Teamsponsors sind eng verflochten. Die Trainerin der DFB-Damen, Martina Voss-Tecklenburg, ist die Gattin des Bauunternehmers und gleichzeitig Grings‘ ehemalige Liierte. Auf Vorwürfe, die ihre Position als Gefälligkeit bezeichnen und ihr daher die Eignung absprechen, reagiert sie mit gemischten Gefühlen. "Ich kann und will nun mal nicht abstreiten, dass Beziehungen im Trainergeschäft eine sehr große Rolle spielen. Allerdings war das keinesfalls der einzige Grund für meine Anstellung."

Einen Zeitplan für ihre Zukunft hat Grings bei allem Ehrgeiz nicht. "Ich kann meinen Karriereverlauf ja nur bedingt beeinflussen. Aber ich werde immer mit 100 Prozent Leidenschaft bei der Sache sein." Nur wenigen Menschen nimmt man diese Aussage so sehr ab wie Inka Grings.

David Scheidler