Bundesliga

Einträge auf Online-Marktplatz werfen bei Bayer Fragen auf

Rolfes dementiert und spricht von "Fälschung"

Einträge auf Online-Marktplatz werfen bei Bayer Fragen auf

Wappen von Bayer Leverkusen

Einträge auf einer Online-Plattform sorgen bei Bayer Leverkusen für Wirbel. imago images

Leverkusens Sportdirektor bestreitet, dass Bayer 04 auch nur einen Spieler dort platziert hat. "Wir kennen diese Plattform, aber wir arbeiten nicht damit", erklärt Rolfes, der zu dem in der Branche wabernden Thema versichert: "Was da kursiert, stimmt nicht. Das muss eine Fälschung sein. Zu meiner Zeit als Sportdirektor ist da kein Spieler von uns eingestellt worden."

Transferroom trägt nicht zur Klärung bei, verweist aufs eigene Selbstverständnis. "Es gehört zu unserer Politik, Fragen dazu, wie der Dienst genutzt wird, nicht zu kommentieren", betont ein Sprecher. Hintergrund: Transferroom wurde 2017 vom früheren Spielerberater Jonas Ankerson gegründet. Auf diesem Fußball-Marktplatz können sich Profi-Klubs gegen eine knapp vierstellige Jahresgebühr registrieren und dann Spieler zum Verkauf oder für eine Leihe anbieten oder nach Zugängen suchen. Dabei besteht die Möglichkeit, aber nicht die Pflicht, relevante Daten anzugeben.

Im Fall der insgesamt elf Bayer-Profis, die Ende Januar auf der Abgabe-Liste zu sehen waren, wurden neben dem Namen Position, Alter und Vertragslaufzeit angegeben. Zusätzlich können Gehalt sowie gewünschte Leihgebühr oder Ablöse eingetragen werden. Aus dem Screenshot wird ersichtlich, dass bei zwei Profis, die Bayer gehören, eine Angabe zur Ablöse steht: für Leon Bailey 40 Millionen Euro, für den inzwischen an den HSV verliehenen Mittelstürmer Joel Pohjanpalo drei Millionen Euro.

Was ist der Transferroom?

Derzeit sind laut Transferroom mehr als 500 Klubs (darunter viele Premier-League-Vereine wie ManCity oder Liverpool sowie Bundesligisten wie unter anderen Bremen, Schalke, Wolfsburg und Düsseldorf) aktiv und über 1750 Spieler aus 78 Ligen gelistet. Zugang zu dem System haben nur registrierte Klubs. Dass Spieler der Größenordnung Baileys, Alarios oder Vollands dort auftauchen, ist bemerkenswert. Wird die Plattform doch von deutschen Klubs bislang in erster Linie dazu genutzt, Profis aus dem hintersten Segment des Kaders anzubieten. So erklärt Darmstadts Sportlicher Leiter Carsten Wehlmann: "Das ist ein kleines zusätzliches Tool, das vor allem dafür interessant ist, Spieler auf Märkten anzubieten, bei denen das Scouting aufgrund der Strukturen nicht so ausgeprägt und flächendeckend sein kann."

Offene Fragen und fehlender Mehrwert

Dass dort nun Hochkaräter wie Volland angeboten worden sein sollen, wirft Fragen auf. Auch aus Rolfes' Sicht. "Für Klubs aus kleineren Ligen kann diese Plattform einen Mehrwert haben. Den sehe ich für uns nicht. Die Vereine, die sich unsere Spieler leisten können, kennen diese auch", argumentiert der seit November 2018 fungierende Sportdirektor, der sich keinen Reim darauf machen kann, wer was mit dieser Geschichte bewirken möchte.

Simon Rolfes

Kann sich die Einträge auch nicht erklären: Bayer-Sportdirektor Simon Rolfes. imago images

Klar ist, dass es dem Klub schaden würde, wenn Spieler dieser Kategorie zum Verkauf angeboten oder gar mit einem Preisschild versehen würden. Wäre dies doch für die Profis und interessierte Vereine ein klares Zeichen, dass Bayer diese Akteure nicht mehr bedingungslos halten möchte. Dadurch würde die Verhandlungsposition geschwächt.

Geschwächte Verhandlungsposition? Nicht immer

Das würde für die Bayer-Profis auf dem Screenshot in unterschiedlichem Maß gelten: Dass Aleksandar Dragovic (28, Vertrag bis 2021) genauso wie der inzwischen an Sheffield United ausgeliehene Panagiotis Retsos (21, 2022) auftaucht, stellt ungeachtet der Hintergründe des Eintrags keine Überraschung dar, wie auch die Nennung von Ersatzkeeper Niklas Lomb (26) und Eigengewächs Adrian Stanilewicz (19), deren Verträge auslaufen.

Dragovic hat seinen Wechselwunsch nicht nur beim Klub, sondern auch medial hinterlegt. Dass Linksverteidiger Wendell (26, 2021) und Rechtsverteidiger Mitchell Weiser (25, 2023) laut dem Eintrag Verkaufskandidaten sind, wäre bemerkenswert, auch wenn Bayer für beide Positionen Verstärkungen sucht.

Brisanz bei Volland

Dass hinter dem Namen des Brasilianers Paulinho (19, 2023), der 2018 für 18,5 Millionen Euro Ablöse verpflichtet wurde, wie bei allen Kandidaten außer Stanilewicz ein x in der Spalte "Verkauf" gesetzt ist, wäre durchaus heikel. Wie auch im Fall Kevin Volland, mit dem im vergangenen Herbst über eine Vertragsverlängerung über 2021 hinaus verhandelt wurde.

Screenshot

Die Liste mit den aufgeführten Bayer-Profis.

Seitdem Leverkusens bester Scorer Ende 2019 den Berater wechselte, wurden keine Gespräche geführt. Kommt es nicht zu einer Einigung, bestünde für Bayer im Sommer zum letzten Mal die wirkliche Möglichkeit, für Volland eine ordentliche Ablöse zu erzielen. Rolfes sagt: "Wir versuchen, unsere guten Spieler zu halten. Wir werden uns mit Sicherheit zusammensetzen, und dann wird man sehen."

Erschwert es die Gespräche, dass Volland auf dieser Verkaufsliste auftaucht? Die Gemengelage ist brisant, selbst wenn die Einträge nicht von Bayer stammen würden. Dann stehen Fragen im Raum. Möchte jemand Rolfes schaden? Oder Bayer? Oder dem Betreiber der Plattform? Ein falsches Spiel? Rolfes sagt: "Uns tangiert das wenig."

Stephan von Nocks

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