Bundesliga

Lang scheint bei Kohfeldt unten durch zu sein

Ungewöhnliche Verbannung des Routiniers

Lang scheint bei Kohfeldt unten durch zu sein

Michael Lang

Steht nur noch im Training auf dem Platz: Werder-Verteidiger Michael Lang. imago images

Die Krise des SV Werder ist nicht zuletzt auch eine Krise der nominellen Führungsspieler und Leistungsträger. In der Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt wimmelt es inzwischen von individuell krassen Enttäuschungen. An manchen wie Davy Klaassen oder Maxi Eggestein hält der Coach, auch mangels Alternativen, kontinuierlich fest. Andere wie Yuya Osako bekommen immer mal wieder eine neue Chance oder laufen als Ergänzungsspieler mit wie Nuri Sahin.

Einen Profi traf der Bannstrahl des Fußballlehrers unterdessen mit voller Wucht: Rechtsverteidiger Michael Lang durfte vorm Spiel in Leipzig zuletzt nicht einmal mehr mit ins Kurztrainingslager reisen. "Eine sportliche Entscheidung", beschied Kohfeldt auch auf wiederholtes Nachfragen ungewohnt knapp.

Langs Ausmusterung ist ungewöhnlich

Gewiss wird kein Trainer einen Spieler ohne Not links liegen lassen, von dem er sich einen Wert für die Mannschaft erwarten würde, auch Kohfeldt nicht. Dennoch ist Langs Ausmusterung alles andere als ein gewöhnlicher Vorgang. Zum einen kann der 29-Jährige gleich mehrere Defensivpositionen solide bekleiden. Zum anderen wirkt der 31-malige schweizer Nationalspieler kraft Auftreten und Erfahrung durchaus wie ein Profi, der auch dann helfen könnte, wenn er nicht auf dem Rasen steht. Doch ist Kohfeldt diesbezüglich offenbar zu einer anderen Einschätzung gelangt.

Bezeichnend, dass er im Gegensatz zu Lang den gelbgesperrten Davie Selke aus Gründen des Teambuildings mit nach Leipzig nahm. Gewisse Vorbehalte des Trainers gegenüber Lang sind ohnehin schon seit längerem zu spüren.

Lang und Kohfeldt: Ein angeknackstes Verhältnis?

Ende August wurde Lang in höchster Bremer Personalnot aus Gladbach ausgeliehen - und entpuppte sich trotz fehlender Spielpraxis als echte Soforthilfe. Der abgeklärte Neue sorgte für Stabilität auf der rechten Defensivseite, in den ersten vier Spielen mit Lang in der Startelf holte Werder sieben Punkte aus den Partien gegen Augsburg (3:2), bei Union Berlin (2:1), gegen Leipzig (0:3) und in Dortmund (2:2).

Doch kaum hatte sich die Personalsituation leicht entspannt, war Lang wieder außen vor. Die Rückkehr von Theo Gebre Selassie nach hinten rechts war für Kohfeldt ein Automatismus. Gut vorstellbar, dass das Verhältnis bereits an dieser Stelle einen entscheidenden Knacks bekam. Als Lang kurz vor Weihnachten wieder ran durfte, enttäuschte er gegen Bayern (1:6) und Mainz (0:5) bitter - wie die allermeisten Kollegen.

Im Januar hätte er sich als Vertreter des verletzten Gebre Selassie neu aufdrängen können, während des Trainingslagers auf Mallorca stoppte ihn jedoch ein Faserriss. Nun ist Lang wieder fit, doch in Leipzig durfte prompt wieder Gebre Selassie ran - nach nicht mal einer Woche Mannschaftstraining. Lang, der zuhause bleiben musste, hatte zuvor deutlich kürzer pausiert und danach schon doppelt so lange wieder mit dem Team trainiert. Das ursprüngliche Ziel, sich "bei Werder festzubeißen", kann er sich allerspätestens jetzt abschminken. Sein Leihvertrag endet im Sommer ohne Option auf eine Weiterbeschäftigung in Bremen.

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Thiemo Müller