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Rassismus-Eklat: Porto-Stürmer Marega verlässt wütend den Platz

Affenlaute und Stuhlwurf in Guimaraes

Rassismus-Eklat: Porto-Stürmer Marega verlässt wütend den Platz

Hitzige Diskussionen: Moussa Marega (l.) umzingelt von Leuten, die ihn zum Bleiben bewegen wollen.

Hitzige Diskussionen: Moussa Marega (l.) umzingelt von Leuten, die ihn zum Bleiben bewegen wollen. imago images

Nicht ganz eine Stunde war gespielt, es stand nach einem Eigentor von Douglas (10.) und einem Treffer von Bruno Duarte (49.) unentschieden - doch dann kam der Ball zu Portos Stürmerstar Marega, der vollstreckte und letztlich in dieser 60. Minute den Siegtreffer markierte. So schön sein Tor auch war, so hässlich waren die Szenen, die sich dann ereigneten.

Angreifer hat die Nase gestrichen voll

Marega, der offenbar schon zuvor Ziel von rassistischen Anfeindungen geworden war, deutete beim Torjubel auf seine linke Hand - wohl ein Hinweis auf seine Hautfarbe. Teile des Publikums buhten ihn massiv aus, es waren Affenlaute zu hören und es flog sogar eine Sitzschale in Richtung des Stürmers - und die verfehlte ihn nur knapp. Die Anfeindungen gegenüber dem Malier ließen in der Folge nicht nach, sodass er deutlich machte, dass er nicht weiterspielen wollte.

Der 28-Jährige, der 2016/17 selbst für Vitoria gespielt hatte (14 Tore), zeigte schließlich an, dass er ausgewechselt werden möchte und machte sich erzürnt auf den Weg, den Platz zu verlassen. Zahlreiche seiner Mitspieler, aber auch Spieler der gegnerischen Mannschaft sowie Porto-Trainer Sergio Conceicao bemühten sich, ihn doch noch umzustimmen - letztlich vergeblich. Marega konnte und wollte offenbar nicht mehr. Er verließ den Platz und zeigte dabei zwei Daumen nach unten.

Marega lässt seinem Frust später freien Lauf

Das Ganze dauerte knapp zwei Minuten, ehe Conceicao Wilson Manafa brachte (72.). Marega selbst lieferte sich noch ein hitziges Wortgefecht mit Vitoria-Anhängern und ließ sich auch dazu verleiten, den Mittelfinger zu zeigen. Später am Abend verschaffte der Stürmer seinem Frust via Instagram abermals Luft. Er schimpfte über die "Idioten, die ins Stadion kommen, um rassistische Parolen zu schreien" und "bedankte" sich auch bei den Unparteiischen, "dass sie mich nicht verteidigt haben und mir eine Gelbe Karte gegeben haben, weil ich meine Hautfarbe verteidige".

Empörter Conceicao lässt PK ausfallen

Nach Spielende weigerten sich alle Spieler der Drachen, Interviews zu geben - und zeigten auf diese Art ihre Solidarität zu Marega. Lediglich Conceicao äußerte sich. "Wir sind völlig empört über das, was passiert ist", wurde der ehemalige portugiesische Nationalspieler bei "A Bola" zitiert. Conceicao bestätigte, dass Marega "seit dem Aufwärmen beleidigt" worden war. "Ich weiß um die Leidenschaft, die hier für den Verein besteht, und ich denke, dass die meisten Fans nicht die Haltung einiger Leute teilen, die hier aufgefallen sind", so der 45-Jährige weiter: "Wir verdienen Respekt. Was hier passiert ist, ist unglücklich." Die obligatorische Pressekonferenz ließ der Trainer aus Protest ausfallen.

Am kommenden Donnerstag tritt der FC Porto im Hinspiel der Europa-League-Zwischenrunde bei Bayer Leverkusen an (LIVE! ab 21 Uhr bei kicker).

drm