Bundesliga

Bayer Leverkusens Lars Bender: Keine Phantasien nach hartem Arbeitstag

Leverkusens Kapitän vermisst in vielen Bereichen die Kontrolle

Bender: Keine Phantasien nach einem harten Arbeitstag

Lars Bender

Hatte in Berlin viel zu tun: Lars Bender. imago images

Zumindest Letzteres war nicht von Erfolg gekrönt. Stellten die Bayer-Fans doch auch nach Benders Ansprache am Zaun ihre feuerwerklichen Aktivitäten mit zahlreichen Bengalos nicht ein, so dass Schiedsrichter Harm Osmers beide Mannschaften in der 63. Minute für etwa zweieinhalb Minuten sogar an den Trainerbänken versammelte. Zwischenzeitlich waren auch kleine Raketen unkontrolliert abgefeuert worden.

Die Vorfälle auf den Rängen und die fehlende Reaktion auf seinen verbalen Einsatz am Zaun bewertete der Kapitän eindeutig. "Das ist mir weniger gelungen, um ehrlich zu sein. Job verfehlt", lautete Benders Urteil über seinen nicht vorhandenen Erfolg. Die Ignoranz der Bayer-Fans gegenüber Benders Bitten nannte der 30-Jährige "enttäuschend."

Bender über den schweren Job

Und auch sportlich hätte die Partie für den ehrgeizigen Führungsspieler mit einem niederschmetternden Ergebnis enden können, mühte sich die Werkself doch extrem lange um die Kontrolle im Spiel. "Hier sind schon einige gestolpert", stellte Bender nach dem 3:2-Sieg nach 1:2-Rückstand fest und erklärte: "Hier entwickelt sich ständig ein ganz anderes Spiel mit vielen lange Bällen. Es ist nie Ruhe im Spiel und es gibt ständig irgendwelche offene Luftzweikämpfe. Von daher war das ein schwerer Job."

Die Berliner Spielweise, die ganz schnell zu einer hektischen Reaktion eines dauernd gestressten Gegners führen kann, entkam die Bosz-Elf erst nach dem Berliner 2:2 in den letzten zehn gespielten Minuten, als der Aufsteiger nach der kurz zuvor vorgenommenen Einwechslung von Mittelstürmer Sebastian Polter von einem 3-4-3 auf ein 4-4-2 umgestellt hatte. "Uns war bewusst, was uns erwartet. Klar war aber auch, dass wenn wir lange genug in der Partie bleiben, sie hintern heraus entscheiden können", erklärte Bender. Dies gelang wirklich aufgrund einer starken Schlussphase. "Nach dem 2:2 haben wir das erste Mal versucht, Fußball zu spielen, wie wir das normalerweise machen", analysierte Trainer Peter Bosz.

Dieser Endspurt reichte aus, um ein verloren geglaubtes Spiel zu gewinnen. Darüber, welche Möglichkeiten sich im Kampf um die Champions-League-Plätze oder sogar mehr nach diesem zweiten Sieg nach einem Rückstand in Serie eröffnen, wollte Bender nicht philosophieren: "Darüber braucht man nicht reden. Vor zwei Wochen haben wir in Hoffenheim verloren. Da hat man uns abgeschrieben, weil sich eine Lücke aufgetan hat. Jetzt haben wir diese Lücke geschlossen. Das zeigt, wie schnell es in dieser Liga gehen kann. Du gewinnst zwei Spiele und bist wieder drin, du verlierst eins und bist wieder weg. Da muss man gar nicht so perspektivisch denken." Für hochtrabende Phantasien war Bender nach diesem unangenehmen Arbeitstag, bei dem das Ergebnis, aber vieles andere nicht passte, einfach nicht zu haben.

Stephan von Nocks