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ManCitys Champions-League-Ausschluss: Was wird aus Guardiola? Wer rückt nach?

Manchester Citys Champions-League-Ausschluss

Was wird aus Pep? Was aus Sané? Wer rückt nach? Fragen und Antworten

Die Zukunft von Leroy Sané und Pep Guardiola steht in den Sternen - Sheffield United dagegen träumt plötzlich von der Champions-League-Hymne.

Die Zukunft von Leroy Sané und Pep Guardiola steht in den Sternen - Sheffield United dagegen träumt plötzlich von der Champions-League-Hymne. imago images (2)/picture alliance

Wegen "gravierender" Verstöße gegen die Financial-Fairplay-Regeln hat die Finanzkontrollbehörde der UEFA den englischen Meister Manchester City am Freitag für die Spielzeiten 2020/21 und 2021/22 aus dem Europapokal ausgeschlossen und zu einer 30-Millionen-Euro-Geldstrafe verurteilt. ManCity, das weiterhin alle Vorwürfe bestreitet, hat bereits angekündigt, vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne Einspruch einzulegen.

Dass die UEFA gegen einen Spitzenklub derart durchgreift, ist neu und spricht dafür, dass ihr klare Beweise vorliegen. Ihr Urteil wirft eine Menge Fragen auf, die ManCitys Zukunft betreffen - aber auch die von Sheffield oder Manchester United. Ein Überblick.

Was wird aus Pep Guardiola?

Der Trainer hat immer wieder betont, seinen bis 2021 gültigen Vertrag erfüllen zu wollen, aber auch, dass er den Kluboberen vollauf vertraue, dass sie unschuldig seien. Zuletzt hatte er kokettiert, bei einem abermaligen Scheitern in der Champions League entlassen zu werden, in Wahrheit gilt die Sorge aber umgekehrt: Verliert ManCity den Trainer, auf den sie einst so lange warteten und auf den so viel im Klub ausgerichtet ist? Dass er bis 2021 oder sogar darüber hinaus bleibt, ist zweifelhaft, sollte der Einspruch vor dem CAS die Strafe nicht noch grundlegend verändern. Juventus-Boss Andrea Agnelli wird schon lange nachgesagt, von einer Verpflichtung des Katalanen zu träumen.

Werden Kevin De Bruyne, Leroy Sané & Co. jetzt das Weite suchen?

Viele Topspieler lockte ManCity nicht nur mit Geld, sondern auch mit der Aussicht, um den Champions-League-Titel mitspielen und unter Guardiola arbeiten zu dürfen. Gut möglich, dass von diesen Anreizen bald nur noch das Geld übrig ist. Dass De Bruyne (Vertrag bis 2022), Sergio Aguero (2021), Bernardo Silva (2022), Raheem Sterling (2022) oder der sich ohnehin schon zierende Leroy Sané (2021) zwei Jahre freiwillig von der europäischen Bühne verschwinden oder unter derartigen Umständen gar verlängern, ist schwer vorstellbar. ManCity droht ein Exodus - mindestens aber jede Menge Unruhe. Die Bayern, die Sané seit Monaten im Visier und jetzt ein weiteres Weglockmittel haben, und andere Klubs werden es genüsslich beobachten.

Was bedeutet die Strafe für die laufende Saison?

Formell gar nichts, ManCity trifft wie gehabt im Champions-League-Achtelfinale auf Real Madrid. Aber: Der Schatten des UEFA-Urteils wird die Citizens überallhin verfolgen; der ohnehin schon riesige Druck, im vierten Guardiola-Jahr endlich um den Champions-League-Triumph mitzuspielen (oder wenigstens mal in ein Halbfinale vorzudringen), ist ins Unermessliche gestiegen. Gleichzeitig werden sich viele Spieler intensiv mit ihrer Zukunft beschäftigen. Für das große Ziel der Klubbesitzer, für das sie Guardiola nicht zuletzt 2016 verpflichtet hatten, ist das alles Gift.

Welche finanziellen Folgen hat die Sperre für ManCity?

In englischen Medien wird von einem finanziellen Schaden von rund 200 Millionen Euro spekuliert, den wegfallende Champions-League-Prämien und Sponsoreneinnahmen neben der UEFA-Geldstrafe verursachen dürften. Doch Geld spielt im ManCity-Imperium bekanntermaßen die kleinste Rolle, viel schlimmer dürften der Imageschaden wiegen, das zu erwartende Abrutschen im UEFA-Ranking und die Nachteile auf dem Transfermarkt: Welcher Topfußballer will zu einem Klub, der in Europa nicht vertreten ist?

Wer würde ManCitys Champions-League-Ticket erhalten?

Noch hat sich die UEFA dazu nicht geäußert. Aus ihren Regularien geht aber hervor, dass der diesjährige Premier-League-Fünfte in die Champions League einziehen würde, sollte ManCity (derzeit zwölf Punkte vor Platz fünf) unter den ersten Vier landen und vor dem CAS um den Ausschluss nicht mehr herumkommen. Dann dürfte plötzlich Aufsteiger Sheffield United (5.) von der Königsklasse träumen, auch die Chancen für Tottenham (6.), Wolverhampton (7.), Everton (8.) und Manchester United (9.) sind seit Freitag schlagartig gestiegen. ManCity könnte außerdem zusätzlich ein Punktabzug blühen, weil die Financial-Fairplay-Regularien der Premier League jenen der UEFA gleichen.

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jpe