Bundesliga

Quaison: "Keiner, der einen Roman erzählt"

Mainzer Lobeshymnen auf den bodenständigen Torjäger

Quaison: "Keiner, der einen Roman erzählt"

Der Mainzer Robin Quaison bejubelt einen Treffer

Zunächst ein Rätsel, jetzt eine Säule: Mainz-Stürmer Robin Quaison ist auf dem besten Weg, in diesem Jahr einen neuen Torrekord der Nullfünfer in einer Spielzeit aufzustellen. imago images

Schon in der vergangenen Saison hat Robin Quaison durchaus unter Beweis gestellt, dass er weiß, wo das Tor steht. Doch seine sieben Treffer reichten damals noch nicht, um aus dem Schatten von Jean-Philippe Mateta zu treten. Anders in diesem Jahr: Auch aufgrund von Matetas langer Verletzung lastet mehr Verantwortung auf den Schultern des schwedischen Nationalspielers. Und der kommt damit bestens klar. Mit seinem Dreierpack gegen Hertha BSC sicherte er nicht nur den wichtigen ersten Sieg im Jahr 2020, er stockte auch sein persönliches Konto auf elf Treffer auf.

Schon gegen Bremen trug sich Quaison in der Hinrunde gleich dreimal in die Torjägerliste ein. "Die erste Erfahrung mit Robin habe ich ja noch als Trainer von Köln gemacht, als er dieses sensationelle Tor aus 25 Metern schießt. Und da sind wir auch schon bei seinen Stärken. Er ist unheimlich fokussiert in den Trainingseinheiten, hat eine sehr hohes Tempo, eine gute Technik und natürlich einen starken Torabschluss", berichtet Trainer Achim Beierlorzer.

Das große Rätseln um die ideale Position

Klingt nach den perfekten Voraussetzungen für einen Stürmer. Doch wo genau Quaison seine Stärken am besten ausspielen kann, war auch in Mainz anfangs unklar. "Robin ist schon in Schweden aufgefallen und hat in den U-Mannschaften für Furore gesorgt, der Wechsel nach Palermo war für einen solchen Spieler dann sicher ungewöhnlich. Aber er hat sich nach und nach in der Serie A bewiesen", erzählt Sportchef Rouven Schröder vom Werdegang seines Schützlings.

"Doch wenn ich den Scout gefragt habe, wo seine ideale Position ist, kam ein großes Fragezeichen. Das hat ihn zwar schwierig einschätzbar gemacht, aber auch irgendwo besonders." Die Fragezeichen sind inzwischen verschwunden, die Position ist gefunden. Der Offensivallrounder, so ist man sich in Mainz sicher, ist als Außenstürmer, als hängende Spitze in einer Grundformation mit drei Angreifern am besten aufgehoben. "Dort fühlt er sich sehr wohl und kann seine Stärken bestmöglich einbringen", berichtet sein Coach.

Vier Tore bis zum Mainzer Rekord

Macht Quaison so weiter, ist er auf dem besten Weg, einen neuen Torrekord der Mainzer in einer Spielzeit aufzustellen. Vier Treffer fehlen dazu noch. Die bisherige Bestmarke teilen sich mit 15 Saisontoren André Schürrle (2010/11) und Shinji Okazaki (2013/13). Doch nicht nur die Torquote stimmt, Quaison überzeugt derzeit im Gesamtpaket und stellt sich stets in den Dienst der Mannschaft. Zudem überzeugt der 26-Jährige die Verantwortlichen auch Abseits des Rasens, wie Schröder betont: "Er hat eine gewisse Zeit gebraucht, man merkt ja auch, dass er keiner ist, der einen Roman erzählt. Er hat den Fokus eben auf den Fußball und seine Person gerichtet und sich nach und nach entwickelt. Wir brauchen uns wirklich keine Sorgen machen, dass er abhebt."

Abheben im Sinne von Überheblichkeit - das dürfte also nicht geschehen. Abheben in Richtung eines größeren Klubs aber schon eher. Sein Vertrag läuft bis 2021. Will Mainz eine Ablösesumme, die bei weiteren Leistungen wie zuletzt wohl üppiger ausfallen würde, einstreichen, dürften die Zeichen auf Abschied stehen. "Natürlich wünschen wir uns, dass er bei uns bleibt. Trotz allem muss man erkennen, dass er Mitte 20 ist, er ist Stammspieler in der schwedischen Nationalmannschaft und wird die Europameisterschaft bestreiten. Da ist ja klar, dass er mit einem Jahr Restvertrag alle Karten in der Hand hat. Das muss man ganz deutlich sagen", so Schröder.

Doch aufgegeben hat der Sportvorstand der Nullfünfer selbstverständlich nicht: "Natürlich sind wir bemüht, mit Robin den nächsten Schritt zu gehen. Da sind wir auch in ganz klaren Gesprächen." Schon am Sonntag könnte der Schwede im Heimspiel gegen Schalke 04 (ab 18 Uhr, LIVE! bei kicker) das nächste Bewerbungsschreiben abgeben. Für einen neuen Vertrag in Mainz oder den Wechsel zu einem größeren Klub, wird sich erst noch zeigen.

Moritz Kreilinger