Bundesliga

Hertha BSC: Alexander Nouri kämpft gegen seine schwarze Serie

Arbeitserlaubnis ist da: Matheus Cunha kann loslegen

Nouris Kampf gegen seine schwarze Serie: "Alle ziehen mit, alle sind bereit"

Alexander Nouri

Steht vor seinem ersten Spiel als Herthas Cheftrainer: Alexander Nouri. imago images

Der Neuzugang, den Hertha BSC Ende Januar für eine Ablöse von 18 Millionen Euro aus Leipzig geholt hatte, war nach seiner erfolgreichen Olympia-Qualifikation erst am Mittwoch aus Südamerika zurückgekehrt. Bei dem Turnier in Kolumbien hatte Matheus Cunha mit fünf Toren geglänzt und mit Brasiliens U-23-Auswahl das Ticket für die Sommerspiele in Tokio (24. Juli bis 9. August 2020) gelöst.

Der Angreifer steht voll im Saft - und darf in Paderborn jetzt auch formal loslegen. "Mit dem Wechsel von Leipzig nach Berlin und dem Auflösen seines Vertrages dort ist seine Arbeitserlaubnis erloschen, die mussten wir neu beantragen", erklärte Herthas Manager Michael Preetz am Freitagmittag. "Das geht erst, wenn der Spieler da ist, weil wir dafür den Spieler und den Pass brauchen. Das hat heute Morgen in Windeseile funktioniert, das ist nicht selbstverständlich. Matheus hat die Spielberechtigung und kann mitfahren nach Paderborn."

Matheus Cunha ist in Paderborn gleich einsatzbereit

Damit erweitern sich für den neuen Cheftrainer Alexander Nouri, der am Dienstag für den blitzartig aus Amt und Verantwortung geflüchteten Jürgen Klinsmann in die erste Reihe gerückt war, die personellen Optionen in der Offensive. "Matheus Cunha hat gezeigt, dass er bereit ist. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, ist er dabei", sagte Nouri am Freitag im Rahmen der Pressekonferenz.

Für den Mann, den Klinsmann Ende November in sein Berlin-Team geholt hatte und der nach dem Abgang seines bisherigen Vorgesetzten von Hertha sogleich befördert wurde, ist das anstehende Programm Chance und Risiko zugleich: In den nächsten Spielen gegen die direkten Konkurrenten Paderborn (A), Köln (H), Düsseldorf (A) und Bremen (H) kann Nouri mit Markus Feldhoff im Idealfall den Grundstein für den Klassenerhalt legen - sollte der erhoffte Ertrag gegen diese nominell machbaren Gegner ausbleiben, droht Hertha ein nervenzerfetzendes Saisonfinale.

Nouri ist "sehr dankbar, dass ich die Gelegenheit bekommen habe"

"Jetzt ist die Chance da, wichtige Meter zu machen. Wir haben weiter die Möglichkeit zu klettern, das wollen wir mit aller Macht wahrnehmen", sagte Preetz und lobte den Samstags-Gegner: "Ich finde, der SC Paderborn spielt eine ganz tolle Saison. Eine junge Mannschaft, die begeisternden, offensiven Fußball spielt. Sie lassen nie nach, sie sind immer da. Die werden eine Hürde sein am Samstag." Das waren sie bereits im Hinspiel, das Hertha im September überaus glücklich mit 2:1 gewann - bei einem Torschussverhältnis von 6:18 und einem eigenen Ballbesitzanteil von gerade mal 38 Prozent gegen den frech aufspielenden Aufsteiger.

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Der smarte Nouri zeigte sich am Freitag "sehr dankbar, dass ich die Gelegenheit bekommen habe - Jürgen gegenüber, dem Verein gegenüber. Jeder hat eine andere Art, Dinge zu transportieren. Jetzt alles über den Haufen zu werfen, macht keinen Sinn. Wir waren fußballerisch auf einem guten Weg, wenn wir das Mainz-Spiel ausklammern." Seine beiden vorrangigen Arbeitsaufträge sind klar: Er muss nach aufwühlenden Wochen die Reihen des Teams schließen - und seiner Mannschaft in der Offensive mehr Struktur und mehr Wucht vermitteln, als das seinem Vorgänger gelang. Immerhin: Was die defensive Stabilität angeht, kann er auf dem von Klinsmann gelegten Fundament aufbauen. Nouri umriss seinen Ansatz am Freitag so: "Es geht um eine gute Balance, um klare Handlungsvorgaben, darum, defensiv gut zu stehen und im eigenen Ballbesitz mehr Lösungen zu haben."

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Nouri will den Kontakt zu Klinsmann halten

Nach eigenen Worten hatte Nouri von Klinsmanns Demission "am Dienstagmorgen erfahren, kurz bevor die Mannschaft informiert wurde". Er war, wie er einräumte, ähnlich verblüfft wie alle anderen im Klub auch: "Mich hat die Endgültigkeit seiner Entscheidung auch sehr überrascht." Einen Gedanken daran, mit Klinsmann, der ihn sowie Co-Trainer Markus Feldhoff, Konditionstrainer Werner Leuthard und Performance-Manager Arne Friedrich in den Stab geholt hatte, aus dem Job auszuscheiden, hat Nouri nicht verschwendet: "Wir haben eine vertragliche Verantwortung gegenüber dem Verein, der wollen wir gerecht werden. Wir haben eine Riesen-Begeisterung für die Arbeit mit den Jungs. Die Ziele mit dem Verein stehen jetzt im Vordergrund." Kontakt zu Klinsmann will er auch weiterhin halten, "warum auch nicht?"

Nouri ist als Cheftrainer seit 21 Spielen ohne Sieg

Die Mannschaft hat der 40-jährige Nouri in dieser ungemein turbulenten Woche "in den Einheiten sehr konzentriert" erlebt: "Alle ziehen mit, alle sind bereit." Nouri, dessen Stern als Cheftrainer in Bremen (September 2016 bis Oktober 2017) nach guten Anfangsmonaten einst recht zügig sank und der Ende 2018 beim damaligen Zweitligisten FC Ingolstadt ein unglückliches Kapitel anfügte, kämpft jetzt auch gegen seine eigene schwarze Serie: Er ist als Cheftrainer seit insgesamt 21 Liga-Spielen in Folge ohne Sieg. Von seinen letzten 13 Partien mit Werder gewann er keine, als FCI-Coach blieb er in allen acht von ihm verantworteten Zweitliga-Spielen ohne dreifachen Punktgewinn.

Länger in Serie sieglos blieben im deutschen Profi-Fußball einst nur Bernd Hollerbach mit 24 Spielen (17 sieglose Spiele mit Würzburg in der 2. Liga, sieben mit dem HSV in der Bundesliga) und Fritz Martin, dem 1975/76 mit dem Spandauer SV in 22 aufeinanderfolgenden Zweitliga-Spielen kein Sieg gelungen war. Übrigens: Den letzten Sieg schaffte Nouri im April 2017 mit Bremen gegen Hertha (2:0).

Steffen Rohr

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