Bundesliga

1899 Hoffenheim - Alfred Schreuder: "Dabbur fehlt noch der letzte Punch"

Fehlende Spielpraxis oder mangelnde Kaltschnäuzigkeit?

Schreuder: "Dabbur fehlt noch der letzte Punch"

Alfred Schreuder und Munas Dabbur

Feiner Techniker, der bisweilen noch Szenen zum Haareraufen liefert: Munas Dabbur (re. Alfred Schreuder). imago images

So richtig wissen sie ihn noch nicht einzuordnen im Kraichgau. Immer wieder deutet Munas Dabbur in Training und Wettkampf sein Potenzial an. Technische Raffinesse und Kreativität auf engem Raum, Tordrang und -riecher, Abschlussqualitäten mit Fuß und Kopf. Immer wieder aber liefert der Israeli aber auch Szenen zum Haareraufen. Dann fasst er sich gleich als Erster in die stets akkurate Frisur und kann es selbst nicht fassen. Auch zuletzt in Freiburg (0:1) wieder. Nach gut einer halben Stunde wird Dabbur nach einem kapitalen Fehler im gegnerischen Aufbauspiel freigespielt und hat völlig alleine vor Freiburgs Keeper Schwolow alle Optionen. Der 27-Jährige entscheidet sich für die vermeintlich eleganteste und scheitert mit einem Heber. Die eigentlich zwingende Führung für die TSG ist leichtfertig verspielt. "Er weiß selbst, dass er diese Chance machen muss, darüber hat er sich selbst am meisten geärgert", registriert Trainer Alfred Schreuder. Auch gegen Leverkusen (2:1) tauchte Dabbur schon nach zwei Minuten mutterseelenallein vor Bayer-Keeper Lukas Hradecky auf und scheitert am herausstürmenden Finnen. Also steht für den im Winter für zwölf Millionen Euro aus Sevilla geholten Nationalstürmer auch nach vier Bundesligaspielen noch die Null.

Dabburs Doppelpack gegen die Bayern

Dagegen markierte der nach einer Stunde eingewechselte Dabbur letzte Woche im Pokal bei Bayern München (3:4) noch zwei Treffer und sorgte gegen den am Ende konfusen Rekordmeister für große Unruhe und Gefahr. Die Gelegenheit zum Hattrick aber ließ Dabbur dann doch wieder aus, als er Steven Zubers Flanke aus kurzer Distanz knapp neben das Tor köpfte (87.).

"Ihm fehlt noch der letzte Punch", erkennt Schreuder, "er kommt in die Räume, er bewegt sich sehr gut zwischen den Linien. Aber seine Entwicklung ist wie erwartet, er hatte in Sevilla lange nicht gespielt, da muss man den Jungen auch ein bisschen steuern." Behutsam wollen sie ihn deshalb auf- und einbauen, mal als Startelfspieler, mal als Joker. "Er muss auch physisch noch weitere Fortschritte machen, das weiß er, darüber haben wir mit ihm gesprochen", erklärt der Niederländer, "er ist ein intelligenter Spieler, den wir brauchen auf engem Raum."

Dabbur wird in den nächsten Spielen zeigen müssen, dass die noch fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor mit seiner in dieser Saison noch überschaubaren Spielpraxis zu erklären ist. In der Schweiz wie in Österreich war der Stürmer schließlich jeweils Torschützenkönig. Die Bundesliga ist sicherlich eine größere Herausforderung, jetzt liegt die Latte höher. Aber nicht die Torlatte.

Michael Pfeifer

Trio vor Bayern: Das Standardtore-Ranking der Liga