Bundesliga

Unions Grischa Prömel scherzt: "Da ist der Gentner arrogant vorbeigelaufen"

Union-Akteur spricht über Verletzung und Comeback

Prömel scherzt: "Da ist der Gentner arrogant vorbeigelaufen"

Grischa Prömel (o.)

Nach Verletzung wieder mitten drin im Geschehen: Grischa Prömel (o.), hier im Pokal in Verl. imago images

Grischa Prömel (25) über ...

... seine Chancen auf eine baldige Rückkehr in die Startelf:
Ich brauche schon noch ein bisschen. Das merke ich. Aber wieder trainieren und spielen zu können gibt mir ein gutes Gefühl. Ich bin happy. Mich bringt gerade wenig aus der Ruhe, weil ich einfach gesehen habe, wie schwer es ist ohne den Fußball.

... sein Comeback beim 0:5 in Dortmund:
Beim Stand von 0:3 reinzukommen - in Dortmund - war schwierig, aber für mich war es trotzdem das schönste 0:5 meiner Karriere.

Spielersteckbrief Prömel

Prömel Grischa

1. FC Union Berlin - Vereinsdaten

Gründungsdatum

20.01.1966

Vereinsfarben

Rot-Weiß

... seine Gelbe Karte nach seiner Einwechslung in Bremen (2:0):
Das hatte ich lange nicht. Das war auch ein schönes Gefühl.

... sein Knie und die Lehren aus der Patellasehnen-Verletzung:
Es ist nicht so wie bei einer anderen Verletzung, bei der man nach sechs Monaten sagt: Es ist alles komplett vorbei (ausgeheilt, d. Red.). Man muss immer ein Auge drauf haben, sich viel drum kümmern, viel Zeit investieren. Ich nehme heute viel mehr Physiotherapie in Anspruch, ich kümmere mich viel mehr um mich selber. Der Umfang ist deutlich mehr geworden bei mir, weil ich merke, dass die Übungen mir guttun. Der Körper ist mein Kapital, deswegen muss ich ihm viel Liebe schenken.

... die Unsicherheit über ein mögliches Aufbrechen der Verletzung:
Wenn ich jetzt 180 Mal aufs Tor schieße, weiß ich, es macht sich irgendwann bemerkbar. Deswegen muss ich es peu à peu steigern und schauen, was geht. (...) Strukturell ist nichts kaputt, das ist der Unterschied zu beispielsweise einem Kreuzbandriss. Man sagt, dass, wenn eine Entzündung so lange drin war, sie ausgebrannt ist und nicht wiederkommt. Deswegen bin ich eigentlich ganz positiv gestimmt. Dazu kommt natürlich, dass ich wieder spiele, bei der Mannschaft bin. Das sorgt auch mental für einen Aufschwung.

... die Ursachen für die Verletzung, die ihn schon gegen Ende der Aufstiegssaison geplagt hatten und dann in der Sommervorbereitung zurückkehrten:
Ursachenforschung ist immer schwierig. Ganz festlegen kann man es immer noch nicht. Vielleicht waren es mehre Mosaiksteinchen. Deshalb war es schwierig, deshalb hat es sich vielleicht länger gezogen, weil man probieren musste, was mir guttut. Für den Kopf war das nicht einfach. Ich habe viele Gespräche gesucht. Die Problematik haben im Profisport relativ viele Spieler.

... sein neues Körpergefühl:
Ich habe mich mit Serge Gnabry ausgetauscht. Der hatte relativ viele Muskelverletzungen. Wenn auf dem Platz was passiert, weiß er ganz genau, was es ist. So ist es bei mir nicht. Für mich war es die erste Verletzung. Aber ich habe ein ganz gutes Körpergefühl bekommen. Ich würde schon sagen, übers Knie weiß ich jetzt Bescheid.

... die verschiedenen Behandlungsansätze, zu denen unter anderem eine Eigenbluttherapie in der Berliner Charité gehört haben soll:
"Ja, ich habe viel probiert."

... über die Zwangspause ausgerechnet nach dem Aufstieg mit Union in seinem ersten Bundesliga-Jahr:
Verletzungen tun immer weh. Aber mein Ziel war es immer, in der Bundesliga zu spielen. Dann hat man es erreicht, ist da angekommen, wo man immer hin wollte, wovon man immer geträumt hat, wo man sich zeigen kann, gegen die großen Jungs spielen kann - und dann verletzt man sich und kann vier Monate nur zuschauen.

… seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag:
Dazu sage ich nichts. (...) Ich bin super happy, hier Bundesliga spielen zu dürfen. Ich bin für jeden Tag dankbar, an dem ich auflaufen darf. Ich mache mir keinen Druck. Ich bin glücklich, dass ich fit bin und meine Leistung bringen kann. Den Rest wird man sehen. Es gibt Gespräche.

... seinen Auftritt während seiner Verletzungspause im Gästeblock beim Auswärtsspiel beim FC Bayern:
Das war eine geile Erfahrung. Bei mir ist so, wenn ich Besuch bekomme von meinen Kollegen und Brüdern, die gehen meist in den Block, die wollen nicht auf der Haupttribüne sitzen, sondern die wollen ein bisschen Action. Ich sehe ja, wie positiv verrückt unsere Fans sind. Ich wollte das mal erleben, weil es mir auch Spaß macht, im Block zu stehen. Im Block habe ich das Gefühl, dass ich mehr dazu beitragen kann, dass die Mannschaft gewinnt, als wenn ich auf der Haupttribüne sitze und Tee trinke.

... Christian Gentner, dem er (Prömel ist gebürtiger Stuttgarter) beim VfB zugejubelt hat und mit dem er seit dieser Saison bei Union in einer Mannschaft spielt:
Das ist geil. Ich hätte mir das niemals erträumen lassen. Früher war ich ab und zu mit meinen Brüdern beim VfB-Training, habe da zugeschaut. Da ist der Gentner immer arrogant vorbeigelaufen (lacht). Nein, quatsch, das war nicht so. Hätte mir jemand vor 15 Jahren gesagt, dass ich mal für Christian Gentner eingewechselt werde (in Dortmund, in Verl und in Bremen; d. Red.), hätte ich das nie für möglich gehalten. Man schaut auf jeden Fall zu ihm auf und hat einen riesen Respekt. Wenn man sieht, wie er trainiert, wie professionell er ist, da kann man sich einiges abschauen. Er ist vor jedem Training eine Stunde im Kraftraum, bereitet sich aufs Training vor, dann die Nachbereitung jeden Tag. Er ist ein Vollprofi.

Jan Reinold