DFB-Pokal

Trainer contra Schiedsrichter: Das große Unverständnis

kicker-Report beleuchtet den Streit um die neue Schärfe

Trainer contra Schiedsrichter: Das große Unverständnis

Marco Rose und Deniz Aytekin

Redebedarf: Gladbachs Trainer Marco Rose im Gespräch mit Schiedsrichter Deniz Aytekin. imago images

Die Referees haben sich auf die Fahne geschrieben, Unsportlichkeiten und nicht zuletzt Respektlosigkeiten im Umgang konsequent mit Karten zu bestrafen. Die Umsetzung dieses Kurses stößt auf fundamentale Kritik von Trainern wie Marco Rose, David Wagner, Florian Kohfeldt oder Steffen Baumgart. Ein großer kicker-Report geht der Debatte auf den Grund - und fördert zutage, was sich hinter den Kulissen abspielt.

Beispielsweise geben diverse Manager zu: Das Verhalten von Fußballlehrern und Spielern gehe ihnen gewaltig gegen den Strich. Es werde systematisch reklamiert, um Schiris zu manipulieren. "Wie sich Trainer und der Rest der Bänke häufig schon bei Kleinigkeiten wie einer Einwurfentscheidung aufführen, ist bodenlos", bringt einer auf den Punkt, was viele anprangern.

Wenn wir mit Trainern und Sportdirektoren geredet haben über Rudelbildung und andere Unsportlichkeiten, kam immer wieder die Forderung: Greift da durch, seid doch härter.

Lutz Michael Fröhlich

Genau das sei laut Lutz Michael Fröhlich, Vorsitzender der Schiedsrichter-Kommission Elite des DFB, schließlich auch immer aus der Liga an die Referees herangetragen worden: "Wenn wir mit Trainern und Sportdirektoren geredet haben über Rudelbildung und andere Unsportlichkeiten, kam immer wieder die Forderung: Greift da durch, seid doch härter."

Doch nun beklagen Betroffene jedoch regelmäßig mangelndes Fingerspitzengefühl und ein Verbot von Emotionen, die doch vermeintlich zum Fußball gehören. Das Unverständnis ist groß, Fußballlehrer fühlen sich als "Sündenböcke" abgestempelt. Ein erfahrener Schiedsrichter hält ebenso verständnislos dagegen: "Wir haben kein Problem mit allen Emotionen, die sich wirklich aufs Spiel beziehen. Aber manche haben in den 90 Minuten Probleme mit sich selbst, die sie dann im Umgang miteinander rauslassen."

Wurde an Plea doch ein Exempel statuiert?

Doch auch der DFB und seine Schiedsrichter sehen sich nachvollziehbaren Vorhaltungen der Gegenseite ausgesetzt. Gerade wie und wann die verschärfte Regelauslegung sowohl intern als auch öffentlich von Verbandsseite kommuniziert wurde, ist vielen Klubvertretern ein Dorn im Auge. Sogar die DFL Kommission Fußball wird sich deshalb nun mit diesem Thema befassen.

Hinzu kommt eine augenscheinliche Ungleichbehandlung bestimmter Trainer - die sogar von Schiedsrichterseite eingeräumt wird. Und: Die viel diskutierte Gelb-Rote Karte gegen Gladbachs Alassane Plea im Topspiel bei RB Leipzig bleibt heftig umstritten, selbst in Kreisen der Unparteiischen. Nicht alle teilen die offizielle Linie. Wurde in diesem Fall also doch ein Exempel statuiert? Und drohen die Schiris auf ihrer Mission generell das Maß zu verlieren?

Thiemo Müller/tru

Lesen Sie zu den kicker-Recherchen einen ausführlichen Report in der aktuellen Ausgabe des kicker (Montag). Was sagen die Schiedsrichter hinter vorgehaltener Hand? Wie ernst nehmen es die Trainer überhaupt, wenn sie fordern, man müsse mehr aufeinander zugehen? Was stand genau in dem Schreiben an die Vereine? Warum werden speziell junge Schiedsrichter so oft zu Reizfiguren? Außerdem urteilt Top-Referee Deniz Aytekin im Interview über die neue Linie, den Fall Plea und die Entwicklung als Schiedsrichter generell.