DFB-Pokal

Schalke 04: David Wagner kritisiert VAR-Ausführung

Schalkes Trainer holt zur VAR-Sinnfrage aus

Wagners emotionales Plädoyer: "Bitte, melde dich - dafür bist du da!"

David Wagner

Sah gegen Hertha die Rote Karte, erhält aber keine Sperre: David Wagner. imago images

Das Pokalspiel zwischen Schalke und Hertha BSC (3:2 n.V.) wirbelt nach wie vor viel Staub auf, nicht zuletzt aufgrund der Ermittlungen wegen der mutmaßlichen rassistischen Äußerungen gegenüber Jordan Torunarigha. "Wenn es irgendwelche Möglichkeiten gibt, den Täter zu finden, weiß ich, dass der FC Schalke 04 alles tun wird", sagte Schalkes Trainer David Wagner am Freitag. "Ich kann nur dazu aufrufen, aufzustehen und Zivilcourage zu zeigen. Da geht es nur darum, dafür zu sorgen, dass die Trottel, die dieses Gedankengut haben oder es äußern, nicht in unserem Stadion sind."

Es war eine wenig überraschend emotionale Pressekonferenz des 48-Jährigen, der in der anschließenden Viertelstunde kurz über das Paderborn-Spiel am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) und ausführlich über seinen Pokal-Platzverweis und den Videoschiedsrichter redete. "Das muss ich hier loswerden, darüber müssen wir sprechen."

In der Verlängerung des Pokalspiels gegen die Hertha hatte Wagner eindeutig keine Tätlichkeit begangen und auch nicht das Spiel verzögert, wie es Schiedsrichter Harm Osmers tags darauf dem kicker erklärte. Trotzdem hatte Osmers Wagner nach VAR-Eingriff Rot gezeigt. Das DFB-Sportgericht stellte das Verfahren, das war kurz vor Beginn der PK mitgeteilt worden, ein - Wagner darf im Viertelfinale also wieder auf der Bank sitzen.

Dann ist es der Graubereich. Und lasst doch bitte den Graubereich beim Schiedsrichter, gebt den Graubereich nicht weiter.

Wagner über "klare Fehlentscheidungen"

Trotzdem holte er zur großen Sinnfrage aus. "Wie gehen wir mit dem Videoschiedsrichter um?". Dass Osmers sich die Szene zwischen Wagner und Torunarigha überhaupt nochmal angeschaut hatte, ergab und ergibt für Schalkes Trainer keinen Sinn. "Ich plädiere nochmal dafür, sich an einen Tisch zu setzen, um auch endlich mal die Leute, die wie wir Trainer Teil des Spiels sind, mit dazuzunehmen".

Man müsse dahinkommen, dass der Schiedsrichter die Oberhand behält. "Der Videoschiedsrichter soll, wie es auch mal formuliert wurde, bei ganz krassen Fehlentscheidungen, bei ganz klaren Situationen, eingreifen. Da wird in meinen Augen viel zu häufig eingegriffen, dem Schiedsrichter wird die Hoheit genommen. Wenn sich 100 Leute eine Szene angucken und 99 sagen, dass es Rot ist, dann ist das eine klare Fehlentscheidung. Nicht, wenn es 70 sind. Dann ist es der Graubereich. Und lasst doch bitte den Graubereich beim Schiedsrichter, gebt den Graubereich nicht weiter." So habe er diese Technik nicht verstanden. "Wir müssen den Einsatz dieser Technologie verbessern, weil wir Gefahr laufen, dass es kontraproduktiv ist. Es soll zu mehr Gerechtigkeit führen und nicht zu mehr Konfusionen."

"Ich habe hier einen Puls von 150, weil ich laufend den Platz hoch und runter renne"

Warum es nach über zwei Jahren mit dem VAR immer noch nicht besser laufe? "Das weiß ich nicht", antwortete Wagner. "Wir Trainer sind in dieser Diskussion, soweit ich weiß, sehr weit außen vor. Ich habe noch nicht einmal mitbekommen, dass wir eingeladen wurden zu einer Diskussionsrunde; zu einer "Task", wie immer man das auch nennen will. Ganz ehrlich: Ich finde es nicht ganz so schwer, wenn wir sagen: 'Krasse Fehlentscheidung, eindeutige Fehlentscheidung, klare Fehlentscheidung. Bitte, melde dich - dafür bist du da!' Es passiert einfach noch zu häufig in Situationen, in denen es nicht krass, nicht eindeutig war. Mein Eindruck ist, dass wir unsere Schiedsrichter damit verunsichern."

Wenn man "sowas" wie die Szene im Pokalspiel "aufs Ohr" bekomme: "'Guck dir das an, das war eine Tätlichkeit.' Und du gehst dann dahin, schaust dir das Bild an und musst sagen: 'Ne, also du hast dir das zwar zehnmal ganz entspannt angeguckt, und ich habe hier einen Puls von 150, weil ich laufend den Platz hoch und runter rennen muss. Ähm, du hast nicht recht.' Alleine diese Situation ist dann ja schon…" Wagner formulierte den Satz nicht zu Ende, ergänzte aber trotzdem noch einmal: "'Melde dich, wenn 99 von 100 Leuten eine Fehlentscheidung sehen und der eine, der es anders sieht, eine Blau-Weiße Brille aufhat.' Alles andere hilft nicht, unsere Schiedsrichter zu stärken."

mkr

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