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100 Jahre kicker: 2005 - Das Wunder von Istanbul

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2005 - Das Wunder von Istanbul

Der Henkelpott für den FC Liverpool

3:3 nach 0:3 - und im Elfmeterschießen gewonnen: der FC Liverpool und das Wunder von Istanbul. imago images

Ein Spiel, zwei Superlative - das Finale der Champions League 2005 im Atatürk-Stadion von Istanbul, AC Milan gegen FC Liverpool. Die Mailänder sind der Favorit und führen nach exakt einer Minute durch Kapitän Paolo Maldini, kurz vor der Pause legt Hernan Crespo einen Doppelpack drauf zum 3:0.

Das Ding ist durch, denkt jeder.

Nur nicht Rafa Benitez. "Der große Unterschied zu uns Spielern war der Trainer. Er war weder nervös noch laut", erinnert sich Hamann an die Halbzeitpause in der Kabine. Und daran, dass der Coach des FC Liverpool das Ergebnis mit keiner Silbe erwähnte. Als Steve Finnan über Probleme an den Adduktoren klagte, da fragte Benitez zurück: "Wie lange kannst du noch? Reicht es für eine Verlängerung?" Allein dieses letzte Wort gab Liverpools Spielern plötzlich Selbstvertrauen. Und dass draußen 40.000 trotzige Fans in Rot die komplette Pause durchsangen.

Dudek erst der Held - dann eine Legende

Hamann wurde eingewechselt, und bald folgten magische sechs Minuten: Stephen Gerrard per Kopf (54.), Vladimir Smicer aus der Distanz (56.) und Xabi Alonso im Nachschuss seines Elfmeters (60.) stellten das Ergebnis auf 3:3. Milan taumelte, fiel aber nicht. Es ging in die Verlängerung, und dort hatte Shevchenko, einer der besten Stürmer überhaupt, in der 118. Minute die doppelte Riesenchance, doch beide Male parierte Jerzy Dudek.

Liverpools polnischer Torwart war da schon der Held, und nur ein paar Minuten später war er eine Legende. Vor jedem Elfmeter tänzelte Dudek, so wie einst Bruce Grobbelaer als Keeper der Reds in den 80ern. Shevchenko aber verlor endgültig die Nerven. Der Ukrainer schoss in die Mitte, Dudek hielt, und am Tag darauf standen fast eine Million Menschen in Liverpools Straßen und feierten samt Mannschaft und Henkelpott das Wunder von Istanbul.

Martin Gruener

2005: Was sonst noch geschah ...

Marek Mintal

Torschützenkönig beim Fast-Absteiger 1. FC Nürnberg: Marek Mintal. imago images

Meister: Bayern München

Pokal: Bayern München (nach 2:1 gegen Schalke 04)

Fußballer des Jahres: Michael Ballack (Bayern München)

Torschützenkönig: Marek Mintal (1. FC Nürnberg, 24 Tore)

Champions League: FC Liverpool (nach 3:2 i.E. gegen AC Mailand)

UEFA-Cup: ZSKA Moskau (nach 3:1 gegen Sporting Lissabon)

Frauen-EM in England: Sieger Deutschland (nach 3:1 gegen Norwegen)

Frauen-Fußball: 1. FFC Frankfurt (Meister), Turbine Potsdam (Pokalsieger), Torschützenkönigin: Shelley Thompson (FCR 2001 Duisburg, 30 Tore), Fußballerin des Jahres: Birgit Prinz (1. FFC Frankfurt)

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