DFB-Pokal

1. FC Saarbrücken nach Pokal-Coup in Ekstase: "Uns darf keiner aufhalten"

Erster Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale nach 35 Jahren

Saarbrücker Ekstase: "Uns darf keiner mehr aufhalten"

Die Spieler des 1. FC Saarbrücken schweben nach dem Einzug ins Pokal-Viertelfinale auf Wolke sieben.

Die Spieler des 1. FC Saarbrücken schweben nach dem Einzug ins Pokal-Viertelfinale auf Wolke sieben. imago images

Für einen kurzen Moment hielt das gesamte Stadion in Völklingen am späten Mittwochabend inne. Als Christopher Schorch den entscheidenden Elfmeter auf die Reise schickte, war KSC Keeper Marius Gersbeck auf dem Weg in die richtige Ecke - doch der Ball fand den Weg ins Netz. Es folgten Emotionen pur. Spieler wie Fans lagen sich gemeinsam in den Armen. Noch 20 Minuten nach Spielende feierte die noch immer trotz eisiger Temperaturen fast komplett gefüllte Kurve ihre Helden. Nach den Erfolgen gegen Jahn Regensburg (3:2) und dem 1.FC Köln (3:2) setzt der Traditionsverein sein Pokalmärchen auch im Jahr 2020 fort.

Es lässt sich nur erahnen, wie intensiv die Feierlichkeiten ausfallen werden. Doch Trainer Lukas Kwasniok gab einen deutlichen Hinweis. "Wir werden jetzt feiern - und nicht zu wenig. Danach werden wir vier Tage freimachen und uns erholen", kündigte der 38-Jährige nach seiner Premiere auf der Saarbrücker Trainerbank an.

Ein besserer Einstand hätte diesem nicht gelingen können, zumal gegen den Klub, bei dem er von 2014 bis 2018 die U 17 und U 19 Mannschaften trainierte. Und im Moment des großen Erfolgs bewies Kwasniok Größe: "Ich reiche die Glückwunsche an die Mannschaft und an meinen Vorgänger Dirk Lottner weiter. Ohne die Mannschaft und Dirk würde ich heute nicht hier setzen. Sie haben den Verein hierhergeführt. Die Lorbeeren streiche ich jetzt gerne ein. Aber nicht, ohne zu vergessen, wo es herkommt." Lottner musste trotz der Pokalerfolge und der Tabellenführung in der Regionalliga im Dezember gehen.

Sorgt Saarbrücken im DFB-Pokal für ein Novum?

"Wir hätten es uns nie erträumt, im Viertelfinale zu stehen. Jeder einzelne kann stolz auf sich sein", erklärte Sportdirektor Marcus Mann freudestrahlend beim Blick auf die noch immer feiernden Akteure vor der Kurve. Ein Viertligist in der Runde der letzten Acht ist eine Seltenheit. Die Saarländer sind nach dem 1. FC Magdeburg (2000/01) und Holstein Kiel (2011/12) erst der dritte Klub, dem dieses Kunststück gelingt. Der mögliche Einzug ins Halbfinale würde gar für ein Novum sorgen.

Welcher Bundesligist auch immer am Sonntag Saarbrücken zugelost bekommt. Zu sicher sollte er sich seiner Sache nicht sein. Der Klub und insbesondere die Atmosphäre im Völklinger Stadion scheint geschaffen für weitere Pokalwunder. Ein Stadion ohne Gegentribüne, zusätzliche Flutlichtmasten, die aus dem Wald ragen - alles nicht alltäglich. Und sogar die Saarbrücker Anhänger, die schon seit Jahren auf die Rückkehr in die Heimat, dem sich im Umbau befindenden Ludwigspark hoffen, dürften dem ungeliebten Ausweichstadion dank der Pokalreise zumindest etwas näher gekommen sein.

Der Aufstieg in Liga 3 bleibt das große Ziel

Auch wenn der ein oder andere wohlmöglich schon vom Pokalfinale in Berlin träumt, das große Ziel, der wirkliche Traum, ist ein anderer. Nach vielen knapp gescheiterten Anläufen will der FCS in diesem Jahr den lang ersehnten Drittliga-Aufstieg schaffen. "Wir haben unfassbar viel Selbstvertrauen sammeln können. Wir müssen diesen Schwung mitnehmen und dann darf uns keiner mehr aufhalten", sagte Pokalheld Daniel Batz, der sich und seine Kollegen mit der Elfmeterparade gegen KSC-Kapitän David Pisot auf die Siegerstraße brachte.

Die Rolle des Underdogs gibt das Bundesliga-Gründungsmitglied bis zur nächsten DFB-Pokalrunde am 3./4. März wieder ab, schlüpft dafür in die des großen Aufstiegsfavoriten. "Die Mannschaften werfen sich gegen uns so rein, wie wir es im Pokal tun müssen. Es bleibt eine Herkulesaufgabe, aber eine geile", so Kwasniok. Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf Verfolger Elversberg, 14 Spiele stehen noch aus. Weiter geht es am 22. Februar beim FSV Frankfurt. Doch bis dahin ist erstmal Feiern angesagt. Zumindest bis am Montag, dann geht es, wie Kwasniok sagte, "mit Vollgas in Richtung Ligaauftakt".

Moritz Kreilinger