100 Jahre kicker

1993 - Marseille gewinnt mit Völler die erste Champions-League-Ausgabe

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1993 - Marseille gewinnt mit Völler die erste Champions-League-Ausgabe

Olympique Marseille erhält die Champions-League-Trophäe, mittendrin: Rudi Völler. imago images

Das war immer der Anspruch an der Côte. Olympique war damals das Flaggschiff des französischen Fußballs. War das, wovon ein gewisser Bernard Tapie immer geträumt hatte. Wofür er als Präsident immer alles tat, alles gab. Der Unternehmer Tapie war ein umtriebiger Selfmade-Man, der einst mit dem Verkauf von Fernsehern anfing. 1990 kaufte er auch die Aktienmehrheit des deutschen Sportartikel-Riesen Adidas.

Olympique übernahm er bei seinem "Beutezug" 1985 als Präsident. Und investierte im großen Stil. Er heuerte die besten Spieler Frankreichs an, lockte aber auch internationale Stars wie die Deutschen Karlheinz Förster, Klaus Allofs, Rudi Völler und Andreas Köpke, den Brasilianer Carlos Mozer, den Uruguayer Enzo Francescoli, den Engländer Chris Waddle, den Serben Dragan Stojkovic oder den Kroaten Alen Boksic an. Dies Orchester klangvoller Namen trainierte unter anderen auch das deutsche Weltmeister-Trainerduo von 1990, Franz Beckenbauer und Holger Osieck.

Den Triumph in der Champions League aber schaffte der Belgier Raymond Goethals. Beim Erfolg von München war er schon 71 Jahre alt. Er hatte das Händchen für den Umgang mit den Stars, er kam mit Tapie klar, er hatte die Akzeptanz der heißblütigen Fans in der Hafenstadt. Goethals erfüllte die langgehegten Sehnsüchte eines eitlen wie hemdsärmeligen Präsidenten.

Weil kurz vor dem Finale eine Korruptions-Affäre um ein Spiel in Valenciennes aufflog, wurde der (fünfte) nationale Titelgewinn aberkannt. Der verantwortliche Tapie musste für sechs Monate ins Gefängnis, ein Erdbeben für OM. Die UEFA schloss den Klub aus den europäischen Wettbewerben aus (1993/94), die FIFA für die Klub-WM. Und die französische Liga (LFP) beschloss die Strafversetzung in die 2. Division! Tapie verließ das sinkende Schiff im Dezember 1994.

Hardy Hasselbruch

1993: Was sonst noch geschah ...

Deutscher Meister 1993: Werder Bremen. imago images

Meister: Werder Bremen

Pokal: Bayer Leverkusen (nach 1:0 gegen Amateure von Hertha BSC)

Fußballer des Jahres: Andreas Köpke (1. FC Nürnberg)

Torschützenkönig: Ulf Kirsten (Bayer Leverkusen, 20 Tore) und Anthony Yeboah (Eintracht Frankfurt, 20 Tore)

Champions League: Olympique Marseille (nach 1:0 gegen AC Mailand)

UEFA-Cup: Juventus Turin (gegen Borussia Dortmund)

Europapokal der Pokalsieger: AC Parma (nach 3:1 gegen Royal Antwerp FC)

Frauen-Fußball: TuS Niederkirchen (Meister), TSV Siegen (Pokalsieger), Torschützenkönigin: Heidi Mohr (TuS Niederkirchen, 21 Tore)
Frauen-EM in Italien: Sieger Norwegen (nach 1:0 gegen Italien)

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