Torjägerkanone

Steven Schönfeld: Ein Stürmer von der alten Garde

Deutschlands beste Torjäger

Steven Schönfeld: Ein Stürmer von der alten Garde

Mit Gefühl und Kaltschnäuzigkeit: Steven Schönfeld

Steven Schönfeld zählt zu Hamburgs Top-Torjägern. imago

Norddeutsch distanziert? Nein, Steven Schönfeld ist ein zugänglicher Typ. Zu Gesprächsbeginn ist er nur ein bisschen verwirrt: Über seinen Verein ist eine weitere Interview-Anfrage bei ihm gelandet. Natürlich: 44 Tore in 16 Spielen sind für einen Kreisliga-Stürmer eine Hausnummer, doch dass sich die Sportpresse um ihn reißt, ist dann doch nicht alltäglich.

Seine Heimat heißt Hamburg, sein sportliches Umfeld derzeit Kreisliga 7. Für den idyllisch zwischen Einfamilienhäusern gelegenen FTSV Komet Blankenese läuft er dort auf, in jenem Elbvorort, der selbst Nicht-Hamburgern ein Begriff ist. Blankenese, das klingt nach Großbürgertum, Privilegien, Noblesse, "aber es ist ein ganz normaler Verein mit ganz normalen Leuten", betont Schönfeld.

Wobei, führt der Goalgetter aus, so ganz normal ist der FTSV dann doch nicht, denn "nicht jeder schafft es, eine solche Anzahl an Neuen zu integrieren." Vor der Saison nämlich hatten dort, einen Steinwurf vom Elbufer entfernt, zwölf Mann eine neue Heimat gefunden - unter ihnen auch Steven Schönfeld, der mit einem weiteren Quintett vom HFC Falke kam. Für Falke schoss Schönfeld zuvor drei Spielzeiten lang seine Tore, trug damit gleich im ersten Jahr zum Bezirksliga-Aufstieg bei. In den vergangenen beiden Spielzeit verpasste der HFC es dann aber knapp, in der Ligenhierarchie noch weiter zu klettern, landete in der Endabrechnung jeweils auf Rang drei.

Falke ist nun aber ein Verein ohne eigenes Gelände, ohne Clubhaus, damit fehlen Schönfeld wichtige Komponenten. "Ich finde es wichtig, wenn man nach dem Spiel zusammensitzen kann. Das gehört schon auch dazu", sagt er.

Kein Einzelkämpfer

Ohnehin wird deutlich, dass der deutschlandweit momentan torreichste Angreifer der Ligenstufe acht kein Einzelkämpfer ist. Im Gegenteil: Die Gemeinschaft, das Umfeld, das lässt sich an seinem Werdegang ablesen, ist Schönfeld wichtig. So verließ er seinen Herzensverein 1. FC Quickborn im Sommer 2016 nach 16 Jahren und einer Unzahl an Toren in Richtung Falke - nicht, ohne sich mit einem Aufstieg zu verabschieden. Den Schritt in eine neue Aufgabe wagte er nicht alleine, damals hatte sein neuer Verein seinen besten Kumpel gleich mit verpflichtet. Weil er aufgrund beachtlicher Torquoten im Hamburger Fußball schon lange kein Unbekannter mehr ist, bekam er natürlich schon Angebote von Landes- bis Oberliga. "Aber wenn ich alleine irgendwo hingehe, weiß ich nicht, ob ich da glücklich werde", gibt er zu.

Schönfeld will sich in erster Linie wohlfühlen, dort wo er spielt. So blieb die Bezirksliga bislang auch seine höchste Spielklasse. Aller Voraussicht nach wird er dort auch in der kommenden Saison wieder auflaufen. Der FTSV Komet Blankenese führt die Kreisliga-Tabelle an - wie erwartet: "Wir müssen hoch! Das kann man bei dieser Mannschaft einfach so sagen", peilt ihr bester Angreifer seinen nächsten Aufstieg an.

Erst Rekord, dann Kanone

Und natürlich sollen dabei Schönfelds Tore helfen. Einen Schnitt von 2,75 Treffer kann er in dieser Saison bislang vorweisen, er ist drauf und dran, seinen Rekord von 56 Toren (für Quickborn in der Saison 14/15) zu überbieten. "Das ist ganz klar ein Ziel für diese Saison", so Schönfeld; ein weiteres, gibt der 28-Jährige zu, sei natürlich die kicker Torjägerkanone. "Die Mannschaft weiß Bescheid, unterstützt mich da auch. Das wäre schon etwas Besonderes." Zwar führt er zur Winterpause in seiner Ligenstufe noch mit fünf Toren vor Ole-Mathis Schene und Tim Pelka, "aber das bleibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen", glaubt er.

Aufgefordert, seine eigenen Fähigkeiten zu beschreiben, klingt er eher bescheiden. "Tatsächlich habe ich wohl einen kleinen Instinkt", lacht er, "ich bin von der alten Garde. Ich mache meine Tore alle im Strafraum." Ein Läufertyp sei er eher nicht, vielmehr einer jener Stürmer, bei dem ein drei, viermal abgefälschter Ball dann doch noch auf dem Fuß lande: "Mein alter Trainer hat mal gesagt: Das Laufen könnte man dir zwar beibringen, aber das, was du da hast, nicht."

Beruflich hat sich der HSV-Dauerkartenbesitzer ("HSV, das geht gar nicht anders!") jüngst neu orientiert: Die Bundeswehr wird bald sein neuer Arbeitgeber, möglicherweise wird der Fußball dann etwas kürzertreten müssen. Dem "Ziel Torjägerkanone" kann das aber nicht gefährlich werden, bis Sommer bleibt alles beim Alten. Und auch, wenn er dann nicht mehr bei jeder Einheit auf dem Platz stehen kann: Kommende Saison, das steht schon fest, wird er trotz Kanone als möglichem Argument weiter für den beschaulichen FTSV Komet Blankenese auflaufen. Denn: "Das stimmt bei uns derzeit einfach."

Jan Mauer