NFL

Die Aufholjagd der Kansas City Chiefs samt Disney-World-Mahomes

Kansas City dreht spät einen 10:20-Rückstand im Super Bowl

"Gebt uns ein Quarter": Ein Blick auf die Aufholjagd der Chiefs samt Disney-World-Party

Defensive Tackle Chris Jones ist Spieler der Kansas City Chiefs.

Immer an den Sieg geglaubt und am Ende die Vince Lombardi Trophy in die Luft gestreckt: Defensive Tackle Chris Jones. imago images

Die Lobeshymnen kannten nach dem Super-Bowl-Sieg Kansas Citys über San Francisco keine Grenzen mehr. Andy Reid hatte sich nach 21 Jahren als NFL-Cheftrainer (1999-2012 bei den Eagles, seit 2013 bei den Chiefs) endlich mit der Vince Lombardi Trophy belohnt, Quarterback Patrick Mahomes seine Klasse abermals unter Beweis stellte und KC überhaupt erst zum zweiten Mal in der seit 1959 bestehenden Franchise-Geschichte den Football-Olymp erklommen - exakt 50 Jahre nach Titel Nummer 1 (1970, 23:7 gegen die Minnesota Vikings).

Von "Magic Mahomes" war im Anschluss die Rede, "Fox Sports"-Journalist Nick Wright sagte sogar: "Mahomes ist ein Frankenstein-Monster als Quarterback." Ihn dürfe man niemals abschreiben, egal was das eigene Gefühl einem vermittele. Aus gutem Grund: Der "Raketen-Arm" der NFL, der sich nun als jüngster Spieler der Geschichte Super-Bowl-Champ und Liga-MVP (2018) nennen darf, hat zum fünften Mal in dieser Saison einen Rückstand von mindestens zehn Punkten wettgemacht - und zugleich auch zum dritten Mal in Folge in diesen Play-offs (51:31 nach 0:24 in der Divisional Round gegen Houston, 35:24 nach 7:17 im AFC-Finale gegen Tennessee und nun das 31:20-Meisterstück nach 10:20 gegen San Fran).

In diesem NFL-Endspiel aber hatte "Pats Comeback" sogar noch die gewisse Extrawürze: Denn nach zwei selbst verschuldeten Interceptions (in der Regular Season waren ihm insgesamt nur fünf passiert) standen die Chiefs 7:47 Minuten vor Ablauf der Uhr mit dem Rücken zur Wand. Mit grandiosen Plays, darunter ein 44-Yard-Geschoss auf den pfeilschnellen Receiver Tyreek Hill, ein lässiger Touchdown-Pass auf Tight End Travis Kelce oder ein perfektes 38-Yard-Zuspiel auf Receiver Sammy Watkins, der Star-Cornerback Richard Sherman stark entkommen war, rollte Mahomes das Feld aber mit seiner Offense erneut von hinten auf. Dabei half natürlich auch Running Back Damien Williams mit zwei Touchdowns sowie insgesamt 104 erlaufenen Yards.

"Sie können mir jetzt gar nichts mehr"

So sollte sich auch ein an der Seitenlinie gesprochener Satz von Chris Jones, der sich stets mit seinen Gegenspielern via Trashtalk begnügt hatte, bewahrheiten. Der 25-jährige Defensive Tackle der Chiefs schritt vor Beginn des vierten Viertels in Richtung seines Trainers Reid und teilte mit purem Selbstvertrauen mit: "Gebt uns ein Quarter und wir regeln das. Wir verlassen diesen Ort nicht ohne einen Ring! Wir liegen nur zehn Punkte zurück, es sind noch 15 Minuten zu gehen - und diese Jungs (die Spieler der 49ers; Anm.d.Red.) beginnen schon, ihren Sieg im Super Bowl zu feiern?!" Worte, die sich bewahrheiten sollten - und zu denen Jones später Folgendes anhing: "Ha! Ich bin Super-Bowl-Champion - und sie (die Niners; Anm.d.Red.) können mir jetzt gar nichts mehr."

San Francisco Head Coach Kyle Shanahan, der als Offensive Coordinator der Atlanta Falcons bereits einen Super Bowl dramatisch verloren hatte (2017, 28:34 in der Overtime nach 28:3 gegen die New England Patriots um Tom Brady), konnte hinterher nur Respekt zollen: "So spielen die Chiefs schon das ganze Jahr. Sie sind kein Team, das jeden Drive zelebriert, sie laufen heiß und kühlen ab. Und sie können immer wieder zurückschlagen und zurückkommen."

Disney World hat gerufen

Genau das hat KC abermals bewiesen, dank Mahomes. "Ich liebe ihn", lobte Tight End Kelce seinen Spielmacher. Receiver Watkins nannte seinen Regisseur "das goldene Kind" - und Head Coach Reid empfand: "Die Jungs haben an ihn geglaubt, wir haben an ihn geglaubt. Dieser Junge ist unglaublich und er hat gerade erst angefangen. Er wird immer noch besser werden." Die NFL schrieb dazu auf ihrer offiziellen Internetseite: "Mahomes hat sich auf einen Schlag in den Legendenstatus katapultiert."

Patrick Mahomes ist Quarterback der Kansas City Chiefs.

Ein Super-Bowl-Sieger in Disney World: Patrick Mahomes lässt sich an der Seite von Mickey Mouse feiern. imago images

Nun darf sich Mahomes auf die große Party in Kansas City freuen, das übrigens im Gegensatz zur Twitter-Meinung von US-Präsident Donald Trump im Bundesstaat Missouri liegt ("Ihr habt den großartigen Bundesstaat Kansas und, genau genommen, die ganzen USA so gut vertreten").

Eine Parade hat der 24-jährige Erstrunden-Pick von 2017 (10. Stelle, College Texas Tech), der damit erst seit drei Jahren in der NFL spielt und erst seit zwei Jahren Starter des Teams ist, sogar schon hinter sich. Gemeinsam mit Micky Maus winkte der Quarterback von einem Wagen, der durch Disney World in Orlando/Florida fuhr. Für Mahomes ging damit ein großer Traum in Erfüllung. "Es ist ein unglaubliches Gefühl", sagte er. Schon mit 17 hatte der wertvollste Spieler (MVP) des Finales davon geträumt, wie er damals via Social Media verkündet hatte. "Als ich diesen Tweet abgesetzt hatte, konnte ich mir das gar nicht vorstellen, was das bedeutet", so Mahomes. "Es ist eines der besten Gefühle meines Lebens."

Die große Siegesfeier für die Chiefs in der Heimat inklusive zweistündiger Parade durch die Stadt steigt am Mittwoch. Das teilte Bürgermeister Quinton Lucas am Tag nach dem 31:20-Triumph gegen die San Francisco 49ers in Miami mit - und konnte sich einen Seitenhieb in Richtung US-Präsident Trump nicht verkneifen. Lucas nämlich lud per Twitter auch die Popstars Jennifer Lopez und Shakira, die beide in der Halbzeit des Spektakels mit einer kunterbunten, mit Tanzeinlagen gespickten Show aufgetreten waren, zu den Feierlichkeiten ein. Mit dem Hinweis: "Ich hoffe, wir sehen uns in Kansas City (das größere in Missouri)."

mag

222, 29, 3, 2: Kansas City Chiefs sind auf dem NFL-Olymp