2. Bundesliga

Hamburgs Wachmacher Tim Leibold: "Es war ein schöner Abend"

HSV nutzt in Bochum die Punktverluste der Konkurrenz

Wachmacher Leibold: "Es war ein schöner Abend"

Erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich: Hamburgs Tim Leibold.

Erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich: Hamburgs Tim Leibold. imago images

Seine Strategie wendet Dieter Hecking immer mal wieder an. Wenn ihm Dinge nicht behagen oder er sie nicht an sich und sein Team heranlassen will, versucht er sie - zumindest öffentlich - wegzureden. "Die Auswärtsschwäche", erklärte Hamburgs Coach nach dem umkämpften 3:1-Erfolg beim VfL Bochum, "war ja mehr ein mediales Thema." Wohlwissend, dass der letzte Dreier in der Fremde, ein 4:2 in Karlsruhe am 25. August, beinahe ein halbes Jahr zurückliegt. Immerhin: Seit dem späten Montagabend ist die Misere zumindest vorerst tatsächlich gar kein Thema mehr - weil der HSV nach dem Schock des Rückstandes Nehmer-Qualitäten bewies und zurückschlug.

Eingeleitet wurde das spektakuläre Wendemanöver von Leibold. Zunächst traf der Linksverteidiger mit einer herrlichen Direktabnahme nur drei Minuten nach der VfL-Führung zum Ausgleich (68.), dann bereitete er das Joker-Tor von Joel Pohjanpalo (74.) mustergültig vor. Der nächste Beweis seiner Offensiv-Qualitäten. Der Ex-Nürnberger hat nun elf Vorlagen und einen Treffer in seiner persönlichen Statistik stehen und weiß, dass seine Tor-Premiere für den HSV zum genau richtigen Zeitpunkt kam. "Es war wichtig, dass wir so schnell geantwortet haben. Das Gegentor war für uns kein Knackpunkt, sondern ein Wachmacher." Weil der HSV fortan seine Stärken im Vorwärtsgang ausspielte und wie schon gegen Nürnberg zum Start ins neue Jahr nachwies: Wenn er ins Rollen kommt, ist er in dieser Klasse schwer zu stoppen.

Dass Hamburg in Bochum dennoch lange Mühe hatte, ist auch dem Matchwinner nicht verborgen geblieben. "60 Minuten haben wir Schlafwagenfußball gespielt." Dank Leibolds Weckruf endete nicht nur die Serie ohne Auswärtssieg, sondern wurden auch die Punktverluste der Konkurrenz ausgenutzt: Bielefeld und Stuttgart hatten bei ihren anspruchsvollen Auswärtsaufgaben in Aue und auf St. Pauli jeweils Unentschieden gespielt, der HSV konnte Boden gut machen im Aufstiegsrennen. Leibold kam auch deshalb zu diesem Fazit: "Es war ein schöner Abend."

Sebastian Wolff