DFB-Pokal

Gentlemen's Agreement: Adi Hütter verzichtet auf Stefan Ilsanker

Warum Dosts Ausfall auch ein taktisches Problem ist

Ilsanker aufstellen? Hütter: "Das wäre sehr respektlos"

Adi Hütter verzichtet auf Stefan Ilsanker.

Adi Hütter verzichtet auf Stefan Ilsanker. imago images

Keilstürmer Bas Dost sei gegen Leipzig "kein Thema", sagte Hütter auf der Pressekonferenz am Montag. Der Angreifer hatte sich in der vergangenen Woche einen hartnäckigen Magen-Darm-Infekt zugezogen und musste sogar im Krankenhaus untersucht werden. Wie lange Dost ausfällt, ist unklar. Was die taktische Grundordnung betrifft, stellt der Ausfall Hütter vor ein Problem. In den bisherigen drei Rückrundenspielen ordnete der Coach sein Team in einem 4-2-3-1 an. Goncalo Paciencia und André Silva eignen sich aber nur bedingt als alleinige Sturmspitzen, da sie nicht über Dosts Statur verfügen und sich entsprechend gerade im Luftkampf nicht so gut gegen robuste Verteidiger behaupten können. Im Spiel mit dem Rücken zum Tor ist Dost deutlich stärker. Hinzu kommt, dass sie nicht das Tempo haben, um ihren Gegenspielern davonzueilen.

In Düsseldorf durfte jeder eine Hälfte im Sturm ran, Paciencia verzeichnete elf Ballkontakte, Silva zwölf. Das ist schon arg dürftig, wobei Silva zumindest den Ausgleichstreffer vorbereitete. Hütter könnte natürlich auf 4-4-2 umstellen und beide Portugiesen als Doppelspitze bringen, doch ob er sich das ausgerechnet gegen Leipzig trauen wird? Aus zwei Gründen ist das fraglich: Einerseits bestünde die Gefahr, mit nur zwei Sechsern im Mittelfeld zu wenig Zugriff zu haben, andererseits hätte Hütter auf der Bank keinen Angreifer mehr zum Nachlegen. Eine optimale Lösung ist nicht in Sicht, was einmal mehr zeigt, dass der Kader in der Offensive längst nicht so gut und ausgewogen besetzt ist wie noch in der vergangenen Saison.

Gentlemen's Agreement: Hütter hält sich daran

Zumindest befindet sich Mijat Gacinovic wieder im Mannschaftstraining. Der offensive Mittelfeldspieler fehlte in Düsseldorf wegen muskulärer Probleme und dürfte gegen Leipzig in die erste Elf zurückkehren. Neuzugang Stefan Ilsanker wird gegen seine alten Kollegen hingegen nicht mitwirken. Leipzig bestand auf einem Gentlemen's Agreement, das vorsieht, dass der Sechser im direkten Aufeinandertreffen im Pokal nicht eingesetzt werden darf. Theoretisch könnte Hütter seinen österreichischen Landsmann allerdings trotzdem aufstellen. "Natürlich könnte man das machen, das wäre aber sehr, sehr respektlos. Wir machen das nicht, ich möchte ein Gentleman bleiben", betont Hütter und führt aus: "Das war ein Kriterium, damit wir Ilsanker jetzt schon bekommen, deshalb haben wir zugestimmt. Wenn die Parteien das untereinander so ausmachen, ist das okay."

Mit offenem Visier werden wir sicherlich nicht in das Spiel gehen.

Adi Hütter

Ob es auch im Sinne des Sports ist, einen Profi in Form eines solchen Agreements zu sperren, steht auf einem anderen Blatt. Im "Reglement bezüglich Status und Transfer von Spielern" der FIFA steht: "Ein Verein darf keine Verträge eingehen, die dem anderen Verein/den anderen Vereinen und umgekehrt oder einer Drittpartei die Möglichkeit einräumen, in Arbeitsverhältnissen oder Transfersachen seine Unabhängigkeit, seine Politik oder die Leistung seiner Teams zu beeinflussen." Wortgleich steht dieser Passus auch in der "Lizenzordnung Spieler" der DFL. Mündliche Vereinbarungen lassen sich freilich nicht verbieten. Wie der kicker aus DFB-Kreisen vernahm, ist für den Verband allein entscheidend, ob ein Profi über die nötige Spielgenehmigung verfügt. Ilsanker könnte also durchaus auflaufen, wird es aber nicht tun.

Hütter fordert taktische Disziplin ein

Losgelöst von einzelnen Personalien ist es Hütter vor allem wichtig, dass seine Elf - anders als in Düsseldorf - wieder taktisch diszipliniert agiert. "Wir waren zu weit auseinander, liefen nicht gut genug an, agierten nicht synchron und geschlossen. Das darf uns gegen so einen starken Gegner auf keinen Fall passieren, sonst werden wir zerlegt. Aber wenn wir taktisch sehr diszipliniert sind, so wie gegen Leipzig und Hoffenheim, haben wir gute Möglichkeiten, ein positives Resultat zu erzielen", erläutert der Coach und kündigt an: "Mit offenem Visier werden wir sicherlich nicht in das Spiel gehen."

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Julian Franzke

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