100 Jahre kicker

1962 - Triste WM in Chile und Abschied der Helden von Bern

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1962 - Triste WM in Chile und Abschied der Helden von Bern

Bundestrainer Sepp Herberger (li.) und sein Co-Trainer Helmut Schön.

Bundestrainer Sepp Herberger (li.) und sein Co-Trainer Helmut Schön. imago images

Ja, er hat gegen die Tschechoslowakei gespielt. Doch Wunderknabe Pelé, damals 21 Jahre alt, kam beim 0:0 im zweiten Spiel der Gruppenphase zum Einsatz. Dabei verletzte sich der Brasilianer und war bei der WM in Chile fortan nicht mehr am Ball. Das 3:1 im Endspiel gegen eben diese Tschechoslowakei erlebte er nur als Zuschauer. Zwei Spiele und ein Tor machte Pelé bei der WM 1962. Doch schon beim 2:1 im dritten Gruppenspiel gegen Spanien fehlte der Superstar verletzt.

Und weil bei Spanien der eingebürgerte Superstar Alfredo di Stefano angeschlagen fehlte, verpasste die Fußball-Welt das Gigantentreffen. Mit dabei im Dress Spaniens war immerhin der gebürtige Ungar Ferenc Puskas, 1954 Vize-Weltmeister mit Ungarn. Doch er blieb in drei Spielen torlos und schied mit Spanien in der Gruppenphase aus.

"Schlacht von Santiago" als negativer Höhepunkt

Das passte alles in das triste Bild einer WM, die von einer defensiven Spielweise und teils übergroßer Härte geprägt war. Negativer Höhepunkt war das Brutalo-Spiel zwischen Gastgeber Chile und Italien, das als "Schlacht von Santiago de Chile" unschön in die Historie einging.

Für Deutschland war bei der letzten WM-Endrunde unter Weltmeister-Trainer Sepp Herberger im Viertelfinale beim 0:1 gegen Jugoslawien Schluss. Uwe Seeler war mit zwei Toren bester deutscher Torschütze. Mit Kapitän Hans Schäfer war noch ein "Held von Bern" dabei, auch Herbert Erhardt hatte 1954 zum Kader gehört, war in der Schweiz aber nicht zum Einsatz gekommen. Gleich zum Auftakt der Gruppenphase hatte Deutschland in Santiago de Chile gegen Italien gespielt. Es war das erste Mal, das zwei frühere Weltmeister bei einer Endrunde aufeinandertrafen. Es gab ein tristes 0:0. Die Fußballfans in Deutschland sehen im TV nur Zusammenfassungen der Partien, meist erst Tage später. Viel verpasst haben sie nicht.

Jörg Wolfrum

1962: Was sonst noch geschah ...

Meister: 1. FC Köln (nach 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg)

Pokal: 1. FC Nürnberg (nach 2:1 n.V. gegen Fortuna Düsseldorf)

Fußballer des Jahres: Karl-Heinz Schnellinger (1. FC Köln)

DDR: ASK Vorwärts Berlin (Meister), Hallescher FC Chemie (Pokalsieger nach 3:1 gegen SC Dynamo Berlin), Torschützenkönig: Arthur Bialas (SC Empor Rostock, 23 Tore)

Europapokal der Landesmeister: Benfica Lissabon (nach 5:3 gegen Real Madrid)

Messe-Pokal (Vorläufer UEFA-Cup): FC Valencia (gegen FC Barcelona)

Europapokal der Pokalsieger: Atletico Madrid (gegen AC Florenz)

Weltmeisterschaft in Chile: Sieger Brasilien, Deutschland scheidet nach 0:1 gegen Jugoslawien im Viertelfinale aus

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