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1954 - Das Wunder von Bern

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1954 - Das Wunder von Bern

Fritz Walter mit dem WM-Pokal 1954.

Das Wunder ist geschehen: Fritz Walter mit dem WM-Pokal 1954. imago images

Es gibt viele Helden, die das Finale von 1954, das Endspiel im Berner Wankdorfstadion, geprägt haben. Helmut Rahn, der aus dem Hintergrund schießt. Fritz Walter, dessen Wetter den deutschen Sieg begünstigt. Max Morlock, der das wichtige Anschlusstor erzielt. Werner Kohlmeyer, der nicht nur einmal in letzter Sekunde auf der Torlinie rettet. Toni Turek, der Teufelskerl. Und natürlich Sepp Herberger, der Trainer, der Architekt des großen Erfolgs.

Dabei gerät Herberger schon früh in die Kritik. Seine Spieler, zu denen er über Jahre hinweg freundschaftliche Verbindungen aufgebaut hatte und auch in den Kriegswirren stets versucht hat, Kontakt zu halten, marschieren keineswegs durch das Turnier. Zum Auftakt feierte die westdeutsche Elf zwar einen 4:1-Sieg gegen die Türkei, doch schon im zweiten Gruppenspiel bezieht der spätere Titelträger heftige Prügel. Ein sattes 8:3 fährt der absolute Titelfavorit Ungarn - zuvor über 30 Spiele ungeschlagen - im Basler St.-Jakob-Stadion gegen ein überfordertes deutsches Reserveteam ein. "Wenn wir uns da verausgaben, haben wir im Turnier keine Chance mehr", habe Herberger damals die Rotation begründet, erinnert sich Kapitän Fritz Walter Jahre später. Und Herbergers Schachzug geht auf. Die öffentliche Kritik schweißt das Team und ihren Trainer zusammen, der "Geist von Spiez" ist nun das Erfolgsrezept.

Dem Arbeitssieg folgt eine rauschhafte Vorstellung

WM 1954 - Das Wunder von Bern

Die Deutschen müssen erneut gegen die Türken im Entscheidungsspiel um Gruppenplatz zwei antreten - und ziehen durch ein 7:2 in die Finalrunde ein. Hier wartet mit Jugoslawien ein weiteres Schwergewicht des Weltfußballs. Beim hart erkämpften 2:0-Sieg zeichnen sich zwei spätere Finalhelden aus: Torhüter Turek entnervt die wütend angreifenden Stürmer des Gegners. Und Rahn setzt wenige Minuten vor dem Abpfiff den Schlusspunkt zum 2:0. Im Halbfinale wartet Österreich - auch gegen die Alpenrepublik sind Herbergers Mannen wieder nicht der Favorit. Doch Tore von Hans Schäfer, Morlock und jeweils ein Doppelpack der Walter-Brüder Fritz und Ottmar sorgen für einen rauschhaften 6:1-Sieg und katapultieren die DFB-Auswahl regelrecht ins Endspiel.

WM-Held Fritz Walter

Dort kommt es zum Wiedersehen mit Ungarn, das schnell mit 2:0 führt und Erinnerungen an die Schlappe in der Gruppenphase weckt. Morlock und Rahn gleichen jedoch noch vor der Pause aus. Im zweiten Durchgang schlägt das Pendel im Regen von Bern dann endgültig zugunsten der Deutschen aus. Rahn macht kurz vor Schluss das 3:2 und Deutschland zum Weltmeister. Während Fritz Walter nach dem Schlusspfiff die Coupe Jules Rimet mit der damals gebotenen Zurückhaltung und Demut entgegennimmt, kennt die Euphorie in Deutschland keine Grenzen. Die Weltmeister werden in den Tagen danach, ganz egal wo sie auch auftauchen, ausgelassen gefeiert.

pau

1954: Was sonst noch geschah ...

Deutscher Meister 1954: Hannover 96. imago images

Meister: Hannover 96 (nach 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern)

Pokal: VfB Stuttgart (nach 1:0 n.V. gegen 1. FC Köln)

DDR: Turbine Erfurt (Meister), ZSK Vorwärts Berlin (Pokalsieger nach 2:1 gegen Motor Zwickau), Torschützenkönige: Heinz Satrapa (SC Wismut Karl-Marx-Stadt, 21 Tore) und Siegfried Vollrath (SC Turbine Erfurt, 21 Tore)

Weltmeisterschaft in der Schweiz: Sieger Deutschland nach 3:2 gegen Ungarn

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