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100 Jahre kicker: 1920 - Als in Deutschland wieder etwas Normalität einkehrte

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1920 - Als in Deutschland wieder etwas Normalität einkehrte ...

Heiner Stuhlfauth ist eine Legende beim 1. FC Nürnberg.

Von 1916 bis 1933 Torwart des 1. FC Nürnberg sowie auch deutscher Nationaltorwart: Legende Heiner Stuhlfauth. imago images

Fast zehn Millionen Menschen kamen während des 1. Weltkriegs ums Leben, aus Deutschland allein zwei Millionen - was natürlich besonders an der tragenden Kriegsrolle des Deutschen Kaiserreiches nach der Angriffserklärung gegen Frankreich am 3. August 1914 lag. Nur nachvollziehbar, dass die Bevölkerungen vieler Nationen im Anschluss aufgewühlt waren und sich nach Normalität sehnten. Und tatsächlich: Nachdem die Friedensverträge zwischen den beteiligten Nationen abgeschlossen waren (am 18. Januar 1919 begann die Pariser Friedenskonferenz), fand über die Jahre auch wieder das Leben Einzug. Und so lebte auch die Kultur zum Beispiel in Form von sportlichen Großveranstaltungen wieder auf.

Allein in Deutschland fand das großen Anklang, war doch zwischen 1915 und 1919 keine Meisterschaft ausgespielt worden. Und so erfreute sich das Publikum zum Beispiel über den 1. FC Nürnberg als neuen Titelträger nach einem 2:0 über Erzrivale SpVgg Fürth, der zuvor sechs Jahre lang seinen Titel quasi gehalten hatte, am 13. Juni 1920. Austragungsort: das Stadion Sandhöfer Wiesen in Frankfurt.

Die neutrale Schweiz erklärt sich bereit

Der 1. FC Nürnberg feiert die deutsche Meisterschaft 1920.

Fürth als Titelträger abgelöst: Der 1. FC Nürnberg feiert die deutsche Meisterschaft 1920. imago images

Auch die deutsche Nationalmannschaft stieg wieder ins aktive Geschehen ein. Genauer gesagt am 27. Juni 1920, als nach über sechs Jahren wieder eine Auswahl ein Spiel absolvieren durfte - in Zürich gegen die Schweiz. Von Erfolg gekrönt war der Auftritt der Elf um Torwartlegende Heiner Stuhlfauth oder dem fünfmaligen Meister Hans Kalb nicht: Mit einem 1:4 musste die Mannschaft die Heimreise wieder antreten, nach Gegentoren von Doppelpacker Karl Meyer (19. und 38.), Robert Afflerbach (50.) und Rudolf Ramseyer (77.). Adolf Jäger erzielte den Ehrentreffer in der 79. Minute.

Zu diesem Zeitpunkt war Deutschland, das den Krieg verloren und nach Auffassung der Siegermächte auch allein verschuldet hatte, auf der internationalen Bühne ein isolierter Staat, der von anderen Staaten zumeist gemieden wurde. Die neutrale Schweiz hatte sich allerdings zu einem Kräftemessen auf sportliche Art bereit erklärt, was in der Folge gegen andere Länder erst Jahre danach möglich war.

Markus Grillenberger

1920: Was sonst noch geschah ...

Meister: 1. FC Nürnberg (nach 2:0 gegen die SpVgg Fürth)

Olympische Spiele in Antwerpen: Belgien (Gold), Spanien (Silber), Niederlande (Bronze), ohne deutsche Beteiligung

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