Bundesliga

Bayer Leverkusenes Hradecky über Intuition, Karma und Selbstkritik

Leverkusens Torhüter sieht Haltung des Teams als "gutes Zeichen"

Hradecky über Intuition, Karma und Selbstkritik

Zeigte eine starke Parade gegen Rouwen Hennings: Leverkusens Torwart Lukas Hradecky.

Zeigte eine starke Parade gegen Rouwen Hennings: Leverkusens Torwart Lukas Hradecky. imago images

Es war ein Schlüsselmoment. Als sich Fortuna-Torjäger Rouwen Hennings in der 63. Minute die Chance zum Ausgleich bot, vollbrachte Lukas Hradecky eine Glanztat. "Es war viel Intuition. Für ihn war es schwer, auf die andere Ecke zu schießen. Da habe ich ihn vielleicht ein wenig gelesen, dass er nur hierhin schießen konnte", erklärte Leverkusens Torhüter zum Wochenbeginn seine Parade, um mit dem ihm typischen Humor nachzuschieben: "Aber ich war selber überrascht, dass ich die Hand da noch rangekriegt habe."

Hradecky rettete seine Mannschaft in einem Moment, der die Partie hätte kippen lassen können. Balsam auf die Seele des finnischen Nationalspielers, der noch beim 4:1 in Paderborn zum Rückrundenauftakt vor dem Gegentreffer gepatzt hatte und jetzt zu seiner Rettungsaktion zugab: "Das tut schon gut."

Trotz des 3:0-Erfolgs gab es aber keinen Grund zum Überschwang. Dass nicht nur Trainer Peter Bosz ("Das war kein gutes Spiel von uns, das muss man ehrlich sagen"), sondern auch die Profis nachher Selbstkritik übten aufgrund des nicht ausgereiften Vortrags, stimmt Hradecky zuversichtlich. "Wir spüren selber, dass wir nicht so dominant, nicht so überzeugend waren", sagt der 30-Jährige, der diesen Blickwinkel aber als wichtig ansieht: "Vielleicht ist das das letzte Stück, das man braucht, um eine Spitzenmannschaft zu sein." Denn: "Eigentlich darf Düsseldorf nicht zu solchen Möglichkeiten kommen. Wir dürfen so einem Gegner nicht den Glauben geben, dass hier etwas zu holen ist."

"Wenn wir eine Topmannschaft sein wollen..."

Folglich stellt er fest: "Nach einem 3:0 sollte man nicht allzu kritisch sein, aber es ist ein gutes Zeichen, dass man sich trotzdem ein bisschen hinterfragt." Eine Haltung, die Bosz den Profis immer wieder vorbetet. "Das ist es, was der Trainer sagt: Wenn wir eine Topmannschaft sein wollen, dann müssen wir uns halt auch etwas kritisch betrachten, selbst, wenn wir gewonnen haben." Angesichts der Nachlässigkeit, mit der Bayer zum Teil sowohl in der Offensive als auch in der in der Defensive agierte, sollte die geübte Selbstkritik der Bayer-Profis den Verantwortlichen zumindest Hoffnung machen, dass sich dieser Zustand der Sorglosigkeit nicht als dauerhaft erweist.

Schon am Samstag wird mehr Seriösität nötig sein. Auch, weil Hoffenheims Offensive solche Offerten wie Bayer sie der Fortuna machte, nicht ablehnen dürfte. "Da ist auch ein bisschen Qualität auf der anderen Seite", sagt Hradecky voller Respekt vor den Angreifern der TSG.

Dass die Qualität der Kramarics, Dabburs und Baumgartners nicht zwangsläufig zu einem Sturmlauf des Gegners führt, musste Bayer im Hinspiel leidvoll erfahren, als man gegen ungewohnt defensive und mannorientiert verteidigende Gäste zwar extrem feldüberlegen agierte, aber beim 0:0 viel zu selten ein Durchkommen fand, allerdings dennoch hätte gewinnen können.

Hradecky setzt auf die spirituelle Ebene

Was das Quäntchen Fortune betrifft, setzt Hradecky am Samstag auf die spirituelle Ebene. "Wenn im Fußball ein bisschen Karma existiert, haben wir vielleicht am Samstag das nötige Glück, das wir im Heimspiel nicht hatten. Wir müssen einfach so weiterspielen, an der Chancenverwertung arbeiten. Denn gegen Hoffenheim kriegt man nicht so viele Chancen, wie wir jetzt gegen Düsseldorf."

Im Hinspiel waren es ganze fünf. In Sinsheim sollen es deutlich mehr werden. Damit dies klappt, wird Bayer einen Dosenöffner benötigen. "Ich hoffe, dass wir auch da in Führung gehen, dann müssen die auch offensiver spielen und es ergeben sich Räume, so wie am Sonntag, als Düsseldorf nichts mehr zu verlieren hatte", erklärt der Torhüter, "so ein Szenario zu kreieren, wäre schon hilfreich." Denn nur wenn es sein muss, möchte Hradecky wieder seine Intuition spielen lassen. Die Schlüsselmomente sollen seine Kollegen erfolgreich gestalten, vor dem gegnerischen Tor.

Stephan von Nocks

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