Bundesliga

Werder Bremen in der Krise: Baumann, Kohfeldt und die klare Verantwortung

Werder Bremen: Wurde die Qualität der Offensivkräfte überschätzt?

Baumann, Kohfeldt und die klare Verantwortung

Manager Frank Baumann (r.) und Trainer Florian Kohfeldt

Sind sich ihrer Verantwortung bewusst: Manager Frank Baumann (r.) und Trainer Florian Kohfeldt. imago images

Dass dem SV Werder für den Rest der Rückrunde eine Verstärkung im Sturm bestens zu Gesicht stünde, ist allgemeiner Konsens. Manager Frank Baumann und Trainer Florian Kohfeldt sehen das nicht anders und halten auf dem Transfermarkt dementsprechend die Augen offen. Zugleich betonen die Verantwortlichen im Abstiegskampf das Vertrauen in die aktuelle Besetzung. Manchem Beobachter mag das blauäugig erscheinen. Aber bei näherer Betrachtung spricht daraus doch gerade, dass sich Baumann und Kohfeldt ihrer eigenen Verantwortung offenbar überaus bewusst sind.

Kein nomineller Engpass im Angriff

Denn so sehr Werder in dieser Saison vom Verletzungspech gebeutelt wurde bzw. wird: Die Personalsituation in der Offensive ist keine ungewöhnliche. Schließlich liegt hier einzig Mittelstürmer Niclas Füllkrug auf Eis, dessen Kreuzbandriss zwar niemand vorhersehen konnte, dessen Transfer nach drei Knorpelschäden aber sehr wohl von vornherein als Risiko behaftet gelten musste. Völlig zu Recht stellte Baumann also nach dem 0:3 gegen Hoffenheim klar, dass im Angriff gar kein nomineller Engpass herrsche: "Wir haben da doch einige Alternativen. Und die Jungs haben auch schon gezeigt, dass sie es besser können als im Moment." Was sich daraus logisch ableitet: Der klare Auftrag an die Spieler und an Kohfeldt, das Potenzial wieder zur Entfaltung zu bringen. Und damit zweifelsfrei nachzuweisen, dass auch Baumann selbst bei der Zusammenstellung des Kaders dessen Qualität nicht maßlos überschätzt hat.

Unerfüllte Erwartungen

So galt etwa Josh Sargent als herausragendes Talent, Yuya Osako für Kohfeldt gar als "Schlüsselspieler", Claudio Pizarro auch mit 41 Jahren noch als Mann für die besonderen Momente. Bewertungen, denen diese Profis seit geraumer Zeit nicht mehr gerecht werden. Auch von Johannes Eggestein gehen schon lange keinerlei Impulse mehr aus. Das Eigengewächs, analysiert Kohfeldt, habe zwar taktisch und athletisch zugelegt, aber im Spiel Leichtigkeit und Intuition verloren. Ob dies durch die Umschulung vom Stürmer zum Mittelfeldspieler auch der Trainer mit zu verantworten hat, darüber kann zumindest spekuliert werden.

Fakt ist: Mit der Umstellung auf ein 3-5-2-System, für das der neue Abwehrchef Kevin Vogt prädestiniert ist, hat Kohfeldt die Stabilität erhöht. Darüber freilich ist eindeutig ein Stück Durchschlagskraft verlorengegangen. Die entsprechende Balance herzustellen, bildet eine originäre Aufgabe des Trainers - was Kohfeldt so auch ohne Ausflüchte annimmt: "Das Spiel ins letzte Drittel wird in dieser Woche ein großes Thema sein. Wir müssen uns in unseren Abläufen festigen."

Luxus: Werder plant ohne Beijmo

Die Rückkehr zu einem 4-3-3-System, in dem die Offensivkräfte naturgemäß besser aussehen könnten, kommt vorerst nicht infrage. Schon deshalb, weil in den verletzten Theo Gebre Selassie, Michael Lang und Ludwig Augustinsson sowie dem gelb-gesperrten Marco Friedl sämtliche Außenverteidiger ausfallen. In dieser Beziehung ist Kohfeldt ein Opfer der Umstände. Erinnert sei in diesem Zusammenhang dennoch an Felix Beijmo. Der Rechtsverteidiger brachte zuletzt für Malmö FF dem Vernehmen nach solide Leistungen, wurde nach Ende seiner Ausleihe ab 1. Januar dennoch nicht wieder in Werders Profikader aufgenommen. Auf alle Fälle ein Luxus angesichts der Tatsache, dass der 21-Jährige im Sommer 2018 stolze drei Millionen Euro Ablöse gekostet hat. Auch das - und ebenso die 6,3 Millionen Euro für Füllkrug - gilt es vor Augen zu haben, wenn Baumann und Kohfeldt nun auf diese Tatsache hinweisen: Für die Verpflichtung eines weiteren Stürmers stünden keine allzu üppigen finanziellen Mittel mehr zur Verfügung.

Thiemo Müller

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