Bundesliga

Wie Eintracht-Vorstand Axel Hellmann die Stadion-Großprojekte plant

Frankfurt: Stadionausbau während der WM 2022 geplant

Wie Hellmann die Stadion-Großprojekte plant

Commerzbank-Arena in Frankfurt

Heimstätte von Eintracht Frankfurt: die Commerzbank-Arena. imago images

Am 1. Juli 2020 bricht für Eintracht Frankfurt in Sachen Stadion eine neue Zeitrechnung an - die 2004 mit der Stadion Frankfurt Management GmbH (SFM) geschlossene Nutzungsvereinbarung endet am 30. Juni 2020. Der alte Vertrag war für die Eintracht zum Zeitpunkt des Abschlusses eine vernünftige Sache, da der wirtschaftlich angeschlagene Klub zwischen der 1. und der 2. Liga pendelte und kein Geld hatte, den in Hinblick auf die WM 2006 erfolgten Stadionneubau selbst zu finanzieren. Angesichts der kometenhaften Entwicklung in den vergangenen Jahren ist der Kontrakt aber schon länger nicht mehr vorteilhaft für die Eintracht. Pro Spielzeit in der 1. Liga zahlt der Klub 18 Prozent der Ticketeinnahmen an die SFM, die außerdem 30 Prozent der stadiongebundenen Vermarktungserträge erhält.

Für die Spielzeit 2017/18 ergab sich daraus ein Nutzungsentgelt in Höhe von 6,4 Millionen Euro, hinzu kam eine Miete in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Auch der ebenfalls 2004 geschlossene Vertrag mit dem Vermarkter Sportfive (jetzt: Lagardere Sports) erwies sich für die Eintracht als zu kostspielig. Der Vermarkter erhielt 16,5 Prozent der stadiongeborenen sowie 18 Prozent der vereinsgeborenen Vermarktungserlöse, im Geschäftsjahr 2018 waren das 9,6 Millionen Euro. Der Klub hat die Vermarktung deshalb mittlerweile in die eigene Hand genommen, die Zusammenarbeit mit Lagardere endete am 31. März 2019.

Wir übernehmen das Stadion als Dauermieter für die nächsten 15 Jahre und damit quasi auch als Betreiber.

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann

Ab dem 1. Juli 2020 wird die Eintracht gewissermaßen der Herr im Haus sein, auch wenn die Arena weiterhin der Stadt gehört. "Wir übernehmen das Stadion als Dauermieter für die nächsten 15 Jahre und damit quasi auch als Betreiber. Wir zahlen dafür eine Komplettmiete in Höhe von acht Millionen Euro jährlich. Das ist viel Geld, vielleicht auch etwas mehr, als wir uns gewünscht oder vorgestellt haben. Auf der anderen Seite bekommen wir dafür alle Einnahmen: Das gilt für unsere Spiele, das Catering, die Vermarktung und Konzertveranstaltungen. Das ist ein großer Schritt für uns, weil wir die wirtschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten in der Hand haben", erklärt Hellmann.

Die Betriebskosten trägt künftig zu 90 Prozent der Klub

Zur Einordnung: Allein die Vermarktung des Stadionnamens dürfte dem Klub mehr als die Hälfte der Miete einbringen. Die Commerzbank zahlt aktuell etwa vier Millionen Euro, allerdings fließt das Geld nicht an die Eintracht. Die Betriebskosten trägt künftig zu 90 Prozent der Klub und zu zehn Prozent die Stadt. Hellmann rechnet mit jährlichen Gesamtkosten des Stadions in Höhe von 14 bis 15 Millionen Euro, betont aber: "Wir gehen davon aus, dass wir diese Kostenbelastung durch die Einnahmesituation deutlich übertreffen. Dieser Deal ist gut für Eintracht Frankfurt."

Stadionausbau: Mehr Stehplätze im Stadion

Für die Fans besonders spannend ist der geplante Stadionausbau von aktuell 51.500 Plätzen auf etwas mehr als 60.000. Die Stadt Frankfurt hat den Ausbau zugesichert und dafür zunächst zehn Millionen Euro eingeplant. Hellmann glaubt nicht, dass es bei diesem Betrag bleiben wird, er spricht von einer "Häppchenpolitik" und führt aus: "Man fängt mit zehn an und dann ist man bei 30, damit es für den Steuerzahler nicht so schrecklich klingt." Geschaffen werden sollen in erster Linie Stehplätze, um mehr Menschen ein preiswertes Stadionerlebnis zu ermöglichen. Hellmann spricht von einem "großen Schritt". Im Gegenzug verpflichtete sich die Eintracht, in die digitale Infrastruktur des Stadions zu investieren.

Das Eintracht-Stadion vor der Frankfurter Skyline

Das Eintracht-Stadion vor der Frankfurter Skyline. imago images

Schon ab dem kommenden Sommer könnte es einen neuen Videowürfel geben, "auf dem man wieder erkennen kann, wer ein Tor geschossen hat", so Hellmann. Anspruchsvoller werden die Umbauten auf den Rängen. Geplant ist die Kapazitätserweiterung während der Winter-WM in Katar 2022, da die Arena im Sommer für Konzerte gebraucht wird. Im modernisierten Stadion werden übrigens nicht mehr die Farben Gelb und Blau dominieren, sondern die Vereinsfarben: Schwarz, Weiß und Rot.

Digitalisierung: Eintracht will eine Vorreiterrolle einnehmen

Als "die wichtigste geschäftspolitische Entscheidung" bezeichnet Hellman die Schaffung einer eigenen digitalen Plattform, über die zum Beispiel Tickets gekauft und das Essen und Trinken im Stadion bezahlt werden können. Die Eintracht will unabhängig von großen Playern wie Google oder Amazon bleiben. "Wenn wir nicht aufpassen und eine eigenständige Lösung schaffen, eine Antwort aus eigener Stärke heraus entwickeln, wird es uns wie manchen Unternehmen gehen, dann wird man zu einem Anhängsel der großen Plattformen", warnt Hellmann. Die Eintracht sieht er bei diesem Thema in einer Vorreiterrolle. "Als Vorstände der Eintracht Frankfurt Fußball AG können wir es auf keinen Fall zulassen, uns von den großen Multis auf der Welt abhängig zu machen", betont Hellmann und kündigt an: "Wir arbeiten an dieser Plattform, sie wird in einer ersten Fassung im Sommer an den Start gehen."

Auch kulinarisch brechen dann andere Zeiten für die Fans an. Der Vertrag mit dem in Fankreisen nicht unumstrittenen Cateringunternehmen Aramark endet, Hellmann erklärt: "Es handelt sich um Jungs aus der Region, die zukünftig das Catering machen. Sie sind lebenslange Mitglieder und dem Verein sehr verbunden." Dabei soll es sich um den Caterer Supreme Sports Hospitality handeln, der auf seiner Homepage wirbt: "Ab Sommer 2020 starten drei original 'Frankfurter Jungs' in der Sport- und Event-Gastronomie der Mainmetropole durch."

Julian Franzke

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