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Es brodelt bei Manchester United: Solskjaers gewagter Klopp-Vergleich

Rückendeckung für den Trainer

Es brodelt bei ManUnited: Solskjaers gewagter Klopp-Vergleich

Ratlose Gesichter: Ole Gunnar Solskjaer, Phil Jones und Aaron Wan-Bissaka (v.l.) nach dem 0:2 gegen Burnley.

Ratlose Gesichter: Ole Gunnar Solskjaer, Phil Jones und Aaron Wan-Bissaka (v.l.) nach dem 0:2 gegen Burnley. imago images

Wenn das "Theater der Träume" nur noch ein Schulterzucken hervorruft, ist die Lage dramatisch: Schon vor dem Heimspiel gegen Burnley am vergangenen Mittwoch waren zahlreiche Plätze im regelmäßig ausverkauften Old Trafford leer geblieben, bei Schlusspfiff waren die Lücken dann eklatant. Dass Manchester United gegen den Abstiegskandidaten mit 0:2 verlor, war dramatisch, das Drumherum noch viel dramatischer. Es brodelt beim Rekordmeister.

United ist Fünfter - aber dem 14. Platz näher als dem vierten

Doch Ole Gunnar Solskjaer, dessen Mannschaft einmal mehr gegen einen tiefstehenden, konternden Gegner keine Mittel fand und als Tabellenfünfter weiter vom vierten Platz entfernt ist als vom 14., steht vorerst nicht zur Disposition: Die Klubführung stärkte, so heißt es in England übereinstimmend, dem Trainer nach dem Spiel intern den Rücken. Und auch der Norweger selbst sagte am Freitag: "Ich habe das vollste Vertrauen."

Doch nach gut einem Jahr im Amt ist die Anfangseuphorie unter dem Mourinho-Nachfolger längst verflogen, ein vielversprechendes Konzept nicht existent. "Eine schnelle Lösung wird es nicht geben. Jürgen Klopp hat vier Jahre damit verbracht, sein Team aufzubauen, und jetzt läuft es gut", zog Solskjaer zur Selbstverteidigung einen gewagten Vergleich: Klopp hatte 2015 schließlich nicht den umsatzstärksten Premier-League-Klub übernommen, schon im ersten Jahr seinen mitreißenden Fußball erkennen lassen - und schon viel früher erste Erfolge gefeiert. Es kamen mehr, nicht weniger Fans ins Stadion.

United will Bruno Fernandes - doch eine Einigung ist nicht in Sicht

Solskjaer, seit Dezember 2018 im Amt, bittet um Geduld. "Wir hatten erst ein richtiges Transferfenster und versuchen, auch jetzt noch etwas zu tun." Aber es werde "nicht acht oder zehn neue Spieler in einem Transferfenster geben". Der offensive Mittelfeldspieler Bruno Fernandes (25) soll - und will - von Sporting Lissabon kommen, beide Klubs sind dem Vernehmen nach aber noch meilenweit von einer Einigung entfernt.

Du musst das ganze Haus einreißen, nicht einfach mit dem Dach anfangen. Wir hatten einige Regentage und wünschten uns, das Dach wäre schon drauf.

Ole Gunnar Solskjaer

"Wenn man etwas Neues anfängt, muss man sich an diesen Plan halten, ich werde ihn nicht nach sechs, neun oder zehn Monaten ändern und an einen anderen Weg glauben. Das Fundament muss gelegt werden", sagte Solskjaer und blieb bei diesem Bild: "Du musst das ganze Haus einreißen, nicht einfach mit dem Dach anfangen. Wir hatten einige Regentage und wünschten uns, das Dach wäre schon drauf, aber wir können uns nicht verstecken." Die Mannschaft verfüge über einen "guten Kern" an Spielern, die an seinen Weg glaubten.

Die große Wut der Fans richtet sich ohnehin nicht gegen Solskjaer

Dass Schlüsselspieler wie Marcus Rashford, Paul Pogba oder Scott McTominay entweder seit langem oder noch lange ausfallen, macht Solskjaers Aufgabe nicht leichter - und stellt auch infrage, ob ein neuer Trainer, der in Mauricio Pochettino längst gehandelt wird, in dieser Saison überhaupt noch eine große Wende einleiten könnte.

Die Fans, die ihren Unmut gegen Burnley offener und lauter äußerten denn je, richten sich ohnehin mehrheitlich nicht gegen Solskjaer, sondern gegen die Kluboberen: gegen die Glazer-Familie, die sich seit der Übernahme üppige Dividenden gönnt, und deren "Statthalter" Ed Woodward, der als ehemaliger Banker die Transfergeschäfte verantwortet, darin aber in den Augen vieler seit Jahren versagt. ManUnited schreit nicht nur nach einem Sportdirektor, der seit langem offenbar nur halbherzig gesucht wird, sondern nach einer ganz neuen Führungsstruktur.

Solskjaer: "Man muss mental stärker sein - das bin ich, das ist der Klub"

"Wir können nicht auf all den Lärm da draußen reagieren", meinte Solskjaer am Freitag noch. "Man muss die Kritik hinnehmen, man muss hier mental stärker sein als sonst irgendwo auf der Welt. Das bin ich, das ist der Klub. Wir halten an dem fest, woran wir glauben." Am Samstag (16 Uhr, LIVE! bei kicker und im Stream bei DAZN) gastiert der Rekordmeister im FA Cup bei Drittligist Tranmere Rovers. Es ist nicht unbedingt eine dankbare Aufgabe, wenn es eh schon reinregnet.

jpe

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