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Daytona: Zweimal rund um die Uhr - für eine Uhr

Das 24-Stunden-Rennen von Daytona

Zweimal rund um die Uhr - für eine Uhr

Porsche geht mit Earl Bamber/Laurens Vanthoor/Mathieu Jaminet (Auto mit der Startnummer 912) sowie Nick Tandy/Frederic Makowiecki/Matt Campbell (911) an den Start.

Porsche geht mit Earl Bamber/Laurens Vanthoor/Mathieu Jaminet (Auto mit der Startnummer 912) sowie Nick Tandy/Frederic Makowiecki/Matt Campbell (911) an den Start. Porsche

Auf dem zur Hälfte genutzten Ovalkurs mit dem anschließenden engen Infield müssen die Piloten in jeder Runde zwei völlig unterschiedliche Layouts beherrschen, aus diesem Grund gilt Daytona auch für die Autos und deren Abstimmung als äußerst knifflig. Start ist am Samstag um 19.40 Uhr (MEZ).

"World Center of Racing"

An der Haupttribüne prangt in Riesenlettern der eigene Anspruch, Bescheidenheit verrät er nicht unbedingt: "World Center of Racing" steht da zu lesen. Darüber ließe sich trefflich diskutieren, doch zu den klangvollsten Rennstrecken der Welt gehört dieser Kurs ohne Zweifel. Das Daytona-500-Rennen bildet stets einen Höhepunkt in der in Nordamerika ungeheuer populären Nascar-Serie, das 24-Stunden-Rennen am Wochenende eröffnet die in den USA beheimatete IMSA-Serie für Prototypen und GT-Fahrzeuge.

Reizpunkte durch viele Überhol- und Überrundungsvorgänge

Wie in Le Mans treten vier Kategorien an, wobei es, von Spa-Francorchamps abgesehen (ausschließlich GT3-Fahrzeuge), kein 24-Stunden-Rennen von Bedeutung gibt, in dem nicht unterschiedliche Leistungsklassen am Start sind. Genau das ist durch die vielen Überhol- und Überrundungsvorgänge einer der Reizpunkte dieser Hatz zweimal um die Uhr.

Sammler-Uhren-Klassiker sind heiß begehrt

Und wie in Le Mans geht es um wertvolle Uhren der Edelmarke Rolex. Bekommen eine solche in Le Mans nur die Gesamtsieger, so werden in Daytona auch die Gewinner der einzelnen Klassen mit einer Sonderausgabe des nach dieser Rennstrecke benannten Sammleruhren-Klassikers bedacht. Nur äußerst selten trennt sich einer der damit ausgezeichneten Fahrer von seinem guten Stück. Wenn aber doch, dann beginnt das Preisspektrum bei rund 50.000 Euro, weil die Gravur auf der Rückseite verrät, um welche Rarität es sich hier handelt. "Daytona ist ganz anders als alle anderen vergleichbaren Rennen. Und die Uhr, die es zu gewinnen gibt, ist ebenfalls reizvoll, keine Frage", räumt auch Timo Bernhard (38) ein, der 2003 in Daytona den Gesamtsieg holte und dabei in einem Porsche-GT die deutlich stärkeren Prototypen abhängte.

38 Autos mit durchgängig starken Besetzungen

Wie kein anderes 24-Stunden-Rennen vereint Daytona ein Heer an Top-Fahrern aus den USA und Europa. Fürs amerikanische Publikum, das im Innern der Rennstrecke für eine weltweit einzigartige Enge und Atmosphäre sorgt, sind die großen Namen aus der Nascar-Serie und der IndyCar-Szene höchst attraktiv. In diesem Jahr sind das in erster Linie der amtierende Indy-500-Champion Simon Pagenaud und seine Vorgänger aus früheren Jahren, Scott Dixon, Ryan Hunter-Reay, Juan Pablo Montoya, Helio Castroneves oder Alexander Rossi.

Ungemein schlagkräftiges Frauen-Quartett

Aus Europa und der Formel 1 kommen ebenfalls Fahrer mit großen Namen. Kamui Kobayashi, Sebastien Bourdais, Pedro Lamy, Felipe Nasr und Juan Pablo Montoya fuhren schon Formel 1, Loic Duval, Renger van der Zande, Filipe Albuquerque, Oliver Jarvis, Marcel Fässler, Augusto Farfus, Bruno Spengler, Philipp Eng, Mathias Lauda und Rahel Frey kommen mit jeder Menge DTM-Erfahrung. Die Schweizerin Rahel Frey bildet gemeinsam mit Katherine Legge (GBR), Christina Nielsen (DEN) und Tatiana Calderon (COL) ein ungemein schlagkräftiges Frauen-Quartett, das einem Lamborghini Huracan GT3 Evo die Sporen gibt.

Mit der Empfehlung, die Gesamtwertung bei den 24 Stunden von Le Mans bereits einmal oder mehrfach gewonnen zu haben, gehen Loic Duval, Simon Pagenaud, Kamui Kobayashi, Mike Conway, Marcel Fässler und die beiden Porsche-Piloten Nick Tandy (GBR) sowie Earl Bamber (NZL) ins Rennen. Alles in allem 38 Autos mit durchgängig starken Besetzungen.

Brandneuer Porsche 911 RSR-19

In der zumeist am engsten umkämpften GT-Le-Mans-Klasse konkurrieren zwar nur sieben Autos, doch gerade dort verspricht das Rennen ein Krimi zu werden. Beim sogenannten "Roar", den Testtagen Anfang Januar, die auch über die Verteilung der Garagen entscheiden, lag zwischen der schnellsten Corvette und dem brandneuen Porsche 911 RSR-19 von Nick Tandy exakt eine Tausendstelsekunde. Für die beiden Porsche ist Daytona der Start in die IMSA-Serie 2020, die sie im vergangenen Jahr - noch mit dem Vorgänger-911 - beherrschten. Earl Bamber und der Belgier Laurens Vanthoor setzten sich am Ende knapp vor ihren Markenkollegen Nick Tandy und Patrick Pilet (FRA) durch.

400 Millionen Dollar für die Restaurierung

Auch wenn Daytona selbst von der 58. Austragung des Rennens spricht, ging es erst ab 1966 über die Dauer von 24 Stunden. Zuvor hatte es zwei 3-Stunden-Rennen (1962/63) und zwei über jeweils 2000 Kilometer Distanz führende Austragungen (1964/65) gegeben. Die Rennstrecke war 1959 nach Baukosten von drei Millionen Dollar eröffnet worden. Als sie 2013 umfangreich restauriert wurde, verschlang dieses Unterfangen mit dem Projektnamen Daytona Rising hingegen schon 400 Millionen Dollar.

Mit dem Sieg 1966 im ersten Rennen über 24 Stunden begann die Legende des Ford GT40 Mk. II, was als Härtetest für das eigentliche Vorhaben Henry Fords II galt, beim größten Klassiker des weltweiten Motorsports, in Le Mans, den dort zu dieser Zeit nach sechs Siegen am Stück als nahezu unschlagbar geltenden Ferrari mächtig wehzutun. Die vier aufeinanderfolgenden Triumphe von Ford mündeten im November 2019 in dem eindrucksvollen Kinofilm "Le Mans 66 - Gegen jede Chance".

22-maliger Gesamtsieger Porsche

Porsches erster Sieg bei den 24 Stunden am Strand von Florida geht zurück aufs Jahr 1968. Das Auto teilten sich gleich fünf Fahrer, die alle bis zum heutigen Tag einen klingenden Namen tragen. Neben dem Briten Vic Elford wechselten sich der Schweizer Jo Siffert sowie die Deutschen Hans Herrmann, Rolf Stommelen und Jochen Neerpasch im Cockpit des Porsche 907LH ab. Daytona und der 22-malige Gesamtsieger Porsche - diese beiden Markenbegriffe des internationalen Rennsports gehören seit jener Zeit untrennbar zusammen.

Einen Livestream gibt es unter imsatv.imsa.com, die TV-Rechte in Deutschland liegen beim Bezahlsender Motorvision TV.

Stefan Bomhard