Bundesliga

Hoffenheims Jungstar im Interview - Christoph Baumgartner: "Mein Ziel ist die EM"

Hoffenheims Jungstar im Interview

Baumgartner: "Mein Ziel ist die EM"

Christoph Baumgartner

Der junge Österreicher Christoph Baumgartner kommt in Hoffenheim immer besser in Fahrt. imago images

Haben Sie das Handballduell Österreich gegen Deutschland verfolgt, Herr Baumgartner?

Ja, anfangs haben wir, also Österreich, ganz gut mitgehalten. Aber hinter raus war es schwer. Deutschland hat da schon die besseren Einzelspieler.

Sind die Verhältnisse im Fußball auch so klar?

Ich denke nicht. Wir haben ja schon häufiger gezeigt, dass wir mit Deutschland mithalten können, das letzte Duell ist sogar mit 2:1 an uns gegangen. Aber wir wissen schon, dass Deutschland insgesamt noch über uns einzuordnen ist. An einem guten Tag können wir sie jedoch schlagen.

Demnächst auch mit Christoph Baumgartner?

Zuletzt war ich bereits regelmäßig auf Abruf nominiert, demnach ist das mein Ziel.

Wie sehen Sie Ihren Status und Perspektive im Nationaldress?

Ich zähle sicherlich zu den Leistungsträgern in der U 21 insofern ist es ja logisch, was ich mir als nächsten Schritt erhoffe.

Womöglich sogar schon bis zur EM im Sommer?

Ja, und ich denke, das ist auch realistisch. Wer auf Abruf steht, muss das Ziel haben, beim nächsten Mal dabei zu sein. Das meiste hängt dabei von meinen Leistungen ab, die müssen in Hoffenheim stimmen. Wenn ich bei der TSG viel und gut spiele, wird es früher oder später so weit sein. Ob es schon für die EM reicht, ist auch von anderen Dingen abhängig. Aber die EM-Teilnahme ist das Ziel von mir - ich setze mir immer hohe Ziele. Wenn es nicht klappt, dann soll es nicht an mir gelegen haben, sondern an der Qualität der anderen Spieler.

Wie gut kennen Sie Österreichs deutschen Trainer Franco Foda? Und er Sie?

Er hat schon oft bei der U 21 zugeschaut, auch im TSG-Trainingslager im österreichischen Windischgarsten ist er vorbeigekommen. Er weiß auf jeden Fall, wer ich bin und was ich kann (grinst).

Welche Position spielen Sie in der U 21?

Im 4-2-3-1 auf der Zehn. Das ist meine Lieblingsposition. Ich spiele auch gern auf der Acht, aber im Nachwuchs war ich eigentlich immer Zehner.

"Ich muss noch ruhiger und cooler bleiben vor dem Tor"

Und wie definieren Sie dann Ihre Rolle bei der TSG links vorne im Dreierangriff?

Das kann man teils auch als linke Zehn sehen, die Positionen sind nicht statisch bei uns. Es ist auch immer davon abhängig, wie und wo sich die Kollegen im Spiel gerade bewegen. Andrej Kramaric ist zum Beispiel sehr viel in verschiedenen Räumen unterwegs, dann geht es darum, entsprechend darauf zu reagieren. So wird man als Mannschaft auch unberechenbar.

Warum hapert es bei der TSG gerade daran immer wieder, auch zuletzt gegen Frankfurt?

Wir kamen zu selten in Positionen, aus denen man gefährlich werden kann. Das hat uns auch der Trainer in der Halbzeit und in der Analyse erklärt. Dass es in den ersten 30 Minuten zu wenig von uns war, ist von außen natürlich einfach zu erkennen, und klar ist das Gefühl nicht gut auf dem Platz: Aber es ist schwer, es sofort in die richtigen Bahnen zu lenken. Spätestens nach der Halbzeit war es dann besser.

Was müssen Sie persönlich noch verbessern?

Ich komme oft in gute Abschlusssituationen, aber dann muss ich noch ruhiger und cooler bleiben vor dem Tor. Ich denke jedoch, das kommt auch mit der Zeit. Wichtig war für mich, gerade für den Kopf, dieses erste Bundesligator bei Union Berlin. Das gibt einem Selbstvertrauen. Auch in Sachen Cleverness im Zweikampf muss ich noch zulegen. Ich gehe schon nicht mehr so viel auf den Boden wie früher mit Tacklings, sondern versuche, auf den Beinen zu bleiben und mehr und mehr mit dem Körper zu arbeiten.

Vielleicht können Vogt und Bittencourt Bremen in Details Tipps geben.

Christian Baumgartner

Wie gefestigt sehen Sie Ihre Position?

Ich denke, mein Standing in der Mannschaft und im Verein hat sich im vergangenen Jahr schon sehr positiv entwickelt. Vom ersten Reinschnuppern hin zu einem Spieler, den man auch mal von Beginn an bringen kann - der seine Qualität bereits gezeigt hat und Spiele an einem guten Tag auch mit entscheiden kann. Dennoch kann ich realistisch genug einschätzen, dass ich wohl nicht alle 17 Rückrunden-Spiele von Anfang an machen werde. Klar will ich am liebsten immer starten: Aber nehmen wir an, ich komme am Sonntag in Bremen von der Bank und kann etwas Entscheidendes bewegen, dann ist mir das auch recht. Mittelfristig will ich natürlich Stammspieler werden, aber das liegt allein an mir und meinen Leistungen. Ich habe noch viel Entwicklungspotenzial, das ich weiter und weiter ausschöpfen muss.

Droht der TSG in Bremen ein Fehlstart in die Rückrunde?

Gleich zwei Spiele nacheinander zu verlieren, wäre nicht gut - aber auch für Bremen geht es um sehr viel. Wir müssen wieder so dagegenhalten wie zum Beispiel zuletzt in Berlin - und darüberhinaus auch fußballerisch unsere Qualität zeigen. Dann bin ich sicher, dass wir als Sieger vom Platz gehen.

Mit Leonardo Bittencourt und Kevin Vogt hat Werder Hoffenheimer Intimkenner, erschwert das die Sache zusätzlich?

Klar wissen sie, wie wir spielen. Aber es ist auch kein großes Geheimnis, das wir zum Beispiel gern den Ball haben wollen. Vielleicht können sie in Details Tipps geben, aber das werden nicht die entscheidenden Mosaiksteinchen sein.

Wie wichtig sind denn die anderen Österreicher Florian Grillitsch und Stefan Posch für Sie bei der TSG?

Das ist schon cool, man hat einfach ein Gefühl von Heimat um sich herum. Wir verstehen uns auch persönlich sehr gut und unternehmen viel gemeinsam. Robert Zulj ist ja jetzt leider nicht mehr da, aber so ist das im Fußball. In fünf, sechs Jahren wird die Konstellation bei uns dreien womöglich auch eine andere sein.

Dann spielen Sie aber weiter im Nationalteam zusammen?

Hoffentlich (grinst).

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