Bundesliga

VAR: Fröhlich und Stegemann offen für Gräfes Forderung - 93,4 Prozent der Interventionen richtig

844 Checks in der Hinrunde - 93,4 Prozent der Interventionen richtig

VAR: Fröhlich und Stegemann offen für Gräfes Forderung

Lutz Michael Fröhlich

Schiedsrichterboss Lutz Michael Fröhlich zeigte sich offen für Vorschläge nach mehr Transparenz beim Video-Assistenten. imago images

Insgesamt seien in den 153 Partien der Bundesliga-Hinrunde laut DFB-Statistik 844 Situationen überprüft worden. Dies entspricht 5,5 überprüften Situationen pro Partie. Dabei handelte es sich um 545 Tore, 204 (potenzielle) Strafstöße, 93 (potenzielle) Rote Karten und eine Spielerverwechslung. 583 davon waren sogenannte "Silent Checks", bei denen keine Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Video-Assistant-Referee (VAR) stattgefunden hat. Bei 200 Überprüfungen fand eine Kommunikation statt.

61-mal musste der VAR intervenieren, 57-mal folgte danach die richtige Entscheidung, was einer Quote von 93,44 Prozent entspricht. Zwei Interventionen waren zwar korrekt, führten aber zu einer falschen finalen Entscheidung. Als Beispiel nannte Fröhlich die Partie Mainz gegen Köln (3:1) am 9. Spieltag. Damals wurde Schiedsrichter Frank Willenborg in der 63. Minute von VAR Robert Schröder auf ein strafbares Handspiel des Mainzers Niakhaté im Strafraum hingewiesen, blieb aber nach dem Studium der Videobilder in der Review Area bei seiner ursprünglichen, falschen Entscheidung, das Spiel ohne Elfmeter fortzusetzen.

Bei zwei weiteren Interventionen wäre ein Eingreifen seitens des VAR nicht angebracht gewesen, letztendlich führten beide aber zu einer richtigen finalen Entscheidung. Dafür unterblieb acht Mal eine VAR-Intervention, obwohl sie nötig gewesen wäre. Fröhlichs Beispiel: Schalke gegen Union Berlin (2:1) am 13. Spieltag. In der 35. Minute war Referee Daniel Schlager auf eine Schwalbe Robert Andrichs reingefallen und hatte einen Elfmeter für Union verhängt, die nötige Intervention von VAR Deniz Aytekin blieb aus.

Schnellere Entscheidungen: Ziel ist "unter eine Minute"

Während die Zahl der falschen VAR-Eingriffe gegenüber den Saisons 2017/18 (11 in 306 Spielen, ohne kalibrierte Linien) und 2018/19 (19, mit kalibrierten Linien) deutlich sank, stieg vor allem die Dauer eines Reviewprozesses deutlich. Waren es 2017/18 im Schnitt noch 57 Sekunden und 61 in 2018/19, dauert es aktuell 79 Sekunden im Mittel. Zum Missfallen von Fröhlich und Co. "Das Ziel ist es, die Dauer wieder auf unter eine Minute zu drücken", sagte der Schiedsrichterchef.

Mehr Transparenz: Gräfes Vorschlag trifft auf Zustimmung

Schnellere Entscheidungen sollen her - und auch mit mehr Transparenz will die Schiedsrichterzunft den Zuschauern im Stadion und vor den Bildschirmen entgegenkommen und die Akzeptanz des VAR steigern. Spielszenen auf den Stadionleinwänden sind dabei ein Ziel. Voraussetzung: Die Technik müsste an allen 18 Standorten eine hohe Bildqualität gewährleisten. Zudem müsste die DFL laut Fröhlich rechtliche Fragen klären. Anders als etwa bei einer WM liegt die Stadionregie in verschiedenen Händen: in denen der Klubs und deren Dienstleistern. Der Lenkungskreis Schiedsrichter sei zusammen mit der DFL an einer zügigen Umsetzung interessiert.

Bis dahin oder zusätzlich könnten die Schiedsrichter ihre Entscheidungen via Headset oder Mikrofon auch über die Stadionlautsprecher und damit auch den TV-Zuschauern mittteilen. Diesen vom American Football inspirierten Lösungsvorschlag brachte Top-Referee Manuel Gräfe im großen kicker-Interview wieder ins Spiel: "Man sollte uns Schiedsrichtern zutrauen, dass wir das vernünftig erklären", sagte der 46-Jährige, der in der jüngsten kicker-Umfrage unter den Bundesliga-Profis wieder zum besten Unparteiischen im Oberhaus gewählt wurde.

Sein elf Jahre jüngerer Kollege Stegemann wie auch Fröhlich stehen diesem Vorstoß offen gegenüber. Aber auch hier müssten erst bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Eine einwandfreie Technik und eingeschliffen, trainierte Abläufe. "Das ist kein neuer Vorschlag, wir sehen das als Teil des künftigen Schiedsrichter-Leitbildes. Aber es muss konkreter werden, die Schiedsrichter müssen das ausreichend trainiert und praktiziert haben, bevor man es im Stadion einführt", sagte Fröhlich. Stegemann betonte, dass man sich schon jetzt mit Akteuren anderer Sportarten oder Berufszweige austausche, die in ähnlichen Situationen kommunizieren. So orientiert sich der Austausch zwischen Schiedsrichter und VAR schon länger an der Funksprache von Piloten.

2. Liga: Weniger Checks - Höhere Fehlerquote

Fröhlich präsentierte auch die ersten VAR-Statistiken der 2. Liga, seit der Einführung des Hilfsmittels im vergangenen Sommer. In den bisherigen 162 Partien des Unterhauses kam es zu 820 Checks, also weniger als in den 153 Matches der Bundesliga. Dafür gab es mehr VAR-Interventionen, nämlich 65. Der Schnitt mit 0,4 Eingriffen pro Partie ist gleich. Dafür war die Quote der richtigen Interventionen deutlich geringer. Denn nur in 52 Fällen - was 80 Prozent entspricht - war das Eingreifen des VAR korrekt. Zwei falsche Interventionen führten zu richtigen finalen Entscheidungen, in zehn Fällen erfolgte eine falsche Interventionen, ohne dass die finalen Entscheidungen falsch waren. Einmal erfolgte eine falsche Intervention, die dann auch zu einer falschen finalen Entscheidung führte. Sechsmal unterblieb das Eingreifen des VA, obwohl es nötig gewesen wäre.

Carsten Schröter-Lorenz/jer