Bundesliga

Warum Streich nicht in Schwolows Haut stecken wollte

Starkes Comeback des Freiburger Keepers am Ort der schlechten Erinnerungen

Warum Streich nicht in Schwolows Haut stecken wollte

Alexander Schwolow feierte ein klasse Comeback beim SC Freiburg.

Alexander Schwolow feierte ein klasse Comeback beim SC Freiburg. imago images

In der 20. Spielminute hatte das Unheil am 5. April 2019 seinen Lauf genommen. Schwolow leitete einen Rückpass unbedrängt direkt in die Füße von Jean-Paul Boetius weiter, der ins leere Freiburger Tor zum 1:0 einschob. Dieser Patzer war der Anfang vom Ende für die bis dato dominante Mannschaft von Trainer Christian Streich. Am Ende hieß es 5:0. Der siebte Mainzer Sieg im zehnten Bundesliga-Heimspiel gegen die Breisgauer, die in Rheinhessen lediglich drei Remis holten.

Schwolow hatte einen klasse Start

Am frühen Samstagabend war diese schwarze Serie plötzlich kein Thema mehr im SC-Lager. Auch wenn es Streich in der ersten Zeit nach dem Abpfiff "noch nicht richtig glauben konnte", er und sein Verein haben zum ersten Mal in der Liga in Mainz gewonnen. Am 2:1 hatte auch Schwolow seine Freude - und einen großen Anteil. Zum Vergleich: Innerhalb der ersten 20 Minuten entschärfte der 27-Jährige bereits die Fernschüsse von Levin Öztunali (3.) und Ridle Baku (18.). "Ich habe mich sehr gut gefühlt. Es ist natürlich gut, wenn man sich gleich mit einer Parade auszeichnen kann, dann ist man direkt drin im Spiel", freute sich Schwolow über dieses Warm-up.

Schwolow: "Eigentlich muss er das Tor machen"

In der 26. Minute folgte nämlich seine größte Tat an diesem Tag. Per Fußabwehr blieb er gegen nach einem guten Haken frei vor ihm auftauchenden Jean-Philippe Mateta Sieger. "Ich mache mich groß, und er schießt mich an. Eigentlich muss er aber das Tor machen, er kann sich die Ecke aussuchen", kommentierte Schwolow die Szene bescheiden, sah in ihr gleichwohl den Knackpunkt: "Daran sieht man, wie eng so ein Spiel ist und dass das Pendel in beide Richtungen ausschlagen kann."

"Wir waren ein Stück weit gieriger"

Weil Chang-Hoon Kwon zwei Minuten später und kurz vor der Halbzeit Nils Petersen auf der anderen Seite kaltschnäuziger waren, schlug es zugunsten des SC aus. "Wir waren ein Stück weit gieriger, auch im Mittelfeld. Da haben wir viele Zweikämpfe gewonnen und gut umgeschaltet. Das war der Schlüssel", fand Schwolow und verteilte ein Sonderlob an Amir Abrashi, der zunächst schwer in die Partie fand, sich aber vor allem nach der Pause steigerte: "Es freut mich unheimlich, dass er nach der langen Zeit, in der er nicht gespielt hat, so zurückgekommen ist und wichtige Zweikämpfe für uns gewonnen hat."

Nur die Chancenverwertung im zweiten Durchgang gefiel dem Schlussmann nicht: "Da müssen wir eigentlich das dritte und vierte Tor machen. Das war ein bisschen ärgerlich und deswegen wird es am Ende nochmal eng." Inklusive Matetas Anschlusstor nach einem "Kack-Standard", wie ihn Schwolow nannte, der sich naturgemäß als Keeper über das Gegentor ärgerte.

Mit Blick auf das Ergebnis und seine Leistung war Schwolow jedoch schnell wieder versöhnt. "Es war ein insgesamt toller Auftritt von uns. Und ich freue mich einfach sehr, dass ich nach der Verletzungspause, die sich länger hingezogen hat als erhofft, mit so einem guten Spiel starten konnte." Die Bestätigung für sein kleines Eigenlob bekam Schwolow, der vor allem in der 79. Minute noch mal stark gegen Mateta pariere, von seinem Trainer.

Schwolow erstickt Diskussion im Keim

"Das war super. Es war eine total schwierige Situation für ihn, weil er in den letzten Jahren sehr gut gespielt hatte. Dann ist Mark Flekken reingekommen, als er verletzt war, und hat auch super gespielt. Wir haben zwei super Torhüter", erklärte Streich: "Jetzt war es echt viel Druck für Schwolli. Letztes Jahr hat er in Mainz leider den Fehler gemacht, als wir sehr gut gespielt hatten. Er hat ein klasse Spiel gemacht. Ich freu mich total für ihn. Ich hätte nicht in seiner Haut stecken wollen, das hat er super gelöst." Und damit zunächst eine mögliche Diskussion über die Frage im Keim erstickt, ob nicht doch Flekken weiter im Tor hätte bleiben sollen.

Carsten Schröter-Lorenz

Bilder zur Partie 1. FSV Mainz 05 - SC Freiburg