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Klopp: "Die Fans dürfen singen, was sie wollen - außer ..."

Liverpool-Trainer schwärmt - und scherzt über "deutschen Trainer"

Klopp: "Die Fans dürfen singen, was sie wollen - außer ..."

Jürgen Klopp hörte genau, was die Fans nach dem 2:0 gegen ManUnited sangen - stimmte aber nicht mit ein.

Jürgen Klopp hörte genau, was die Fans nach dem 2:0 gegen ManUnited sangen - stimmte aber nicht mit ein. imago images

Mohamed Salah stand da, mit nacktem Oberkörper an der gegnerischen Eckfahne, und wartete auf seine Mitspieler. Der erste kam angerutscht, es war Torwart Alisson, der den weitesten Weg zurückzulegen hatte und trotzdem als erster Gratulant eintraf. Was für ein Schlussbild!

Gerade hatte Salah auf Vorlage von Alisson in der 93. Minute zum 2:0-Endstand gegen Manchester United getroffen, Sekunden später war Schluss, und Anfield versank in "We're going to win the league!"-Gesängen ("Wir werden Meister"). "Die Atmosphäre", staunte Jürgen Klopp später im englischen TV, ohne ein Verb zu benutzen: "Herausragend. Herausragend."

"Wenn sie die Situation nicht genießen würden, würde etwas komplett falsch laufen"

Was aber nicht bedeutete, dass der Trainer teilte, was die vor Wochen noch zurückhaltenden Fans da laut wie nie sangen. Wo sie 16 Punkte Vorsprung (bei einem Spiel weniger), 64 von 66 möglichen Punkten und 19 Heimsiege in Serie sehen, sieht Klopp 16 noch ausstehende Spiele. "Sie dürfen singen, was immer sie wollen - außer meinen Namen, solange das Spiel noch läuft", so Klopp. "Wenn sie die Situation nicht genießen würden, würde etwas komplett falsch laufen. Aber wir müssen die Arbeit machen."

Klar: Schon am Donnerstag spielt Liverpool in Wolverhampton, und rein rechnerisch ist seit diesem Wochenende Schlusslicht Norwich das einzige Premier-League-Team, das nicht mehr Meister werden kann. Doch wenn schon die sachliche BBC in ihrem Ticker die Fangesänge mit einem flapsigen "Yep" kommentiert, steht wohl endgültig fest: Diese Saison kann wohl nicht einmal Liverpool Liverpool noch aufhalten.

Klopp schwärmt vom "größten Herz, das ich je gesehen habe"

Die Leistung am Sonntag gab ebenfalls nicht den kleinsten Hinweis auf einen baldigen Einbruch. Klopp sah "sensationellen Fußball" und "mit Sicherheit eines der besten Derbys, das wir bis jetzt gespielt haben"; er schwärmte vom "unglaublichen Charakter" und der "unglaublichen Einstellung" seiner Elf, von "so viel Leidenschaft" und dem "größten Herz, das ich je gesehen habe".

Wie 1:0-Torschütze Virgil van Dijk die Abwehr zusammenhielt, als ManUnited in der letzten halben Stunde auf den Ausgleich drängte; wie Salah vor dem 2:0 das Sprintduell gegen James gewann, als wäre es die dritte und nicht die 93. Minute; wie er David de Gea eiskalt tunnelte, als hätte er sich nicht zu Beginn der zweiten Hälfte einen kapitalen Fehlschuss geleistet; und wie Alisson Salah dieses Tor aufgelegt hatte, anstatt auf Zeit zu spielen, und dann über den ganzen Platz sprintete: Diese Liverpooler sind von hinten bis vorne meisterwürdig, sie lassen einfach nicht nach.

Die Sache mit dem "deutschen Trainer", der Tickets wollte

Und allerspätestens wenn sie Meister sind, werden auch sie vom Titel sprechen. Bis dahin überlassen sie es ihren Fans, die Anfield am Sonntag so sehr beben ließen, dass Klopp persönliche Probleme befürchtet: "Ein deutscher Trainer hat mich vor zwei Tagen angerufen und nach Tickets für sich und seinen Sohn gefragt, weil beim Organisieren der Tickets zuvor etwas nicht funktioniert hatte", sagte Klopp, ohne einen Namen zu nennen. "Heute Abend waren sie da, und ich bin 100-prozentig sicher, dass sie jetzt öfter anrufen werden. Aber" - er lächelte direkt in die Kamera - "ich kann euch jetzt schon sagen: Sorry, keine Chance."

jpe