Bundesliga

Chandler sorgt für Staunen: "Ist das Ronaldo oder Timmy?"

Torschütze Chandler sorgt für Staunen in Frankfurt

"Ich wusste nicht, ob das Ronaldo ist oder Timmy"

Timothy Chandler (l.) mit Goncalo Paciencia

Matchwinner: Timothy Chandler (l.) mit Goncalo Paciencia. imago images

Die Umstellung auf Viererkette kam nach den Eindrücken aus der kurzen Winter-Vorbereitung nicht überraschend. Offen war bloß, ob Adi Hütter auf ein flaches 4-4-2 oder ein 4-2-3-1 setzt. Der Coach entschied sich für letztere Variante, um die Wirkungskreise von Hoffenheims Aufbauspieler Florian Grillitsch einzuschränken. "Grillitsch macht das Spiel von hinten wie ein Quarterback, hat Ideen und Lösungen. Wenn du im 4-4-2 spielst und eine der Spitzen nicht so mitmacht, ist dieser Spieler immer frei", erläutert Hütter.

Der laufstarke Gacinovic überzeugte im Spiel gegen den Ball, spielte aber auch mehrfach gut getimte Pässe in die Schnittstellen und trat als Vorbereiter des 1:0 in Erscheinung. Ankreiden lassen muss er sich lediglich, dass er die Großchance zum 2:0 verdaddelte, als er halblinks vor dem Tor auftauchte und mit einem ungenauen Pass den mitgelaufenen Bas Dost verpasste (27.).

"Vielleicht hat er im Schuh Federn eingebaut"

Bestätigt fühlen durfte sich Hütter auch in seiner Entscheidung, die rechte Seite mit Almamy Toure und Chandler besetzt zu haben. Letzterer eroberte mit einem starken Tackling gegen Benjamin Hübner vor dem 1:0 den Ball, Toure schickte Sekunden später den in den freien Raum sprintenden Gacinovic, der in der Mitte Dost bediente.

Das 2:1 erzielte Chandler schließlich selbst: Nach einer langen Flanke von Filip Kostic in Richtung des zweiten Pfostens stieg der gelernte Rechtsverteidiger hoch in die Luft und köpfte den Ball zum frenetisch umjubelten Siegtreffer ins Netz. "Ich habe nicht gewusst, dass er so hoch springen kann, vielleicht hat er im Schuh Federn eingebaut", bemerkte Hütter schmunzelnd. Gacinovic meinte gar: "Ich wusste nicht, ob das Cristiano Ronaldo ist oder Timmy. Was war das für ein Sprung!?"

Holt Bobic noch einen anderen Flügelstürmer?

Es war Chandlers erstes Tor seit dem 19. Februar 2018, als er beim 2:1 gegen Leipzig getroffen hatte. "Ich bin einfach hochgesprungen, der Ball fiel mir gut auf den Kopf und ging dann hinten rein", schildert er die entscheidende Szene selbst ausgesprochen nüchtern.

Spannend bleibt die Frage, ob sich Chandler auf dem offensiven rechten Flügel festspielen kann. Das kolportierte Interesse an Dortmunds Jacob Bruun Larsen hat Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic am Samstag bei "Sky" entschieden zurückgewiesen. Holt er stattdessen noch einen anderen Flügelstürmer? Oder vertrauen die Verantwortlichen auf das vorhandene Personal?

Da Costa? "Danny ist überhaupt nicht weit weg"

Chandler konnte sich jedenfalls nicht nur wegen seines Tores für weitere Einsätze empfehlen. Am kommenden Samstag wird es gegen Leipzig wieder Räume geben, da könnte der frühere US-Nationalspieler mit seinem Tempo und seiner Dynamik erneut der richtige Mann sein. "Der Trainer hat gesagt, du bist gerade gut drauf, spiel so, wie du es auch im Training zeigst. Ich habe versucht, viele Laufwege zu machen und die Bahn auch mal für Almamy freizumachen", berichtet Chandler.

Den Konkurrenzkampf mit Danny da Costa hat er vorerst für sich entschieden. "Danny hätte es genauso verdient gehabt zu spielen. Er hat eine gute Vorbereitung gemacht und war sehr griffig. Timmy hat ein bisschen das Näschen vorne, aber Danny ist überhaupt nicht weit weg", erklärt Hütter. "Wir haben so viele Spiele, da ist es sehr wichtig, dass man mehrere Spieler auf einer Position hat."

Julian Franzke

Bilder zur Partie TSG Hoffenheim - Eintracht Frankfurt