2. Bundesliga

Zuber aus der Kiste: "Volles Vertrauen der Geschäftsführung"

Kommentar von kicker-Redakteur Michael Richter

Zuber aus der Kiste: "Volles Vertrauen der Geschäftsführung"

Jan Schlaudraff und Gerhard Zuber

Gerhard Zuber (r.) übernimmt den Posten des Sportdirektors bei Hannover 96 von Jan Schlaudraff (l.). imago images

Der eine dachte an einen verfrühten Aprilscherz, der andere vermutete, die Homepage des Klubs könnte von böswilligen Hackern missbraucht worden sein. Schließlich scheint nichts unmöglich in diesen Tagen in Hannover.

Aber nein. Dass nichts unmöglich ist, beweist der Zweitligist mit dem nun vollzogenen Personalwechsel selbst. Ausgerechnet Gerhard Zuber soll es richten. Die einstige rechte Hand jenes Ex-Managers Horst Heldt, den Profi-Boss Martin Kind als Schlüsselfigur des sportlichen und wirtschaftlichen Niedergangs der vergangenen Jahre identifiziert haben will und dies gerade erst wieder öffentlich kundtat. Dieser Zuber, unweigerlich auch eine Figur des steten Abschwungs, soll nun in einer angespannten Situation rund um den Kader wieder die entscheidenden Hebel bei den Niedersachsen bedienen. Hebel, von denen er mehr als ein halbes Jahr lang konsequent fern gehalten wurde. Als kalt gestellter Mitarbeiter hatte er zuletzt weder Zugang zu bestimmten Räumlichkeiten, noch zum vereinseigenen Computernetzwerk. Interne Prozesse, Entscheidungen oder vertrauliche Gespräche liefen komplett an ihm vorbei.

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Jetzt holt Hannover 96 diesen Zuber buchstäblich aus der Kiste. Das ist für einen Außenstehenden schwer zu verstehen. Was nichts mit den Qualitäten des neuen "starken Mannes" zu tun hat, sondern mit der Vorgeschichte dieses Schrittes, die erst an diesem Mittwoch einen weiteren unschönen Höhepunkt erlebt hatte - vor dem Arbeitsgericht Hannover, wo Zuber bescheinigt wurde, einen sogar unbefristeten Arbeitsvertrag zu besitzen. Einen Vertrag, aus dem Kind den 44-Jährigen dem Vernehmen nach lieber heute als morgen entbunden hätte. Jedenfalls bis zum Donnerstag, als man Zuber tatsächlich das "volle Vertrauen der Geschäftsführung" aussprach.

Die Botschaft dieses Vorgangs jedoch: Echtes, tiefes Vertrauen gibt es in Hannover für sportliche Entscheidungsträger nicht. Das spürte nun der erst im vorigen Sommer mit viel Vorschusslorbeeren ins Amt eingeführte Sportdirektor Jan Schlaudraff genau so, wie seine zahlreichen Vorgänger. Eiskalt und pragmatisch setzt die Geschäftsführung stattdessen nun auf die intern sofort verfügbare, Geld sparende Lösung für die nächste Zäsur. Ungeachtet der Tragweite und der öffentlichen Wahrnehmung, in der 96 seit geraumer Zeit so ziemlich alles dafür tut, um sich wenigstens um fragwürdige Titel wie "Lachnummer" oder "Skandalnudel" im deutschen Profifußball aussichtsreich zu bewerben.

Und Zuber? Der spielt das Spiel mit. Muss er ja auch. Kraft seines Vertrages hat er schließlich seine Arbeit beim Klub abzuliefern. Wie das funktioniert und wie wohl er sich in seiner Haut fühlt, darüber darf trefflich spekuliert werden. Und auch darüber, wie sehr er sich (arbeits-)moralisch nun mit vollem Engagement den ihm wieder anvertrauten Aufgaben widmen kann.

Michael Richter