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Neue Stiftung für eSportler in Deutschland

Mit zwei Millionen Euro Jahresbudget

Neue Stiftung für eSportler in Deutschland

Die esports player foundation will deutsche Profi-Zocker auf ihrem Karriereweg fördern.

Die esports player foundation will deutsche Profi-Zocker auf ihrem Karriereweg fördern. esports player foundation

Wenn man eSportler wird, sind damit gewissen Risiken verbunden. Häufig ist die Karriere kurz, die Bildung wird vernachlässigt und der Körper durch das lange Sitzen und Zocken nachhaltig geschädigt. Außerdem ist nicht garantiert, dass überhaupt genug Geld reinkommt, um das eigene Leben zu finanzieren. Ähnlich geht es auch traditionellen Athleten. Für sie gibt es deswegen Förderungen wie die Deutsche Sporthilfe. eSportler haben so etwas noch nicht - zumindest bis jetzt.

Die neue esports player foundation (epf) soll an dieser Stelle ansetzen. Mit Unterstützung von der Landesregierung NRW, die 200.000 Euro aus dem in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen angesiedelten Etat zur Förderung der Medienwirtschaft in Nordrhein-Westfalen beisteuert und dem game Verband, gründete Jörg Adami die Stiftung. Auch der eSport-Bund Deutschland (ESBD), die ESL, Riot Games und Electronic Arts befürworten das Projekt. Adami saß seinerseits zehn Jahre im Vorstand der Deutschen Sporthilfe, nun wendet er sich in Richtung eSport. Nicht ohne Grund: "Die grundsätzliche Idee der Sporthilfe ist es, über Vorbilder positiv in die Gesellschaft zu wirken. Unserer Meinung nach erfüllt der olympische Sport diese Rolle nur noch teilweise. Unsere "junge" Generation hat andere Helden und Vorbilder an denen sie sich orientiert. Diese Vorbilder gehören unterstützt."

Mehr als nur Geld

Die Förderung wird auf unterschiedlichen Wegen erfolgen - zum Beispiel finanziell, in Form von Stipendien oder Reisekosten-Zuschüssen. Des Weiteren will die epf bei Themen wie physischer und mentaler Fitness, Ernährung, Medienumgang, Finanz- sowie Karriereplanung beratend zur Seite stehen. Dabei geht es unter anderem um eine duale Karriere. Den Spielern soll gezeigt werden, wie sie ihre Passion mit Schule, Studium oder Beruf verbinden können, um eine Perspektive für die Zeit nach der eSport-Karriere zu schaffen. Weitere Fördermöglichkeiten umfassen Networking-Events mit Profis aus anderen Bereichen, wie dem Sport, Literatur oder Musik, und Elternaufklärung. Wie uns Adami verriet, hat die Stiftung für diese Maßnahmen ein Förderbudget von etwa zwei Millionen Euro im Jahr.

100 eSportler gesucht

Bevor ein eSportler in den Genuss dieser Unterstützung kommt, muss er von der esports players foundation aufgenommen werden. Bei der Auswahl durch ein Experten-Gremium zählt primär die Leistung, aber auch Werte wie Fairplay und Respekt spielen eine Rolle. Die Stiftung unterscheidet dabei drei Kategorien: Junge Talente mit hohem Potenzial, Spieler, die ein bis zwei Jahre vor dem Sprung in die Weltspitze stehen, und Stars, die bereits auf Weltniveau spielen. Laut Adami seien zu Beginn zwar nicht genug finanzielle Mittel vorhanden, um alle förderungswürdigen Athleten zu unterstützen. "Es ist aber unser Ziel, so schnell wie möglich an diesen Punkt zu kommen." Insgesamt wird die Stiftung im ersten Jahr etwa 100 Spieler aufnehmen, 2021 auf 250 aufstocken und 2022 auf 400. Wer wie gefördert wird, ermittelt die epf bei jedem eSporter individuell.

Ziel der esports player foundation, die nicht gewinnorientiert handelt, ist es, eSportler zu unterstützen und Vorbilder zu schaffen. Die von ihnen geförderten Spieler sollen Werte wie Disziplin, Respekt sowie einen gesunden Lebensstil vorleben und damit die gesamte eSport-Community beeinflussen.

Christian Mittweg