Eishockey

Stützle auf den Spuren von Draisaitl

NHL-Draft 2020 könnte aus deutscher Sicht historisch werden

Stützle auf den Spuren von Draisaitl

Tim Stützle

Wird im NHL-Draft 2020 wohl sehr weit vorne ausgewählt: Mannheims Tim Stützle. imago images

Stützle gilt schon seit längerer Zeit als sicherer Kandidat dafür, wie Leon Draisaitl (Position drei 2014) und zuletzt Moritz Seider, den die Detroit Red Wings im Sommer 2019 an sechster Stelle ausgewählt hatten, zu den ersten zehn ausgewählten Spielern beim Draft 2020 Ende Juni in Montreal zu gehören. Zuletzt allerdings kommentierten die nordamerikanischen Experten sein Potenzial besonders überschwänglich. Kurz vor seinem 18. Geburtstag am morgigen Mittwoch wurde der Stürmer im offiziellen Ranking des Central Scouting Bureaus der NHL an Nummer eins des internationalen Rankings gelistet. Und damit noch vor den beiden Schweden Lucas Raymond und Alexander Holtz oder dem Finnen Anton Lundell, die bislang in den meisten Rankings noch vor ihm gelegen waren.

Seiders großes Lob: "Er wird ein phänomenaler Superstar"

Seider lobt seinen knapp ein Jahr jüngeren Teamkollegen ohnehin in den höchsten Tönen: "Er weiß, woher er kommt und wohin er will. Er ist ein kluger Junge, er wird ein phänomenaler Superstar", sagte der Verteidiger dem Internet-Portal "The Athletic". Stützle werde auch in Nordamerika schnell lernen, er bringe einfach alles mit. "Er ist schon jetzt ein großartiger Spieler."

Dies blieb natürlich auch den Scouts nicht verborgen, die Stützle schon vor seinem ersten DEL-Spiel hoch eingeschätzt hatten - wenn auch nicht so, wie dies mittlerweile der Fall ist. Nun ist eine Prognose zur Mitte der Saison keine Garantie, zumal in dem offiziellen Ranking zwischen den besten Nachwuchsspielern in Nordamerika und dem Rest der Welt unterschieden wird. So gelten die beiden Kanadier Alexis Lafreniere und Quinton Byfield bis dato insgesamt auch als die heißesten Kandidaten auf die ersten beiden Positionen.

"Bin ein anderer Typ" - Stützle und der Vergleich mit Draisaitl

Doch Stützle übertrifft zumindest für den Moment sogar Deutschlands neuen Eishockey-Superstar Leon Draisaitl (Edmonton Oilers), der in seinem Jahrgang zum gleichen Zeitpunkt auf Platz zwei der Nordamerika-Liste stand. Draisaitl wurde im Sommer 2014 von den Oilers schließlich an dritter Stelle ausgewählt; eine Position, die auch für Stützle nicht unrealistisch erscheint. Sollte er seine bisherigen Saisonleistungen bestätigen oder sogar noch weiter steigern, ist es sogar nicht ausgeschlossen, dass Stützle noch an Byfield vorbeizieht und damit als erster Deutscher als Nummer zwei im Draft ausgewählt würde. Nur die erste Position erscheint nach der herausragenden U-20-WM von Lafreniere, der neben dem WM-Titel mit Kanada auch zum MVP des Turniers gewählt worden war, unrealistisch.

Die Vergleiche mit Draisaitl drängen sich auch auf anderer Ebene auf. "Es ist es eine Riesenehre, aber ich bin ein anderer Typ als Leon. Ich versuche einfach mein Ding zu machen, meinen Weg zu gehen", sagt der gebürtige Viersener Stützle jedoch bescheiden und dämpft zudem die Euphorie um seine Person ein wenig: "Ich will natürlich so hoch wie möglich gedraftet werden. Aber man muss den Ball flach halten, die Saison ist noch lang."

Auch Peterkas und Reichels Aktien steigen

Neben Stützles stiegen zuletzt auch die Draft-Aktien des Münchners John-Jason Peterka sowie des Berliners Lukas Reichel. Beide sind unter immer mehr Experten ebenfalls Kandidaten für die erste Draftrunde der 31 NHL-Teams, so zum Beispiel im jüngsten Ranking der kanadischen "The Hockey News", die Peterka sogar auf Position 19 listete und Reichel auf 29. Drei First-Round-Picks aus Deutschland gab es bislang noch nie. "Die jungen Spieler in der DEL machen alle einen guten Job", meint Stützle. Er aber sticht dennoch noch einmal besonders heraus.

jom/sid