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Kommentar von Jörg Wolfrum: Mit Setien hat Bartomeu den Wahlkampf eröffnet

Ein Kommentar von Jörg Wolfrum

Mit Setien hat Bartomeu den Wahlkampf eröffnet

In Pose gesetzt: Präsident Josep Bartomeu und Sportdirektor Eric Abidal mit Barcelonas neuem Coach Quique Setien.

In Pose gesetzt: Präsident Josep Bartomeu und Sportdirektor Eric Abidal mit Barcelonas neuem Coach Quique Setien. Getty Images

Nun also Quique Setien. Ein international eher unbekannter Trainer, damit hat Barça schon 2013 überrascht, als der Argentinier Tata Martino inthronisiert wurde. Der hatte als Nationaltrainer Paraguays für Aufsehen gesorgt, Setien hat mit seiner Arbeit einst bei Racing Santander und später bei UD Las Palmas überrascht. Unter seiner Anleitung blühte 2016/17 Kevin-Prince Boateng dermaßen auf, dass in der Folge Eintracht Frankfurt zugriff. Und Pokalsieger wurde. Setien hat dank seines offensiven Spielstils viele Freunde. Zugleich aber ist der Mann aus Kantabrien ein Tiki-Taka-Dogmatiker, der lieber mit fliegenden Fahnen verliert als sich à la Diego Simeone und Atletico Madrid zu einem 1:0 zu mauern.

Findet Setien die Balance?

Das passt einerseits zur Philosophie des FC Barcelona. Andererseits: Wenn etwas in den zweieinhalb Jahren unter dem nun entlassenen Ernesto Valverde nicht funktionierte, und nicht nur in der Champions League, dann war es die Defensive. In der Liga im Vorjahr setzte es sogar mehr Gegentore als für Getafe, übrigens auch in der laufenden Saison. Und mehr als für Real, Atletico, Bilbao und Sevilla. Und so viele wie auch Valladolid fing. Trotz eines Weltklassetorhüters wie Marc-André ter Stegen. Man darf gespannt sein, wie Setien da die Balance finden wird. Gerade vor dem Hintergrund seiner ureigenen offensiven Ausrichtung.

Bei Betis wollten sie ihn nach der Saison 2018/19 nicht mehr. Auch die Fans nicht. Viele leere Plätze im Stadion, was etwas heißen will bei den heißblütigen Anhängern in Sevilla. Zu groß die Enttäuschung über das Verpassen des Pokalfinales im heimischen Stadion Benito Villamarin. Man wollte bei Betis einfach mal wieder gewinnen. Auch die knappen Spiele. Auch wenn man da seither ohne Setien nicht vorangekommen ist.

Nicht vorangekommen ist auch Präsident Josep Bartomeu. Agiert hat er auf die vermeintlich beleidigte Art. Seine Zeit endet 2021. Dann darf er nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Mit der langfristigen Verpflichtung des neuen Trainers über seine eigene Vertragszeit hinaus hat der Barça-Boss praktisch den Wahlkampf eröffnet. Was nach 2021 passiert, damit kann sich dann ein Nachfolger herumschlagen.

Xavi bleibt Thema - genauso wie Guardiola

Erst vor Tagen hatten Barça und damit Bartomeu Ex-Spieler Xavi kontaktiert. Der ist als Trainer noch in Katar gebunden. Vor allem aber ist der 39-Jährige im Boot bei Barças Präsidentschaftskandidat Victor Font. Der will 2021 Bartomeu ablösen und hat, das soll ihm Stimmen bringen, Xavi angekündigt. Als Trainer. Der hat sich in Interviews mehrfach pro Font geäußert. Und Xavi wiederum kommt ein weiteres Lehrjahr fern der Heimat vermutlich nicht ungelegen. Zumal er sich damit aus dem aktuellen Gerangel und der sportlichen Baisse heraushalten kann.

Und in einem Jahr vielleicht sogar mit Pep Guardiola im Verbund zurückkehren könnte, auch wenn der schon neue Spieler für ManCity im Blick haben soll. Oder auch als kommender Nationaltrainer Katars gehandelt wird. Denn dass auch Pep im Zuge der Font-Xavi-Kandidatur den Weg nach Barcelona findet: das ist nicht auszuschließen. Schließlich will Font ein Barça formen aus alten Legenden.

Für Setien muss das Geschacher kein Nachteil sein: Er darf den von ihm bewunderten Lionel Messi trainieren. Und er hat die große Chance, für die Katalanen den ersehnten Champions-League-Titel zu holen. Die Fallhöhe ist für den weithin Unbekannten, der zuletzt vereinslos war, weit weniger hoch als für einen Xavi oder gar Guardiola.

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