Bundesliga

Ohne Bargfrede: Kohfeldts kompliziertes Puzzle

Bremen: Der Abräumer verpasst mindestens zwei Spiele

Ohne Bargfrede: Kohfeldts kompliziertes Puzzle

Philipp Bargfrede fehlt Werder Bremen mindestens in den ersten beiden Rückrundenpartien.

Philipp Bargfrede fehlt Werder Bremen mindestens in den ersten beiden Rückrundenpartien. imago images

Der nächste Beleg folgte auf dem Fuß. Seit dem Test gegen Monza (2:2) vor gut einer Woche muss Bargfrede pausieren. Inzwischen ist klar: Wegen einer Wadenblessur verpasst der 30-Jährige mindestens die ersten beiden Rückrundenpartien in Düsseldorf und gegen Hoffenheim. Damit muss Trainer Florian Kohfeldt seine Pläne auf der Sechser-Position ändern. Aber wie?

Die Tücken für Kohfeldt

In der engeren Auswahl dürften wohl drei Varianten stehen, den Bargfrede-Ausfall zu kompensieren. Jede einzelne davon hat aber auch ihre Tücken. Der kicker analysiert die verschiedenen Modelle.

Variante 1: Neuzugang Kevin Vogt bekleidet die Sechserposition. Dass der 28-jährige nominelle Innenverteidiger auch dazu in der Lage ist, hat Kohfeldt sofort nach der Verpflichtung ausdrücklich betont. Das Problem: Werder müsste dann fast zwangsläufig mit einer Viererkette auflaufen. Das 4-3-3 bezeichnet Kohfeldt zwar weiterhin als "Basis-System", doch wegen der Verletzungen von Theo Gebre Selassie und Michael Lang fehlt ihm hinten rechts eine etatmäßige Alternative. Ob Defensiv-Allrounder Christian Groß oder die sehr offensiv orientierte Lösung mit Leo Bittencourt - beides hätte nach bisherigen Erkenntnissen stark experimentellen Charakter. Marco Friedl wird weiterhin links gebraucht, es sei denn, Ludwig Augustinsson würde einen überraschenden Kaltstart in der Anfangself hinlegen. Und Maxi Eggestein, beim 0:1 in Köln als Rechtsverteidiger aufgeboten, ist nach ansprechender Vorbereitung im Mittelfeld definitiv zu wertvoll.

Variante 2: Maxi Eggestein übernimmt die Sechser-Position vor einer Dreier-Abwehrkette (mit Vogt als Mittelmann). Der 23-Jährige wäre auf dem Posten dank Lauf-, Spiel- und Zweikampfstärke eine Toplösung. Auf der rechten Bahn wäre dann auch Leo Bittencourt sehr gut aufgehoben. Die Frage bliebe: Wer ersetzt Maxi Eggestein auf dessen Halbposition im Mittelfeld? Johannes Eggestein und Yuya Osako hießen die Kandidaten. Beide haben sich zwar nicht aufgedrängt, bilden aber zumindest auf dem Papier solide Alternativen. Ebenfalls denkbar: Bittencourt übernimmt Maxi Eggesteins Halbposition, dafür bekommt der aufstrebende Benni Goller das Vertrauen als rechter Außenspieler.

Variante 3: Nuri Sahin übernimmt das Kommando vor der Abwehr. Auf den ersten Blick naheliegend, doch unter verschiedenen Aspekten zweifelhaft. Mit Sahin und Vogt hätte Werder dann zwei Akteure auf dem Feld, die das Spiel gerne zentral aus der Tiefe aufbauen - eher zu viel des Guten. Zudem bleibt schwer einzuschätzen, wie groß Kohfeldts sportliches Zutrauen zum Ex-Dortmunder aktuell wirklich ist. Der Coach lobt den Routinier zwar gewohnheitsmäßig, auch zuletzt für Sahins "physische Akzente" in der Vorbereitung. Und die frühe Auswechslung beim 0:5 gegen Mainz sowie die folgende Reservistenrolle in Köln (0:1) lassen gewiss keine Schlussfolgerungen für die Ewigkeit zu. Aber: Dass Sahin schon zuvor gegen Wolfsburg (3:2) und Paderborn (0:1) seinen angestammten Platz hatte räumen müssen, spricht sehr wohl für eine grundsätzliche Skepsis.

Fieberhafte Anspannung

Dass Einzelschicksale im Abstiegskampf nicht mehr interessieren, hat Kohfeldt hinreichend und zu Recht herausgestellt. Kohfeldts Aufstellung im höchst brisanten Auftaktspiel bei Fortuna Düsseldorf am Samstag dürfte so mancher seiner Profis dennoch auch persönlich maximal gespannt entgegenfiebern.

Thiemo Müller

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