2. Bundesliga

Die Formel fürs Sturmgedränge beim Club: Fünf Mann, zwei Plätze

5:2 gegen Bayern lässt FCN mit Zuversicht ins Trainingslager reisen

Die Formel fürs Sturmgedränge beim Club: Fünf Mann, zwei Plätze

Nürnbergs Angreifer Mikael Ishak (#9) feiert sein 2:1

Sie strahlten am Samstag um die Wette: Nürnbergs Angreifer um Mikael Ishak (#9). imago images

Um mit Ersterem zu beginnen: Gegen den übermächtigen bayerischen Rivalen hat die Mannschaft bewiesen, dass sie Potenzial hat. Unabhängig davon, dass der Branchenriese in Nürnberg in der ersten Hälfte mit einer Formation aufschlug, die kurz vorher erst aus dem Flieger aus Katar kletterte, also ein Trainingslager und eine gewaltige Klima-Umstellung in den Beinen stecken hatte. Und dass die Münchner nach der Pause mit einer marginal verstärkten Jugendelf wenn überhaupt ihre C-Elf aufs Feld schickten, war beileibe kein Problem des FCN. Er nutzte es nur aus, und dies nicht mal gnadenlos, sonst wäre das Ergebnis der zweiten Hälfte gar noch höher ausgefallen als 4:1. "Du musst auch erst mal vier Tore schießen", meinte der Nürnberger Trainer, dessen Zufriedenheit aber auch deswegen so groß war, weil seine Mannschaft in der ersten Hälfte der derzeitigen ersten Formation der verletzungsbeutelten Münchner ein 1:1 abtrotzte. "Wir haben da gut verteidigt, es im Spiel gegen den Ball gerade als Mannschaft gut gemacht. Wir sind auch nicht zurückgewichen und haben so gut wie nichts zugelassen", lobte Jens Keller. Nun ja, dieses "so gut wie nichts" gilt es zu relativieren, hätten die Bayern bei ihren Angriffen am Ende oftmals nicht eine Schleife zu viel gedreht, wären sie mit drei bis vier Treffern in die Kabine gegangen.

Doch dass gerade im Fußball der Konjunktiv ein Muster ohne jeden Wert ist, wissen die Nürnberger ja aus eigener schmerzvoller Erfahrung: Hätte die Mannschaft im ersten Halbjahr ihr Potenzial abgerufen, würde sie sich nun definitiv in keiner so prekären Situation befinden.

"Wir wissen das Ganze sehr wohl einzuschätzen"

Im Sommer gab es übrigens gegen das Starensemble von PSG ebenfalls einen Achtungserfolg. Nach dem überzeugenden 1:1 schien der Zweitliga-Himmel für den Absteiger voller Geigen zu hängen, die dann im Liga-Alltag aber zu Blechtröten wurden. So gesehen ist das jetzige Lob für das 5:2 schon ein wenig aus der Abteilung "Vorsicht, heiß und fettig", auch wenn Keller das seinige schnell einschränkte: "Wir wissen das Ganze sehr wohl einzuschätzen. Gut fürs Selbstvertrauen war es dennoch."

Womit wir zur zweiten Erkenntnis kommen: Dass sich der FCN einen für Zweitliga-Verhältnisse üppigen Kader gönnt, ist noch ein alter Hut. Dass er damit aber momentan in der Breite sogar deutlich besser aufgestellt ist als der amtierende Deutsche Double-Sieger, ist hingegen sehr wohl neu. Ein aktueller Umstand, der zugegebenermaßen wohl eher die Bayern beunruhigen statt beim FCN für Jubelstürme sorgen wird. Der Club-Trainer bot für jede Hälfte jeweils eine Formation auf, in der er zwar selbstredend nicht positionsbezogen durchwürfelte, aber was die bisherigen Einsatzzeiten anbelangte: Bislang Gesetzte spielten neben bislang kaum, bis wenig Berücksichtigten.

Sie haben sich alle gut bewegt, Räume geöffnet, Bälle gehalten und den Gegner gut gestört.

Jens Keller

Die doppelte, nahezu gleichwerte Besetzung jeder Position ist für die Rest-Rückrunde also kein Problem. Es droht vielmehr hier und da eine Überbesetzung, was wiederum für Gedränge auf dem Trainingsplatz und Frust in der Kabine sorgen könnte. Siehe den Sturm: In der ersten Hälfte gegen die Bayern bot Keller die Angriffsreihe Nikola Dovedan und Michael Frey auf, in der zweiten Mikael Ishak und den Kreuzband-Rekonvaleszenten Adam Zrelak, den sieben Minuten vor Schluss Youngster Paul Besong ersetzte. Keller war von allen angetan, und dies nicht nur, weil Frey, Ishak und Zrelak trafen. "Sie haben sich alle gut bewegt, Räume geöffnet, Bälle gehalten und den Gegner gut gestört", so Keller. Der Haken: Fünf sind viel, sehr viel in Anbetracht, dass nur zwei spielen werden, manchmal gar nur einer.

Will heißen: Der um eine Kaderreduzierung bemühte Sportvorstand Robert Palikuca müsste hier gleich den Rotstift ansetzen. Ishak, der am Samstag an die Spritzigkeit und Gefährlichkeit seiner starken Zeiten erinnerte, hat schon seinen Willen nach einer Luftveränderung beim Sportvorstand hinterlegt. Allerdings ohne bisher ganz konkret zu werden, nachdem er vor der Winterpause den interessierten Paderbornern eine Absage erteilt hatte. Wenn der FCN am Montag in Richtung Trainingslager nach Spanien abhebt, wird der Aufstiegsheld der Saison 2017/18 mit an Bord sein. Nicht so Alexander Fuchs, der kurz vor einem Wechsel steht.

Petrak hat Dresdens Angebot ausgeschlagen

So wird der Club-Tross in Marbella aus vier Torhütern und 22 Feldspielern bestehen, zu denen auch aus der U 21 das Offensivtalent Lukas Schleimer zählt. Entgegen ersten Verlautbarungen werden die verletzten Enrico Valentini (Innenbandanriss im Knie), Iuri Medeiros (Sehnenentzündung) und Ondrej Petrak (Entzündung der Patellasehne) nun doch nicht mitreisen. Letzterer hat übrigens eine Offerte Dresdens ausgeschlagen. Dass sich die Sachsen dennoch weiterhin um den Defensivallrounder bemühen, wie es aus Club-Kreisen heißt, wollen die Sachsen nicht bestätigen.

Ins Trainingslager nachreisen wird indes Konstantinos Mavropanos. Wie "Bild" berichtete, wird der Innenverteidiger vom FC Arsenal nach Philip Heise die vom Club angekündigte zweite Defensiv-Verstärkung werden. Der 22-Jährige hat am Montag noch den Medizincheck zu absolvieren. Der Grieche kommt bis zum Saisonende auf Leihbasis, eine Kaufoption besteht wie bei Heise nicht. Warum auch, an eine Festverpflichtung ist ohnehin nicht zu denken, dazu bewegen sich englische Spieler aus der Premier League in ganz anderen Sphären.

Chris Biechele

Alle Winter-Neuzugänge der Zweitligisten