Bundesliga

Kohfeldts Fazit: "Ein ständiges Umgehen mit Frusterlebnissen"

Werder-Coach bleibt realistisch, aber auch zuversichtlich

Kohfeldts Fazit: "Ein ständiges Umgehen mit Frusterlebnissen"

Bremens Trainer Florian Kohfeldt zieht Bilanz nach acht Tagen Trainingslager.

Bremens Trainer Florian Kohfeldt zieht Bilanz nach acht Tagen Trainingslager. imago images

Aus dem Bremer Trainingslager auf Mallorca berichtet Thiemo Müller

"Es war und ist nicht alles toll", räumte Kohfeldt gleich zu Beginn ein, "es gab Widrigkeiten, Probleme, unerwartete Dinge in diesem Trainingslager." Beispielsweise die Personalsituation: Philipp Bargfrede, Wunschbesetzung auf der neuralgischen Sechserposition, konnte nach seinem 50-Minuten-Einsatz im Test gegen Monza (2:2) am Montag bisher kein Mannschaftstraining mehr absolvieren. "Aus dem Nichts heraus", so Kohfeldt, hätten Achillessehne und Wade "reagiert".

Der Abräumer droht folglich die Generalprobe gegen Hannover 96 am Sonntag zu verpassen, ebenso wie Angreifer Fin Bartels und Milos Veljkovic. Den Innenverteidiger zwingen Adduktorenprobleme schon seit dem zweiten Trainingslagertag zum Aussetzen. Das Trio solle spätestens am Mittwoch wieder voll einsteigen, genau wie Ludwig Augustinsson (nach Faserriss).

Toprak scheint auf einem guten Weg

Es handelt sich also, ebenso wie bei Leo Bittencourt (Kapsel), nicht um gravierende Verletzungen, aber sehr wohl um Blessuren, die Kohfeldt in der Auswahl zum Rückrundenstart in Düsseldorf spürbar einschränken könnten. Denn, so macht der Coach klar: "Ein entscheidendes Kriterium wird sein, wer dann 90 Minuten lang physisch voll dagegenhalten und am besten auch noch etwas zusetzen kann." Immerhin: Ömer Toprak scheint diesbezüglich auf einem guten Weg. Dass er genauso wie Innenverteidiger-Kollege Niklas Moisander das jeweils geplante Programm voll absolvieren konnte, wertet Kohfeldt als "sehr positiv".

Kohfeldt: "In der jetzigen Situation ist eben nichts gewöhnlich"

Dass gerade die Belastungssteuerung am Dienstag und Mittwoch (eine Regenerationseinheit, danach komplett frei) für öffentliche Verwunderung sorgte, kann der Werder-Coach nachvollziehen. Und er lässt durchblicken, dass er unter normalen Umständen vermutlich zumindest eine Einheit mehr auf dem Platz angesetzt hätte. Aber: "In der jetzigen Situation ist eben nichts gewöhnlich. Wir mussten extrem unterschiedliche Fitnesszustände im Kader zusammenbringen." Die sieben gemeinsamen Einheiten auf dem Rasen plus Testspiel seien daher "das maximal Mögliche" gewesen: "Wir mussten uns den Gegebenheiten anpassen. Es hätte noch weniger Sinn ergeben, einfach zu sagen: Wir machen es wie immer. Unter diesen sehr schweren Bedingungen ist aber das aufgegangen, was wir wollten."

Kohfeldt fordert eine von "positiver Arroganz" geprägte Mentalität

Von seiner Idealvorstellung Abstand nehmen musste Kohfeldt derweil auch beim Thema Neuzugänge, jedenfalls was den zeitlichen Ablauf angeht. "Wir hatten gehofft, dass während des Trainingslagers etwas passieren könnte", so der Coach, "aber gewisse Dinge haben sich nicht so schnell entwickelt." Seine Anfordungen an einen möglichen Neuen: Die nötige sportliche Qualität, eine von "positiver Arroganz" (O-Ton Kohfeldt) geprägte Mentalität sowie Finanzierbarkeit. Und Kohfeldt sagt inzwischen auch: "Wenn diese drei Komponenten nicht zusammenpassen, dann werden wir nichts machen. Denn es wäre schlechter, einen Spieler zu holen, der eine dieser Komponenten nicht erfüllt, als nichts zu machen." Die Frage, ob Osnabrücks Felix Agu, designierter Neuzugang im kommenden Sommer, auch schon kurzfristig als Verstärkung infrage komme, beantwortete Kohfeldt dabei knapp und kategorisch: "Nein."

Der Umgang mit Rückschlägen wird zur entscheidenden Qualität

Wenn überhaupt, dann soll also ein Spieler kommen, der keine Zeit zur Eingewöhnung braucht, sondern der Mannschaft direkt selbst Orientierung bieten kann. Denn, so lautet Kohfeldts Gesamtbetrachtung über den Abstiegskampf: "Nach dieser Hinrunde hat keiner von uns gedacht, dass es einfach wird. Und es wird weiter Rückschläge geben. Es ist ein ständiges Umgehen mit Frustrationserlebnissen, das die gesamte Energie von uns allen fordern wird. Aber: Für uns ist wichtig, dass wir sofort immer wieder lösungsorientiert denken. Mein Glaube, der klare Weg und auch die Überzeugung der Mannschaft sind ungebrochen." Der Umgang mit Rückschlägen, das versucht Kohfeldt zu vermitteln, wird im weiteren Saisonverlauf zur entscheidenden Qualität. "Das war ein ganz zentraler Punkt dieses Trainingslagers. Und in dieser Beziehung sind wir einen guten Schritt weitergekommen."

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