Int. Fußball

Klopp vor Mourinho-Duell: "Wer schickt dich her, um solche Fragen zu stellen?"

Klopp winkt bei Mourinhos Spurs ein Rekord

"Wer schickt dich her, um solche Fragen zu stellen?"

Jürgen Klopp (l.) und José Mourinho

"Normal" gegen "Special One": Jürgen Klopp (l.) und José Mourinho treffen sich am Samstag wieder. imago images

Dass ein Erstligist die ersten 20 Saisonspiele mit 19 Siegen und einem Remis abschließt, hat es in der langen Historie des englischen Fußballs tatsächlich schon einmal gegeben - vor zwei Jahren. Doch weil Manchester City damals im 21. Spiel wieder patzte, winkt dem FC Liverpool nun eben am Samstag der alleinige Rekord für den besten Ligastart in Englands Fußballgeschichte.

Gleich die erste Frage geht für Klopp in eine falsche Richtung

Man sollte allerdings nicht leichtfertig voraussetzen, dass Jürgen Klopp davon weiß, geschweige denn damit seine Mannschaft vor dem Auswärtsspiel bei den Tottenham Hotspur (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) motiviert. Das wurde gleich bei der ersten Frage deutlich, die Liverpools Trainer bei seiner Pressekonferenz am Freitag gestellt wurde.

"Oh mein Gott. Wer schickt dich hierher, um solche Fragen zu stellen?", reagierte Klopp, als ein regelmäßiger PK-Gast von ihm wissen wollte, ob er seiner Elf inzwischen eine ganze Saison ohne Niederlage zutraue. "Ich habe noch keine Sekunde an so was gedacht und werde jetzt auch nicht damit anfangen. Wenn wir über irgendeinen Rekord nachgedacht hätten, hätten wir nicht so viele Spiele gewonnen."

Klopp lässt Detail zu Mourinho googeln - und hat gute Nachrichten vom Trainingsplatz

Doch schlecht gelaunt war Klopp am Freitag keineswegs. Er freute sich für "Afrikas Fußballer des Jahres" Sadio Mané ("Das gibt dem Klub einen großen Schub in dem Teil der Welt"), schwärmte von seiner B- bis C-Elf, die Evertons A-Elf im FA Cup schlug ("Ich wollte eine Mannschaft, die die Kraft hat, Everton so sehr unter Druck zu setzen wie nur möglich"), und ließ am Ende sogar noch einen Reporter googeln, auf welcher Position José Mourinho einst spielte. Er hielt den zentralen Mittelfeldspieler fälschlicherweise für einen Torwart. "Sorry, José!"

Vor allem aber hatte Klopp, der am Freitag zum vierten Mal in dieser Saison zum "Trainer des Monats" gekürt wurde, gute Nachrichten vom Trainingsplatz: Xherdan Shaqiri trainiert wieder voll mit, Dejan Lovren und Fabinho ab der kommenden Woche auch. Und Joel Matip absolviert bereits Teile des Mannschaftstrainings. Nur James Milner und Naby Keita fehlen - neben Langzeitausfall Nathaniel Clyne (Kreuzbandriss) - mit ihren Muskelverletzungen noch mindestens bis übernächste Woche.

Mourinho hat Klopp schon mal geärgert - doch gerade läuft alles schief

Die Spurs empfangen Liverpool dagegen ohne Box-to-Box-Stammspieler Moussa Sissoko und Kapitän Harry Kane, die beide monatelang pausieren müssen, und auch ohne Tanguy Ndombelé (Hüftblessur) - und haben auch so schon von ihren jüngsten fünf Pflichtspielen nur eines gewonnen. Der Mourinho-Umschwung hat spürbar an Fahrt verloren.

Trotzdem ist Klopps Respekt vor dem "Weltklasse-Trainer" riesig: Vor zwei Jahren entnervte Mourinho Liverpool mal mit Manchester United im Old Trafford (2:1), 2014 entriss er den Reds (noch ohne Klopp) als Chelsea-Trainer mit einem cleveren 2:0 in Anfield den sicher geglaubten Titel. Auch diesmal erwartet Klopp dessen Team wieder "sehr gut organisiert" und mit vollem Fokus "aufs Verteidigen und Kontern".

Ich denke, und ich kenne mich jetzt seit 52 Jahren, dass ich ein normaler Mensch bin.

Jürgen Klopp

Er habe "eine bestimmte Denkweise, er will mit allem gewinnen, was er hat, von hier bis hier", sagte Klopp über Mourinho und deutete Richtung Kopf und Fuß. "Das respektiere ich sehr." Klopps Gegenmaßnahme: "Wir wollen und müssen unberechenbar sein und Dinge machen, auf die sie sich nicht vorbereiten können."

Dann wäre der nächste Schritt zum Meistertitel getan, den bei 13 Punkten Vorsprung und einem Spiel weniger wohl nicht einmal "The Special One" noch gefährden kann. Wäre dann Klopps viereinhalb Jahre alte Selbsteinschätzung als "The Normal One" überhaupt noch zeitgemäß? "Normal ist komplett in Ordnung", wehrt er sich gegen einen Namenswechsel. "Ich denke, und ich kenne mich jetzt seit 52 Jahren, dass ich ein normaler Mensch bin. Ich weiß ein bisschen mehr über Fußball als manch anderer, aber in allen anderen Bereichen ist nichts Besonderes an mir - leider."

Lesen Sie auch: Vor VfB-Rückkehr - Klopp schwärmt von Phillips

jpe

Internationale Top-Transfers des Winters