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Warum eSport-Vereine auf die Gemeinnützigkeit drängen

Die versteckten und offensichtlichen Vorteile

Warum eSport-Vereine auf die Gemeinnützigkeit drängen

Die Gemeinnützigkeit von eSport-Vereinen ist ein heißes Thema in Deutschland.

Die Gemeinnützigkeit von eSport-Vereinen ist ein heißes Thema in Deutschland. Pexels

In Paragraph 52 der deutschen Abgabenordnung steht geschrieben, welche Vereine als gemeinnützig eingeordnet werden. 25 Kategorien sind aufgezählt, eSport ist jedoch keine davon. Und obwohl der ESBD immer wieder darauf drängt, zählt eSport für die Bundesregierung nicht zum Sport. Deswegen sind Vereine aktuell gezwungen, andere Wege zu gehen. Über die "Förderung der Jugendhilfe" ist das Leipzig eSports e.V. bereits gelungen, allerdings erfordert diese Alternative, dass eine festgelegte Prozentzahl der Vereinsmitglieder maximal 27 Jahre alt sein darf. Das kann zu Problemen führen. Von einer wirklichen Lösung kann daher keine Rede sein.

Die offensichtlichen Vorteile

Die Gemeinnützigkeit ist für eSport-Vereine interessant, weil der Status viele Vorteile mit sich bringt. Diese sind in erster Linie finanzieller Natur: Beispielsweise profitieren gemeinnützige Vereine von Erleichterungen bei den meisten Steuergesetzen. Konkret bedeutet das, dass sie weniger bis gar keine Abgaben auf Mitgliedsbeiträge, Spenden und Zuschüsse zahlen müssen. Ferner erlaubt die Gemeinnützigkeit überhaupt erst Spenden anzunehmen und Spendenbestätigungen auszustellen. Ebenfalls hilfreich ist die Ehrenamts- und Übungsleiterpauschale: Solange die Vergütungen einer Person in einem Jahr nicht 720 Euro (Ehrenamt) und 2.400 Euro (Übungsleiter) überschreiten, sind sie steuerfrei.

Weitere finanzielle Vorteile befassen sich mit der Eintragung ins Vereinsregister, die kostengünstigere Überlassung von öffentlichen Räumen und Hallen sowie die Möglichkeit, Zuschüsse von offiziellen Kassen oder Stiftungen zu erhalten.

Die versteckten Vorteile

Rein finanziell sind die Vorzüge der Gemeinnützigkeit jedoch nicht. Der neue Status hätte einen ideellen Wert für eSport-Befürworter, denn es würde zeigen, dass die Regierung die Lebenswelt vieler Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener nicht nur duldet, sondern auch als förderungswürdig ansieht. Hinzu kommt, dass gemeinnützige Vereinen generell ein besseres Image genießen. Das ist durchaus hilfreich, wenn Eltern darüber nachdenken, ihr Kind bei einem eSport-Verein anzumelden.

ESBD-Präsident Hans Jagnow kämpft schon seit mehreren Jahren für die Gemeinnützigkeit von eSport-Vereinen.

ESBD-Präsident Hans Jagnow kämpft schon seit mehreren Jahren für die Gemeinnützigkeit von eSport-Vereinen. ESBD|Maria Manneck

Der neue Status würde auch traditionellen Sportvereinen helfen. Denn solange eSport nicht als gemeinnützig gilt, müssen sich Sportklubs sorgen, wenn sie ihr Angebot um eine digitale Disziplin erweitern wollen. Ein gemeinnütziger Verein darf schließlich nur anbieten, was entsprechend der Abgabenordnung als selbstlos eingeordnet ist, sonst laufen sie Gefahr, die Förderung und den Status als gemeinnützige Organisation zu verlieren. Sie brauchen Rechtssicherheit.

Nachteile der Gemeinnützigkeit sind außerdem zusätzliche Beschränkungen beim Ausgabe- und Investitionsverhalten. Damit verbunden ist häufig auch ein höherer Verwaltungsaufwand für den Vorstand.

Auf Anfrage gab ESBD-Präsident Hans Jagnow folgendes Statement zur angestrebten Gemeinnützigkeit von eSport-Vereinen ab: "Die Anerkennung von eSport als Sportart bedeutet in der praktischen Umsetzung, eSports-Vereine steuerlich mit traditionellen Sportvereinen gleichzustellen. Die ehrenamtliche Arbeit wird stark erleichtert: Die Ehrenamtler dürfen steuerbefreit Pauschalen annehmen, die Vereine dürfen erstattungsfähige Spenden erhalten. Mit dieser notwendigen Grundlage fördern die Vereine verstärkt eine gesunde und aktive Breitensportkultur im eSport, die für Begegnung, Betreuung, Kompetenz und Nachwuchsförderung steht. Das ist die Basis für die gesamte eSport-Bewegung in Deutschland."

Christian Mittweg