Int. Fußball

Gedankenblitz von Toni Kroos (Real Madrid) - und kaum einer sieht's

Real Madrid gewinnt Supercup-Halbfinale gegen Valencia in Saudi-Arabien

Gedankenblitz von Kroos - und kaum einer sieht's

Toni Kroos ist Spieler von Real Madrid.

Hat einen Einfall gehabt, schnell geschossen und für Real Madrid im spanischen Supercup getroffen: Toni Kroos. imago images

Mit 3:1 gewann Real Madrid am Mittwochabend das Supercup-Halbfinale gegen den FC Valencia. Medial fand das Ganze allerdings in Form von Live-Bildern wenig Beachtung. Denn während Verbandschef Luis Rubiales vom "Cup der Gleichheit" spricht und der gesamte Verband öffentlich mitteilt, sich in Saudi-Arabien einbringen und dabei "helfen" zu wollen, "das Land zu transformieren", so sehen das zum Beispiel öffentliche Medienanstalten anders. Sie verweigern aufgrund der steten Kritik an der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien die Übertragung der Spiele, verzichten somit auch auf TV-Publikumsmagneten wie Lionel Messi (Barcelona), Antoine Griezmann (Barcelona), Joao Felix (Atletico) oder eben Kroos. Darunter der Staatssender RTVE, der unter ausdrücklichem Verweis auf die Menschenrechte auf die Übertragung des Supercups verzichtet. Privatsender schlossen sich an.

Und so ging eben jenes freche, einfallsreiche Tor des deutschen Nationalspielers Kroos unter. Was dieser gemacht hatte? Als Valencias Torhüter Jaume Domenech in der 15. Minute nach einer ausgesprochenen Ecke am Fünfmeterraum gerade dabei war, seine Abwehr zu dirigieren, holte sich Kroos den Ball, legte ihn sich schnell nahe der Fahne hin, blickte kurz auf - und schlenzte die Kugel kurzentschlossen kunstvoll direkt ins Gehäuse. Ein "Gol Olimpico", wie direkt verwandelte Ecken in Spanien genannt werden, war im Real-Trikot zuletzt Davor Suker im Dezember 1997 gelungen.

"Bravo, Toni, was für ein Tor!"

Ein "Geniestreich", schwärmte nicht nur Real-Trainer Zinedine Zidane. "Bravo, Toni, was für ein Tor!", twitterte Thomas Müller, der an der Seite des Real-Stars im Jahr 2014 Weltmeister in Brasilien geworden war. NBA-Jungstar Luka Doncic schickte dagegen zwei Zauberer-Zylinder - und die Madrider Sportzeitung "AS" schwärmte: "Ein Tor so schön wie schlau. Von dieser Ungeheuerlichkeit spricht der ganze Planet!"

Doch obwohl die Königlichen um Kroos laut Hausblatt "Marca" schön "wie aus 1001 Nacht" spielten, überwog doch der Aufschrei bezüglich der Austragung dieses auf ein K.-o.-Turnier mit vier Mannschaften (Real, Valencia, Atletico, Barça) umgebauten Turniers. Die Kritiker fühlen sich bestätigt - kostenlose Eintritte für Frauen bei diesen Partien seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

"Glückwunsch, Rubiales"

Der spanische Verband habe sich mit der angeblich 120 Millionen Euro schweren Vergabe des reformierten Wettbewerbs bis 2022 einer "Schande" schuldig gemacht, kommentierte das Blatt "Super Deporte" aus Valencia: "Alles war sogar noch viel schlimmer als befürchtet." Das Blatt kritisierte, dass sich Rubiales, Chef des spanischen Verbandes RFEF, auf der Tribüne des King Abdullah Sports City Stadiums in Dschidda mit lokalen Würdenträgern gezeigt hatte. "Glückwunsch, Rubiales", lautete eine ironische Schlagzeile.

In Valencia direkt riefen Fans auf Bannern zum Boykott des Supercups auf, keine 30 Anhänger des Pokalsiegers sollen in Dschidda vor Ort gewesen sein. Die offiziell 40.877 anwesenden Zuschauer wirkten im Stadion, das insgesamt über 62.000 Plätze bietet, verloren.

Der Verbandsboss versäumte es in diesem Zuge übrigens nicht, sich der Kritik auch aus dem Netz via Twitter entgegenzustellen. Die Nörgler dächten nur daran, der Sache "mit destruktiven Zuschreibungen zu schaden", schrieb er. "Dieser Supercup ist besser als der vorherige, der wenig Bedeutung hatte." Mit den um ein Vielfaches gesteigerten Einnahmen könne der Verband außerdem niederklassigen Klubs oder dem Frauenfußball helfen.

"Der Fußball trachtet nach Einnahmen"

Die wohl ehrlichste Aussage traf derweil Barça-Trainer Ernesto Valverde. "Letztlich ist es doch so: Der Fußball ist ein Geschäft geworden und trachtet nach Einnahmen", so der 55-Jährige vor dem zweiten Halbfinale am Donnerstagabend (20 Uhr) gegen Atletico. "Deshalb sind wir alle hier."

mag