NFL

Warum Russell Wilson die Green Bay Packers fürchtet

Quarterback der Seattle Seahawks kennt sich in Wisconsin aus

Der Fluch der alten Heimat? Warum Russell Wilson Green Bay fürchtet

Russell Wilson ist Quarterback der Seattle Seahawks.

Hat sein viertes Gastspiel bei den Green Bay Packers im Blick: Seattles Quarterback Russell Wilson. imago images

Nach dem überraschenden Aus der New Orleans Saints gegen die Minnesota Vikings (20:26 nach Verlängerung) und dem Weiterkommen Seattles bei den Philadelphia Eagles (17:9) war für die zuletzt spielfreien und über 100-jährigen Green Bay Packers klar, dass sie in der kommenden Nacht von Sonntag auf Montag (0.40 Uhr MEZ) vor heimischer Kulisse auf die Seahawks treffen werden. Und damit war auch für Hawks-Quarterback Russell Wilson klar, dass er erneut auf bekanntem und sicherlich auf sportlicher Basis nicht geliebtem Terrain aufschlagen muss - im heiligen Lambeau Field zu Green Bay.

Dieses Stadion, das seit unglaublichen 350 Heimspielen konsequent mit weit über 70.000 Zuschauern ausverkauft ist und wo Dauerkartenanwärter Jahrzehnte auf ein Ticket warten müssen, hat nämlich nicht nur einen weltweiten Ruf als schier uneinnehmbare Festung - es strahlt auf Wilson auch einen bislang noch nicht gebrochenen Bann aus.

Denn wie sonst ist es zu erklären, dass der bestbezahlte Quarterback der NFL hier schon dreimal angetreten ist und dreimal verloren hat? Zumal er in den besagten Partien 2015 (17:27), 2016 (10:38) und 2017 (9:17) auf insgesamt für ihn unübliche Werte von nur 57,3 Prozent angekommenen Pässen, mageren drei Touchdowns und ganzen sechs Interceptions kommt. Besonders in Erinnerung blieb sicherlich das Spiel Seattles am 11. Dezember 2016, als sich Wilson bei Minusgraden fünf Interceptions in einem Spiel leistete und sein Team mit 10:38 quasi auf der Stelle erschauderte sowie erfror. Genau solche Temperaturen erwarten ihn und das gesamte Team, das aus dem Bundesstaat Washington von der Westküste anreist, nun auch wieder.

Die Fans der Packers? "Phänomenal"

Wer nun denkt, die Kälte würde Wilson etwas ausmachen, der irrt. Denn erstens kann es auch in Seattle nass, kalt und schneeig werden - und zweitens kennt sich Wilson rund um Green Bay aus. Der 31-Jährige ist einerseits am 29. November 1988 in Cincinnati (Ohio) und damit nicht allzu weit entfernt geboren (etwa 500 Meilen) sowie zum Start seiner Sportlerkarriere an der University of Madison im US-Bundesstaat Wisconsin bei den Badgers gelandet. Er weiß somit um die Witterungsbedingungen in diesem Bundesstaat, hat die besondere, innige Verbindung der Einwohner, der Fans, zu den Packers hautnah erlebt.

Ich wusste bis gerade noch nicht einmal, dass wir jetzt gegen die Packers spielen.

Russell Wilson nach dem Sieg über die Eagles

Darüber hat Wilson in der Vergangenheit auch schon gesprochen: "Hier zu spielen, ist immer schwierig. Das wird nie leicht. Denn man spielt stets gegen ein großartiges Football-Team mit einer solch großen Tradition. Und das Publikum, das ist schlicht phänomenal."

Vor dieser Woche hatte sich Wilson aber zunächst noch nicht viel Gedanken um Green Bay gemacht. Kurz nach dem Erfolg in Philadelphia wurde er auf den kommenden Gegner angesprochen und gab an: "Ich habe mir im Vorfeld nichts angeguckt. Ich wusste deswegen bis gerade noch nicht einmal, dass wir jetzt gegen die Packers spielen."

Das Drama von 2015

Und das, obwohl das Aushängeschild der Seahawks auch positive Erinnerungen an Duelle mit "The Pack" hat. So hat er vor heimischer Kulisse im CenturyLink Field bislang alle vier Vergleiche gewonnen - darunter das wilde 28:22 im NFC-Finale am 18. Januar 2015, als Wilson auf nur 209 Yards und einen Touchdown bei ganzen vier Interceptions sowie einem Fumble kam. Warum das Spiel trotzdem gewonnen wurde? Weil Wilson & Co. damals nur 44 Sekunden benötigten, um nach einem schwachen Spiel aus einem 7:19-Rückstand zunächst kurz vor Schluss noch ein 22:19 zu machen. Nach dem rettenden Packers-Field-Goal zum 22:22 ging es in die Overtime, wo der Star-Spielmacher Seattles schließlich mit einem 35-Yard-Touchdown-Pass zu Jermaine Kearse zuschlug und das 28:22 eintütete.

"Das hier und heute ist nur schwer zu verdauen", hatte damals Green Bays Head Coach Mike McCarthy (inzwischen Trainer der Dallas Cowboys und bei "The Pack" von Matt LaFleur abgelöst) zu Protokoll gegeben. Green Bays Gunslinger Aaron Rodgers, der wie Wilson bislang nur einmal den Super Bowl gewonnen hat, hatte damals ins selbe Horn gestoßen: "Das ist eine vertane Chance, die mich wahrscheinlich noch den Rest meiner Karriere verfolgen wird. Wir waren heute das bessere Team, wir haben gut genug gespielt, um zu siegen. Wir können keinem die Schuld geben, nur uns selbst."

Im Lager der Seahawks, die es zum damaligen Zeitpunkt als erstes Team seit zehn Jahren (nach New England) wieder geschafft hatten, im zweiten Jahr in Folge in den Super Bowl einzuziehen, war die Freude und die Erleichterung natürlich übergroß - auch wenn sie später das Endspiel gegen die Patriots nach einem ebenfalls dramatischen Finish (Stichwort: Wirres Wagnis mit oder besser ohne Marshawn "Beast Mode" Lynch). Quarterback Wilson zum Beispiel war nach Spielschluss zusammengebrochen, hatte kniend am Boden minutenlang die Tränen fließen lassen.

Wilson: "Wir erwarten natürlich etwas Schnee"

Russell Wilson und Aaron Rodgers sind Quarterbacks in der NFL.

Duellieren sich in der kommenden Divisional Round zum insgesamt achten Mal: Russell Wilson und Aaron Rodgers. imago images

Der damalige 16-Punkte-Rückstand (Halbzeitstand 16:0 für die Packers) war im Übrigen das größte Defizit, das bislang in der NFL-Geschichte in einem Conference-Finale (in diesem Fall NFC) aufgeholt wurde. Einst hatte Indianapolis im Jahr 2006 in der AFC ein 6:21 gegen New England noch gedreht.

Und dass es eben jetzt wieder gegen Green Bay geht, das freut auch Wilson - trotz des Fluchs von Lambeau. Im Vorfeld vor diesem Top-Duell sagt der Star-Quarterback auch mit Hinblick auf den abermaligen Vergleich mit Rodgers (insgesamt das achte Duell der beiden) mit einem Lächeln: "Wir erwarten natürlich etwas Schnee und ein großartiges Spiel. Sie haben Aaron und viele weitere starke Spieler. Sie machen das wirklich gut. Wir kommen zurück nach Wisconsin - und auf dieses Duell freuen wir uns sehr."

mag

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