Bundesliga

Eintracht Frankfurts Legende Karl-Heinz Körbel: "Das kannst du mit keinem Geld der Welt bezahlen"

Die Fußballschule trainiert parallel zu den Profis

Körbel: "Das kannst du mit keinem Geld der Welt bezahlen"

Aktuell mit der Fußballschule in Florida: Karl-Heinz

Aktuell mit der Fußballschule in Florida: Karl-Heinz "Charly" Körbel. imago images

Aus Frankfurts Trainingslager in Bradenton (Florida) berichtet Julian Franzke

Auch wenn man wie der "treue Charly" mit allen Wassern gewaschen ist, kann es einen immer noch kalt erwischen. Mit 602 Einsätzen für Eintracht Frankfurt der Bundesliga-Rekordspieler zu sein, ist schön und gut, doch auch das hilft nicht, wenn nach der Landung in Tampa auf einmal der Koffer verschollen ist, in dem das Allerheiligste verstaut ist: die Fußballschuhe. Eine neue Zahnbürste konnte Körbel abends flugs noch an einer Tankstelle besorgen, doch die richtigen Treter gab es dort natürlich nicht. Zum Glück ist auch Zeugwart Igor Simonov, einst Profi bei Schachtar Donezk, in Florida vor Ort. Dessen Fußballschuhe lieh sich Körbel kurzerhand aus. So konnte er schließlich doch noch das tun, was er am liebsten macht: Fußballspielen - auch wenn der Schuh im wahrsten Sinne des Wortes drückte.

Zusammen mit einigen Mitarbeitern aus der Fußballschule, darunter Uwe Bindewald, sorgt er in diesen Tagen für große Begeisterung bei den fußballhungrigen Jungs und Mädchen aus der näheren Umgebung. Schon bei den Trainingslagern in Abu Dhabi waren Körbel und die Fußballschule mit von der Partie, mittlerweile wachsen seit einigen Jahren auch das Netzwerk und die Bekanntheit in den USA.

Vor drei Jahren kannte hier keiner Eintracht Frankfurt, jetzt haben wir eine ganz andere Präsenz, das betrifft auch die Fußballschule.

Karl-Heinz Körbel

"Vor drei Jahren kannte hier keiner Eintracht Frankfurt, jetzt haben wir eine ganz andere Präsenz, das betrifft auch die Fußballschule. Wir haben bedeutend mehr Kinder als letztes Jahr", erzählt Körbel. Am Sonntag waren 40 Jungen und Mädchen im Alter von etwa 14 Jahren in der IMG Academy, wo sie parallel zu den Profis trainierten, ein Gruppenbild mit den Stars schossen und nach der Einheit fleißig Autogramme auf ihren Trikots sammelten. "Parallel mit der Profi-Mannschaft trainieren können, dieses Zusammenspiel kannst du mit keinem Geld der Welt bezahlen", sagt Körbel stolz.

Zu Wochenbeginn kommt die nächste Gruppe in den Genuss eines Schnuppertages, sie wird dann schon 60 Kinder umfassen. "Wir sehen jedes Jahr eine Verbesserung. Am Anfang mussten wir um jedes Kind kämpfen, jetzt kriegen wir Anfragen", erzählt Körbel. Auch der Besuch an einer Highschool steht auf dem Programm: "Da halten wir einen Vortrag über den deutschen Fußball und den Vergleich zum US-Fußball. Außerdem veranstalten wir dort eine Trainingseinheit." Der frühere Verteidiger findet all das "einfach cool" und erklärt: "Die Eintracht hat gesagt, dass die Fußballschule immer präsent sein muss, wenn die erste Mannschaft unterwegs ist." Die internationale Marketingstrategie des Klubs umfasst eben auch die Fußballschule.

Körbel sieht Profis nicht so kritisch wie manch anderer - Chance gegen Salzburg besteht

Parallel verfolgt Körbel das Geschehen rund um die Profis natürlich mit Adleraugen. Der Einbruch vor Weihnachten hat auch ihn überrascht. "Mit dieser Situation haben wir alle nicht gerechnet, die Erwartungshaltung war in den letzten Jahren riesig", sagt der 65-Jährige. Allzu großen Grund zur Sorge sieht er allerdings trotz der Negativserie nicht, die aufgekommene Kritik kann er nicht so recht verstehen: "Wir haben eine gute Mannschaft, mit diesen Spielern haben wir Bayern München 5:1 in Grund und Boden gespielt. Jetzt soll wieder alles schlecht sein?"

Er glaubt, dass Frankfurt in der Rückrunde "wieder eine gute Rolle spielen" wird. Dabei setzt er auf die Rückkehr verletzter Spieler und auf die Hoffnung, dass es keine leichtfertigen Platzverweise mehr geben wird. Mit großer Zuversicht blickt er den Duellen gegen Salzburg in der Europa-League-Zwischenrunde entgegen: "Salzburg hat mit Haaland und Minamino seine beiden besten Stürmer verkauft. Wenn bei uns alle wieder da sind, sind wir in der Lage weiterzukommen. Ich gehe sogar davon aus, dass wir das schaffen. Warum sollten wir Angst haben? Sicherlich ist das eine gute Mannschaft, aber wir haben eine Chance - mit unserem Publikum im Rücken."

Julian Franzke