Bundesliga

Ascacibar über seine Sperren: "Das ist eine Katastrophe"

Der Argentinier über seine Vorbilder, Schnitzel und den Angelschein

Ascacibar über seine Sperren: "Das ist eine Katastrophe"

Santiago Ascacibar

Hatte sich in Stuttgart nicht immer unter Kontrolle: Hertha-Neuzugang Santiago Ascacibar. picture alliance

Wenn man die Person Santiago Ascacibar auf der Terrasse des Teamhotels in Orlando so sitzen saß, dann hätte der Kontrast zu dem Spieler Santiago Ascacibar kaum größer sein können. Der eine sprach leise über sich und seinen Wechsel vom VfB Stuttgart zu Hertha BSC, gab sich zurückhaltend, beinahe schüchtern; mit den Händen umklammerte er, wie um Halt suchend, einige Trainingsutensilien, die auf seinem Schoss lagen. Am Ende der Gesprächsrunde sagte der höfliche 22-Jährige zu den sechs Journalisten, die Hertha ins Wintertrainingslager nach Florida begleiten: "Entschuldigung für mein Deutsch."

Der andere hingegen, also der Spieler Santiago Ascacibar, kann mit seinen 1,68 m Körpergröße ein Giftzwerg sein, sah in der vergangenen Saison zehn Gelbe Karten, hinzu kam der Feldverweis für die Spuckattacke auf Leverkusens Kai Havertz. Insgesamt verpasste er so acht Spiele gesperrt. "Das ist eine Katastrophe", urteilte Ascacibar über diese Bilanz und damit gewissermaßen auch über sein zweites Ich, diesen "sehr aufbrausenden Jungen", der zwar "charakterlich top" sei, aber mit dem "manchmal halt die Gäule durchgehen", wie sein Ex-Trainer Tim Walter mal formulierte.

Einzeltraining und Geldstrafe in Stuttgart

Der ehemalige Stuttgarter Coach hatte im September bei drei Spielen auf die Dienste des Argentiniers verzichtet - aus disziplinarischen Gründen, nachdem Ascacibar einen dauerhaften Platz als Sechser eingefordert hatte, weil er nicht mehr als Achter oder Zehner spielen wollte. Gegen Bochum, in Regensburg und gegen Fürth zählte Ascacibar nicht zum Kader, zudem musste er Einzeltraining absolvieren und eine Geldstrafe bezahlen.

Der Denkzettel soll gesessen haben, jedenfalls sagte Ascacibar bei seinem ersten Medientermin als Angestellter von Hertha BSC: "Ich habe viel gelernt. Ich muss auf dem Platz geduldiger bleiben. Das mache ich jetzt." Als Beleg mag seine Antwort auf die Frage dienen, was denn passiere, sollte sein neuer Trainer Jürgen Klinsmann ihn bei den Berlinern wie einst Walter beim VfB nicht als Sechser aufbieten? "Dann", versicherte Ascacibar, "spiele ich das. Kein Problem."

Die Gefahr dürfte allerdings gering(er) sein. Bei Hertha ist er wohl als Sechser vorgesehen, als zweikampf- und laufstarker Zerstörer sowie Balleroberer vor der Abwehr. Marko Grujic oder Arne Maier, die ihre Stärken weiter vorne haben, wären dann frei für die Position als Achter.

Widmayer erklärte Ascacibar die Hertha

Erst einmal muss Ascacibar aber ankommen bei den Berlinern, über die er sich bei Rainer Widmayer informierte. Der Co-Trainer des VfB war in dieser Funktion in der Hauptstadt unter Markus Babbel und Pal Dardai tätig, kennt den Klub daher aus dem Effeff. "Er sagte, Hertha ist ein großer Verein", erzählte Ascacibar.

Ob der Tabellenzwölfte der Bundesliga, der für Ascacibar eine Ablöse von elf Millionen Euro (plus Boni) nach Stuttgart überweist, ein großer Verein ist, ist Auslegungssache. In jedem Fall haben die Berliner seit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst und der Amtsübernahme von Klinsmann große Ziele. "Es gibt viele gute Spieler im Kader. Wir können viel erreichen", konstatierte Ascacibar.

Vidal, Verratti, Schnitzel und der Angelschein

Neben der Perspektive, die Großes für die Hauptstadt bereithalten soll, war für den Argentinier außerdem wichtig, dass er sich wieder in der Bundesliga beweisen und sich so für eine Rückkehr in die Nationalmannschaft empfehlen kann. Als Zweitligaspieler sei eine Nominierung in die Albiceleste "keine Option", meinte Ascacibar, der seinen Wechsel zu Hertha auch deshalb als "gute Gelegenheit" bezeichnete, schließlich "möchte ich in der Bundesliga spielen".

Diesen Wunsch hat er sich nun erfüllt. Voraussichtlich im Februar wird "El Ruso", der Russe, wie er in seiner Heimat aufgrund seiner blonden Haare genannt wird, außerdem Vater. Es sind ereignisreiche Zeiten für Ascacibar, der als seine Vorbilder auf seiner Position Barcelonas Arturo Vidal und PSG-Profi Marco Verratti nennt und Schweineschnitzel zu seinem deutschen Lieblingsessen erkoren hat. Nur eine Sache, auf die muss er wohl noch etwas warten: seinen Angelschein.

"In Argentinien war Angeln mein Hobby", erzählte Ascacibar, aber "hier geht es nicht. Ich habe keine Lizenz. Die muss ich noch machen." Vielleicht hilft ihm die ja, auch als Fußballer etwas ruhiger zu werden.

tru

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