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2020: Jahr der Entscheidung für die Overwatch League

Ambitionierte Pläne und eine besorgniserregende Entwicklung

2020: Jahr der Entscheidung für die Overwatch League

Ein ambitionierter Plan: In der neuen Saison versucht Blizzard jeden Spieltag große Arenen zu füllen

Ein ambitionierter Plan: In der neuen Saison versucht Blizzard jeden Spieltag große Arenen zu füllen. Blizzard|Robert Paul

Wenn die neue Spielzeit am 8. Februar beginnt, wird das Heimspiel-Konzept, mit dem Blizzard 2016 die eSport-Welt schockte, in die Tat umgesetzt. Lange hat es gedauert, um alle Teams auf diesen Schritt vorzubereiten, nun ist es vollbracht: In der kommenden Saison wird jede der 20 teilnehmenden Organisationen Heimspiele in einer eigenen Arena veranstalten. Zwei Vereine spielen jede Woche den Gastgeber, die restlichen Mannschaften kommen zu Besuch. Dadurch ist es Fans weltweit möglich, ihre Lieblingsteams live und in einer Arena anzufeuern - so wie es beim traditionellen Sport der Fall ist. Das war zuvor schwierig, da fast alle Begegnungen in der Blizzard-Arena in Kalifornien stattfanden. 2020 wird die OWL auch durch Europa oder Asien touren.

Die Heimspiele sind das finale Puzzlestück im Konzept Blizzards, jedem Team einer Stadt zuzuordnen. Die Ligabosse hoffen, dadurch eine stärkere Fanbindung zu schaffen, was wiederum neue finanzielle Vorzüge mit sich bringt: Einnahmen durch Ticket- sowie Fanartikel-Verkäufe und regionale Werbepartner waren bislang noch ein unerschlossener Markt im gesamten eSport. Mit den Heimspielen könnte in den Punkten jedoch ein Durchbruch errungen werden. Auf der anderen Seite stehen die Risiken: So wird der aktuelle Spielplan viele Reisen über die Grenzen von Kontinenten hinweg erfordern. Das ist nicht nur kostspielig, sondern auch mit vielen Strapazen für die eSportler verbunden. Des Weiteren ist unklar, wie erfolgreich die Heimspiele überhaupt werden: Kommen genug Fans? Und läuft die Organisation glatt ab? Derlei Fragen müssen 2020 möglichst positiv beantwortet werden, damit die Overwatch League langfristig ein Erfolg werden kann.

Besorgniserregende Trends

Dass das Heimspiel-Konzept aufgeht, ist besonders wichtig, da die Liga im vergangenen Jahr eine besorgniserregende Entwicklung hingelegt hat. Unter anderem verlor die Overwatch League bekannte Kommentatoren und Experten. Viel wichtiger noch: Der ursprüngliche OWL-Comissioner Nate Nanzer verließ Blizzard im Mai in Richtung Konkurrenz Epic Games und Fornite. Dabei war der US-Amerikaner einst die Person, die mehrere Team-Inhaber und Investoren von dem Einstieg in die Liga überzeugte.

Zudem sind auch die Zuschauerzahlen nicht prickelnd: Laut der Statistik-Seite Esports Charts erreichten die Live-Übertragungen der OWL Playoffs 2019 auf Twitch und YouTube einen Bestwert von knapp 318.000 Zuschauern, während durchschnittlichen etwa 110.000 einschalteten. Im Jahr zuvor waren es noch fast 350.000 in der Spitze und 130.000 durchschnittlich. Ein Todesurteil ist das noch nicht - zumal die meisten Teaminhaber bei ihrem Einstieg klar machten, dass sie langfristig auf das Projekt OWL setzen -, doch wie lange bleibt diese Sicht, wenn die Zahlen weiter sinken und das Heimspiel-Projekt nicht den erhofften Erfolg bringt?

Die dritte große Sorge ist der Zeitpunkt. Mit der Ankündigung von Overwatch 2 auf der BlizzCon 2019 und dem noch nicht feststehenden Release-Datum wird 2020 gewissermaßen zum Übergangsjahr. Das kann sowohl Auswirkungen auf das Interesse der Spieler haben, als auch auf die Balance des Spiels. Denn viele Entwickler werden sich nun verstärkt mit Overwatch 2 beschäftigen, anstatt kleine Problemstellen im aktuellen Teil anzugehen.

All diese Sorgen zu so einem wichtigen Zeitpunkt für die Zukunft der Overwatch League machen 2020 zu einem entscheidenden Jahr in der Entwicklung der Liga. Der potenzielle Erfolg ist groß, die anstehenden Herausforderungen aber ebenfalls.

Christian Mittweg